21. Oktober 2019, 08:00 Uhr

Springpark Valley

Kommt Google nach Bad Vilbel?

Europas größtes Innovationsquartier soll in Bad Vilbel entstehen. Das Springpark Valley soll rund 6500 Menschen nach Bad Vilbel locken. Investor Jörg-Peter Schultheis hat das Projekt vorgestellt.
21. Oktober 2019, 08:00 Uhr
Die Smart City in Bad Vilbel soll bis 2024 gebaut sein. Sie schließt sich an den Grünzug an, wird selber grün mit vielen Wasserflächen und soll Ort für 6500 Arbeitsplätze für Forscher und Entwickler werden. (Fotos: Spring Park Valley/pv/pe)

Als vor fast fünf Jahren bekannt wurde, dass auf einem Großteil der Gewerbeflächen zwischen der B 3 und dem Wohngebiet Quellenpark fast eine eigene Stadt mit Gewerbe-, Gastronomie- und Wohnflächen entstehen soll, schüttelten viele ungläubig den Kopf. Ein viele hundert Millionen Euro teures Projekt mit mehreren tausend Arbeitsplätzen, supermodern, konnte sich kaum jemand vorstellen. Mittlerweile ist der Baggerkratz erfolgt, die Arbeiten zur Vorbereitung des Geländes für die Smart-City sind im Gange. Das Projekt hat mittlerweile so konkrete Gestalt angenommen, dass Mitinvestor und Mitgesellschafter der CESA Spring Park GmbH, Jörg-Peter Schultheis, es nun öffentlich vorgestellt hat.

Im Saal des Dortelweiler Kulturforums herrscht gespannte Stille, als Schultheis seinen Vortrag hält. Was er da verkündet, sprengt für viele alle Dimensionen des vorstellbaren. Von 800 Millionen Euro Investitionssumme spricht er, von 2500 Mitarbeitern unterschiedlicher Projektpartner, die das Großprojekt bis zum Jahr 2024 bauen sollen, von rund 6500 Arbeitsplätzen, die entstehen werden, 2600 Parkplätzen für Fahrräder, 200 Elektroautos, 300 Mietwohnungen plus 1000 Serviced Apartements für Kurzzeitmieter.

Platz für Entwickler und Strategen

Bereits jetzt habe man 2000 Interessenten, »die dort rein wollen, auch wenn wir noch gar nicht in die aktive Vermarktung gegangen sind. Wir generieren jetzt schon Nachfrage, ohne jegliche Werbung.« Einen bekannten Namen, der vor die Tore Frankfurts ziehen will, nennt Schultheis: Der Bosch-Konzern wolle zwischen 300 und 600 Mitarbeiter seiner Strategie-, Forschungs- und Entwicklungsabteilung in die Smart City schicken.

Der Gesellschafter begründet dies damit, »dass sich die Entwickler in der Smart City nicht mehr eingeengt fühlen. Hier tauschen sie sich mit Köpfen anderer Unternehmen, aber auch jungen Startups auf Augenhöhe aus.« Vielen der rund 250 Zuhörerinnen und Zuhörer dürften bei einer weiteren Aussagen Schultheis’ die Ohren geklungen haben. »Ich bin mit der Führung des Google-Konzerns in London im Gespräch.« Die europäische Zentrale sei aus Irland nach England umgezogen und habe nun in London ihren Sitz. »Die haben dort eine geile Zentrale gebaut«, sagt Schultheis. Nachteil: »Die Mitarbeiter fahren zweieinhalb Stunden vom Umland bis zu deren Arbeitsplätzen. In Bad Vilbel könnten sie möglicherweise in zweieinhalb Minuten am Arbeitsplatz sein.«

Schultheis und CESA wollen einen flexiblen Innovations-Campus für die Strategie-, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sowohl von Großunternehmen als auch Mittelständlern und Startups schaffen. Wohnen, Arbeiten und Leben soll auf dem Gelände möglich sein. Der Mitinvestor wirbt damit, dass das Areal stark begrünt und für die Öffentlichkeit geöffnet sein wird. »Wir wollen dort kein gesichtsloses Gewerbegebiet bauen, das abends verwaist ist.« Es solle Tag und Nacht Betrieb sein. Alles modern ausgestattet, mit 5G-Internet, Elektroautos, E-Fahrrädern und 1400 Ladestationen für E-Autos. »Und Sie können sich eines der 200 Autos ausleihen und am Wochenende eine Spritztour machen«, schlägt er vor.

Zutritt über Smartphone-App

Zudem werde es auf dem Gelände Restaurants und Bistros geben, kleine Einkaufsmöglichkeiten und vieles mehr. Wer diese nutzen wolle, müsse sich eine App auf sein Smartphone laden. Damit erfolge aus Sicherheitsgründen der Zutritt zum Gelände, aber damit könne man auch in den Restaurants oder beim Einkaufen bezahlen. »Bargeld wird bei uns kein Zahlungsmittel sein.«

Mit seinem launigen und von Optimismus sprühenden Vortrag hat er hörbar einen großen Teil der Zuhörer eingefangen. Denn es gab nur sehr wenige kritische Punkte, die sich stellenweise eher an die Stadt richteten als an die Investoren. Denn auf der Homburger Straße wird eine verstärkte Verkehrsbelastung durch Baufahrzeuge befürchtet. Schultheis versicherte, man habe die Bauzeit auf fünf Jahre begrenzt, um die Belastung für die Bevölkerung überschaubar zu halten.

Ein Bürger bezeichnete es als »spektakuläres Projekt, von dem die ganze Region profitieren wird«. Eine andere Zuhörerin meinte, es sei ein hervorragendes Projekt, auch hinsichtlich der Grünplanung: »Die Grünflächen, die Sie jetzt wegnehmen, bringen Sie wieder auf die Dächer, Balkone und Terrassen.« Grünen-Stadtverordneter Peter Paul rannte bei Schultheis offene Türen ein, als er vorschlug, dort die Bäume des Jahres zu pflanzen. Die Antwort des Gesellschafters kam prompt: »Das machen wir.«

Arbeiten, Leben und Wohnen

90 000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, auf dem die Smart City entstehen soll. Den Kern bilden sieben unterschiedliche Work Domes, das sind Häuser mit moderner Medien- und IT-Technik und mit zusammen über 350 Meetingräumen für Tagungen und Besprechungen. Alle Gebäude sollen miteinander vernetzt werden. In dem Umfeld sollen später einmal 6500 Forscher und Entwickler arbeiten. Der Campus wird eine Food-Plaza enthalten, einen Platz mit gastronomischem Angebot, eine Retail-Zone, Fitnessareale, eine Kindertagesstätte, ein Hotel sowie 1000 Appartements mit Service. Zudem sollen rund 300 Mietwohnungen entstehen. Die kleine Stadt erhält ein Parkhaus mit 3500 Stellplätzen sowie ein Fahrradparkhaus. Auf dem Gelände selbst gibt es keinen Autoverkehr.

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