28. Februar 2019, 14:00 Uhr

Nidda-Renaturierung

Niddaradweg wird auf drei Meter ausgebaut

Der nächste Abschnitt der Nidda-Renaturierung steht an: Nördlich der Bad Vilbeler Kernstadt soll der Fluss auf 500 Metern Länge seinen Kanal-Charakter verlieren.
28. Februar 2019, 14:00 Uhr
Diese Bäume stehen falsch: Sie sehen zwar gut aus, doch dem Fluss und dessen Bewohnern bringen sie oben auf dem Damm nichts. Nach der Renaturierung werden daher neue Bäume unten am Ufer gepflanzt. (Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Das dürfte ein Anblick sein, an den sich nur noch die Großeltern erinnern: Rinder stapfen gemächlich durch die Nidda, das Flusswasser spritzt auf. Von einem Ufer ans andere, von einer Weide auf die nächste sollen die Tiere des Dottenfelderhofs schon ab diesem Sommer die Nidda durchqueren können – mit Hilfe einer Furt und ihrem ganz niedrigen Wasserstand.

Die Furt ist der wohl eindrücklichste Bestandteil des nächsten Projekts zur Nidda-Renaturierung. In der kommenden Woche sollen die Bauarbeiten für sie nördlich der Bad Vilbeler Kernstadt beginnen. Auf rund 500 Metern Länge zwischen der Büdinger Straße und dem Rosengarten soll der Fluss ein natürlicheres Ambiente erhalten.

»Einen sechsstelligen Euro-Betrag« wendet die dem Tier- und Naturschutz verpflichtete Frankfurter Gerty-Strohm-Stiftung dafür auf. Das erklärt auf Nachfrage ihr Vertreter Hans-Georg Jehner aus Bad Vilbel. Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sich die Stiftung bereits bei der Nidda-Renaturierung.

»Drei Wochen Bauzeit«, kündigt Gewässerökologe Gottfried Lehr an – Verzögerungen durch allzu feuchtes Wetter oder Frost nicht mitgerechnet. Vom Renaturierungsabschnitt der Hassia aus dem Jahr 2015 bis knapp in Höhe des Parkplatzes der Straße Im Rosengarten soll der Fluss mehr Platz bekommen. Dafür wird der Hochwasserdamm zurückversetzt, der Fluss von seinem steinernen Ufer und Bett befreit. Dadurch können die Nidda verbreitert und Buchten, Aufweitungen und Buhnen, kleine Landzungen eingebaut werden.

»Bisher ist die Nidda hier ein Kanal mit kosmetischem Begleitgrün«, sagt Lehr. Und die Bäume auf der Dammkrone? »Alibi«, winkt der Experte ab. Zwar sei es »nicht schön«, Bäume zu fällen. Doch sei der Flussumbau anders nicht möglich. »Ohne Baumfällungen erhalten wir hier nicht die ökologische Vielfalt«, erklärt der Fachmann. »Ein gesunder Fluss besteht aus einem geschlossenen Bestand an Erlen, Weiden und Eschen.«

Diese könnten aber nicht einfach in den Kanal hineingepflanzt werden, da dessen Durchfluss ein 100-jähriges Hochwasser aushalten müsse, betont Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU). Andernfalls drohe die Innenstadt überflutet zu werden, ergänzt Lehr. Daher muss die Nidda aufgeweitet werden, die Ufer werden abgeflacht.

Der Fluss erhält mehr Raum zum Fließen und auch für Bäume. Diese seien im Wasserbereich notwendig und nicht auf der Dammkrone – gerade angesichts der fortschreitenden Erderwärmung, mahnt der Gewässerökologe. »Wir benötigen die Bäume mit ihrem Schatten als natürliche Klimaanlage für das Wasser.« Um fünf Grad könne so die Flusstemperatur im Sommer gesenkt werden. Damit der Effekt schnell eintrete, sollen Naturschutz-Jugendgruppen nach Ende der Bauarbeiten schnell wachsende Weiden pflanzen.

 

Bald eine ganz andere Nidda

 

Erleben sollen Menschen die Natur unter anderem von Aussichtspunkten mit Sitzbänke und Tischen aus. Und sie kommen wieder an den Fluss heran, zum Beispiel beim Gassigehen mit Hunden. Da der Dottenfelderhof direkt an die Nidda angrenzt, will Lehr aus dem Kies aus alten Hochwasserdämmen auch eine Furt durch den Fluss hindurch formen. Der biologisch-dynamische Landwirtschaftsbetrieb soll dann seine Rinder wie in alten Zeiten durch die Furt zu Weiden am anderen Ufer treiben können.

In etwa vier Monaten – also zum Sommer – sollen sämtliche Bauarbeiten inklusive des neuen Niddaradwegs fertig sein. Eine Zeit lang wird es dann noch dauern, bis auch das neue Grün groß gewachsen ist. Radfahrer, Ausflügler, Spaziergänger werden aber schon in wenigen Jahren nördlich der Kernstadt eine ganz andere Nidda erleben statt des heutigen Kanals. »Der Fluss«, verspricht Gottfried Lehr, »wird nachher ökologisch und optisch in einem viel besseren Zustand sein.«

Der Niddaradweg zwischen Bad Vilbel und Dortelweil wird zwischen Büdinger Straße und dem Übergang über die Niddertalbahn neu gebaut. Die Bauarbeiten sollen auf die Renaturierung an der Nidda folgen, die kommende Woche beginnt.

»Das ist einer der unkomfortabelsten Abschnitte der Niddaroute«, räumt Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) ein. »Aber auch einer der am stärksten belasteten.« Nicht nur der Ausflugsverkehr ist hier an Wochenenden enorm. Zudem ist die Strecke wichtig für den innerörtlichen Radverkehr von Dortelweil in die Kernstadt. Und der Weg ist nur geschottert, an engen Stellen keine zwei Meter breit.

Auf 900 Metern Länge von der Büdinger Straße bis zum Niddertalbahn-Übergang wird der Weg jetzt auf drei Meter Breite neu hergestellt und asphaltiert, erklärt Karsten Ott vom Planungsbüro IMB-Plan. Nur die nördlichen 250 Meter verlaufen auf der bisherigen Trasse im Bereich des Gewerbegebietes, wo die Nidda auch bereits im Jahr 2003 renaturiert worden war.

Im Wiesenbereich wird der neue Weg über den zurückverlegten Hochwasserdamm führen – voraussichtlich auch mit einem zusätzlichen Gras-Fußweg daneben. 300 000 Euro koste der Ausbau, erklärt Ekkehart Böing, Geschäftsführer des Zweckverbands Niddaradweg. Drei Viertel davon übernimmt das Land, da der Weg ein Teil des Regionalpark-Radwegs Niddaroute ist.

Wenn nächste Woche die Bauarbeiten beginnen, müsse der Radweg voll gesperrt werden, kündigt Karsten Ott an. Als Umleitungsstrecke werde der parallel verlaufende Feldweg zwischen Dottenfelderhof und Dortelweil beschildert. Während des Neubaus werde auch der Abschnitt zwischen Rosengarten und Dortelweil dicht gemacht. Auch Fußgänger kommen dann nicht mehr durch, betont Wysocki. »Dort ist es dafür einfach zu eng.« Die nächste Baustelle wird außerdem bald folgen: »Wir wollen auch noch den Radweg bis zum Sportplatz Dortelweil neu machen bis zum Hessentag, inklusive der neuen Brücke«, kündigt Ekkehart Böing an. Schon im Juni kommenden Jahres steht das Landesfest an. dpg

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