17. November 2019, 12:00 Uhr

Bürger-Petition

Magistrat: Vorwürfe sind überzogen

Der Magistrat musste sich erneut mit der verdichteten Bebauung des Stadtzentrums beschäftigen, denn in der Petition »Schluss mit der Bebauung in Karben« von Tanja Neumann sind weit mehr als die erforderlichen 470 Unterschriften zusammengekommen.
17. November 2019, 12:00 Uhr
So stellt sich eine Arbeitsgruppe von Bürgern die Bebauung des Grundstücks zwischen Brunnenstraße und Grünzug vor. Das Modell entstand in einem Workshop. (Skizze: privat)

E rfolg für die Karbenerin Tanja Neumann: Sie hat mit ihrer Petition erreicht, dass sich die Karbener Kommunalpolitik nochmals mit der Bebauung des Stadtzentrums befassen musste. Schon bei den Debatten über die Bebauungspläne des Dreiecksgrundstücks und des Taunusbrunnens hatte es Kritik aus den Oppositionsreihen gehagelt. Und auch nicht wenige Bürgerinnen und Bürger finden das, was da gerade in den Himmel wächst, zu hoch und zu dicht bebaut.

Dabei ist all das gar nicht unbekannt. Dass die Stadt die freien Flächen in unmittelbarer Nähe zur Bahn einmal bebauen lassen würde, ist oft diskutiert worden. Möglicherweise haben aber viele erst mit der Realisierung gesehen, welche massiven Baukörper hier entstanden sind.

Was für die Investoren wegen der horrenden Grundstückspreise notwendig ist, können andere gar nicht nachvollziehen. Karben ist gespalten. Während sich beispielsweise einige ältere Karbener auf dem Gelände des Taunusbrunnens eine Wohnung gekauft und dafür ihr großes Haus frei gemacht haben, fragen andere, warum denn eine Frischluftschneise und die grünen Freiflächen zugebaut wurden. Die Petition richtet sich vor allem dagegen, dass die letzte Freifläche zwischen Brunnenstraße und Luisenthaler Straße, das sogenannte Brunnenquartier, bebaut werden soll.

Leere Luxuswohnungen

Tanja Neumann formulierte entsprechend: »Problem ist, dass Karben mit Betonklötzern zugebaut wird, die keiner braucht. Wir brauchen nicht das zigste Einkaufszentrum mit Geschäften, die eh schon da sind. Wir brauchen keine Betonklötzer mit Luxuswohnungen, die sich kein normaler Mensch mehr leisten kann. Schluss mit der Bebauung in Karben. Wo ist das noch eine Stadt im Grünen, so wie sie sich nennt? Von Grün ist bald nix mehr da!«, heißt es in ihrer Petition. Die Petitionsstellerin kann auch nicht verstehen, dass man Steingärten verbieten wolle, auf der anderen Seite aber jede freie Fläche zubetoniert. Sie erinnert an viele leer stehende Luxuswohnungen. Gerade angesichts der Klimakrise sei unverständlich, »wie man jede noch so kleine freie Fläche zupflastern kann«. Schon das Brunnenquartier sei immer als unverbaubar angepriesen worden, da es sich hier um die Karbener Frischluftschneise handele. Tanja Neumanns Petition hat immerhin 502 Unterstützer gefunden. Zudem gibt es eine breite Kommentierung in ihrem Sinne, etwa dergestalt: »Karben, hier lässt sich’s leben - da muss ich ja mal lachen. Es war einmal...- so fangen Märchen an«. Oder »Wir sind keine Großstadt und wollen auch keine sein.« Oder: »Immer mehr ortsnahes Grün geht verloren.« Oder: »Karbens Stadtbild wird immer hässlicher.«

»Nach über 40 Jahren Karben ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich mir die Frage stelle, ob ich mich hier noch wohlfühle?« Oder: »Wenn man über 50 Jahre in Karben lebt und überall nur gebaut wird, ist es für manche Karbener nur noch unerträglich. Unsere schöne Natur geht verloren.« Oder: »Als ich vor 30 Jahren herzog, war Karben eine schöne Gemeinde. Heute empfinde ich die ganzen Neubauten als erdrückend, hässlich und unpassend.« Oder: »Die Petition ist mir wichtig, ...weil der Mensch erkennen muss, dass es fünf vor zwölf, oder noch später ist! Dass der Bauwahn, aber auch der allgemeine Größenwahn, gestoppt werden muss!« Oder: »Bodenversiegelung ist eines der größten Umweltprobleme, die wir in unserer Gegend haben.«

Ins Petitionstool wurde am Freitag die Stellungnahme des Magistrats eingestellt. Darin heißt es, dass die Fläche in der Innenstadt bereits von drei bzw. inklusive Quellenhof von vier Seiten bebaut sei. Die Fläche liege nur wenige Hundert Meter von der S-Bahn-Station entfernt - der Bahnhof sei somit fußläufig erreichbar. Die Infrastruktur wie Geschäfte, Schwimmbad, Jukuz, Arbeitsplätze im Gewerbegebiet, Rathaus, Ärzte seien gleichfalls fußläufig erreichbar. Der Magistrat verweist zudem auf den massiven Druck auf den Wohnungsmarkt im ganzen Frankfurter Umland. All dies spreche für eine Bebauung.

Keine weiteren Supermärkte

Zur Petition von Neumann heißt es weiter, es werde dort keine weiteren Supermärkte geben. Auch der pauschale Vorwurf, es werde kein grüner Fleck in Karben mehr übrig bleiben, »ist völlig überzogen«. Die Gesamtfläche von Karben umfasst über 4000 Hektar und die Fläche des Brunnenquartiers nur gut sieben Hektar, etwa 0,2 Prozent der Fläche von Karben. Die Verantwortlichen verweisen zudem auf die Nidda-Renaturierung und dass an der Nidda im Stadtzentrum weitere 100 Bäume angepflanzt werden sollen.

Auf einer Bürgerveranstaltung zum Thema »Bebauung der Innenstadt« hätten sich folgende zentrale Punkte für eine Bebauung ergeben: So soll dem Wunsch der Bürger/innen nach mehr Grün inklusive eines breiten Grünzuges in der neuen Innenstadt berücksichtigt werden. Man werde zudem darauf achten, dass ein größerer Teil der Flächen nicht nach Preis, sondern nach Konzept verkauft und bebaut werde. Die Stadt beziehungsweise die städtische Wobau sollten sich ebenfalls an der Bebauung beteiligen und so Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen schaffen.

Zudem führe man Gespräche mit Bauträgern, die Wohnungen auch für »Normalverdiener« errichten werden. Damit dies für die Stadt finanzierbar bleibt, »werden wir an anderer Stelle auch Grundstücke gegen Höchstgebot veräußern. Nur dadurch ist dieser Mix an Wohnraum für die Stadt und ihre Bürger finanzierbar.«

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