11. Oktober 2019, 20:41 Uhr

Neue Quellen für Saft und Äppler

11. Oktober 2019, 20:41 Uhr
Dieter Kneip

Sind Kelterobstwiesen eine Alternative zu Streuobstwiesen? Dieser Frage ging Dieter Kneip, ehemaliger Geschäftsführer der »Rapp’s« Kelterei nach. Er sprach beim Runden Tisch der Interessengemeinschaft Streuobst (IG). Worum geht es dabei? Kurz gesagt: Der Saft werde immer weniger, führte der Referent aus. Und zwar der Saft aus dem der Wetterauer Apfelwein gemacht wird, denn es würden immer weniger Äpfel bei den hessischen Keltereien abgeliefert. Und das liege nicht nur an Spätfrösten zur Apfelblüte oder trockenen Jahren, wie das nun schon im zweiten Jahr in Folge der Fall sei, und die Bäume entsprechend weniger Früchte trügen.

Es liege vor allem daran, dass die klassischen Streuobstwiesen als Obstlieferant immer mehr an Bedeutung verlören. Jeder, der Streuobstwiesen bewirtschaftet, wisse, dass nicht nur die Ernte der Hochstämme mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist, sondern dass die Bestände auch gepflegt werden müssen. Viele Streuobstwiesenbesitzer könnten oder wollten diesen Aufwand nicht mehr leisten. Die Keltereien müssten also neue Bezugsquellen finden.

Flächen für Obstbäume gesucht

Gesucht würden also landwirtschaftliche Flächen, die von Interessenten in Kelterobstplantagen umgewandelt werden. Es würden Apfelbaum-Halbstämme gepflanzt, die nach etwa fünf Jahren schon nahezu volle Erträge erwarten ließen und somit in absehbarer Zeit die Keltervorräte bei »Rapp’s« auffüllen könnten. Aber warum extra Bäume pflanzen und Mühe und Zeit aufwenden, fragte der Referent. Ein Blick in die Supermärkte sei gefragt. Die angebotenen Tafelobstsorten sind süß und säurearm und somit nicht geeignet für einen gescheiten Apfelwein. Doch die großen Obstanbaugebiete in Deutschland und Europa richteten sich eher nach dem Geschmack der Supermarktkunden. Für spezielle Mostsorten sei nur wenig Platz. Für den Anbau auf den Kelterobstwiesen würden hingegen zum einen eher säurebetonte Sorten ausgewählt und hierbei Sorten, die relativ resistent gegen Krankheiten seien. Denn auch wenn aus Wirtschaftlichkeitsgründen auf den Kelterobstwiesen nicht komplett auf das Spritzen von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden könne, so handele es sich nur um einen Bruchteil dessen, was im Tafelobstanbau verwendet wird.

Eine Kelterobstwiese werde zwar nie Charakter und Diversität einer Streuobstwiese erreichen, aber mit Maßnahmen wie Rand-Blühstreifen und speziellen Grasmischungen sowie Nisthilfen für Vögel werde eine gewisse Vielfalt erreicht. Und wenn man bedenke, dass diese Flächen vorher meist als Monokultur für Weizen- oder Maisanbau gedient hätten, seien auch die Naturschützer versöhnt. Die Streuobstwiesen mit ihren vielen alten Kelterapfelsorten blieben weiter ein wesentlicher Bestandteil der Apfelweinkultur und seien auch für die Keltereien von großer Bedeutung. (Foto: pv)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Apfelwein
  • Bäume
  • Interessensverbände
  • Karben
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.