17. Oktober 2019, 20:47 Uhr

Ladenschließung

Peu à peu in Rente: Erna Romaniw schließt ihren Friseursalon

Nach 38 Jahren schließt Friseurmeisterin Erna Romaniw Ende des Jahres ihren Laden in Dortelweil. So ganz kann sie Schere und Kamm noch nicht an den Nagel hängen. Auch wenn sie kein neues Geschäft mehr eröffnen möchte.
17. Oktober 2019, 20:47 Uhr
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Von Niklas Mag
Nach fast 40 Jahren schließt die Dortelweilerin Erna Romaniw ihren Friseursalon zum Ende des Jahres. (Foto: Niklas Mag)

Seit 1981 stehen die Möbel in dem recht geräumigen Friseursalon in der Bahnhofstraße in Dortelweil. Und genau so lange führt Erna Romaniw das Geschäft bereits. »Das war damals richtig teuer. Ich habe den Salon von Profis einrichten lassen«, erinnert sie sich. »Natürlich ist das nicht mehr ganz modern, aber auf den Sperrmüll möchte ich das auch nicht bringen«, überlegt sie. Die Möbel sind von guter Qualität und im Stile der späten 70er-Jahre gehalten. »Ich habe allerdings schon einige Leute und Läden gefunden, die Teile der Ausstattung gerne übernehmen möchten«, freut sie sich. Auch einige der Hauben sind noch recht neu und sind ohne Defekt. Für diese habe sie bereits interessierte Abnehmer gefunden.

Erna Romaniw und ihre Familie sind echte Ur-Dortelweiler. Sie ging bereits im Vilbeler Stadtteil zur Schule, besuchte danach die John-F.-Kennedy-Schule in der Kernstadt. »Über einen Onkel bekam ich nach der Schulzeit eine Ausbildungsstelle in einem Friseurladen in der Frankfurter Straße vermittelt«, sagt Romaniw. »Ich wurde damals gar nicht groß gefragt, aber so war das eben«, sagt sie, lacht und fügt an: »Dass ich Friseurin geworden bin, habe ich allerdings nie bereut.«

Stammkunden seit 1981

Nach einer weiteren Station arbeitete die Dortelweilerin über mehrere Jahre im Main-Taunus-Zentrum, ein sehr teurer Laden, erinnert sie sich. Die damaligen Inhaber hätten ihr und einer Kollegin schließlich eine neue Filiale in Karben anvertraut. »Diesen haben wir dann volle acht Jahre lang geführt.« Doch habe sie sich 1981 entschieden, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. »Ich wohnte damals hier in diesem Haus und als die Vermieter hörten, dass ich gerade meine Meisterprüfung mache, haben sie mir diese Ladenfläche hier im Erdgeschoss angeboten«, sagt Romaniw. »Und seitdem bin ich hier.«

Sie sei froh, dass sie 1981 diesen Schritt gewagt habe. Die Selbstständigkeit sei für sie nie ein Problem gewesen, und sie freue sich, dass noch heute Stammkunden zu ihr kommen, die auch vor 38 Jahren schon in ihren Laden gekommen sind.

»Damals war die Bahnhofstraße aber noch ganz anders«, berichtet die Friseurmeisterin. »Es gab verschiedene Geschäfte, Lebensmittel, Bäcker, einen Metzger. Da war hier richtig Leben auf der Straße.« Heute bündeln sich die Dortelweiler Geschäfte eher im Brunnencenter in Dortelweil-West. Alt-Dortelweil ist deutlich verschlafener als noch vor 40 Jahren.

Derzeit arbeitet Romaniw alleine in ihrem Friseursalon. »Zwischenzeitlich waren wir aber zu dritt hier.« Nun will die Dortelweilerin ihren Laden im Dezember schließen. »Es hat sich jetzt einfach durch verschiedene Ereignisse so ergeben, und der Zeitpunkt passt eigentlich auch ganz gut. Ich bin 66 Jahre alt und werde damit so langsam in Rente gehen«, erklärt sie.

Weiterhin Hausbesuche

Denn ganz will sie den Friseurberuf nicht von jetzt auf gleich loslassen. »Ich habe schon lange auch regelmäßig Hausbesuche in Bad Vilbel angeboten. Das werde ich ab jetzt zwei Tage pro Woche so weitermachen.«

Einen neuen Salon will sie aber nicht eröffnen, ihren jetzigen Laden schließe sie im Dezember mit einem lachenden und einem weinenden Auge: »Damit ist eigentlich alles gesagt. Auf der einen Seite bin ich ganz froh, denn so ein Geschäft macht viel Arbeit und ich bin eben im Rentenalter«, sagt sie. »Auf der anderen Seite bin ich nun mal auch seit 1981 hier. Das ist schon ein komisches Gefühl, jetzt die Auflösung des Ladens zu planen.« Da sei es ein gewisser Trost, dass sie dem Berufsleben noch nicht ganz Adieu sagen müsse, sondern auch ihren Stammkunden noch regelmäßig die Haare schneiden kann - wenn auch nicht mehr in ihrem eigenen Geschäft.

Gemischter Kundenstamm

Aus Karben, Petterweil, Massenheim und natürlich Dortelweil kamen ihre Kunden. »Ich hatte immer einen total gemischten Kundenstamm, was Alter und Geschlecht angeht«, sagt Erna Romaniw. Besonders ihre Stammkunden sind der Friseurmeisterin im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen, viele davon kommen schon seit der Anfangszeit ihres Salons regelmäßig zu ihr. »Für die Treue aller in den vergangenen 38 Jahren möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken«, sagt Romaniw.



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