15. Februar 2018, 14:00 Uhr

Karben

Projekt NeNa: Mit neuen Nachbarn kreativ sein

Alte und neue Karbener einander näherbringen, will ein Projekt namens NeNa. Mit kreativen Angeboten versucht das Diakonische Werk Wetterau, in Karben, die 200 Flüchtlinge zu integrieren. Projektleiterin ist Beatrice Scherzer. Sie hat eine Fülle von Ideen.
15. Februar 2018, 14:00 Uhr
Projektleiterin Beatrice Scherzer (l.) und Zentrumsleiterin Ursula Vogt-Elsaß zeigen den Flyer »NeNa-Projekt Neue Nachbarn«. In Kurzform ist darin beschrieben, mit welchen Veranstaltungen die 200 Flüchtlinge ins Karbener Leben integriert werden sollen. (Foto: pe)

Come together« heißt ein berühmter Song der Beatles. Den haben einige afghanische Flüchtlinge und mehrere Karbener als Teil der gleichnamigen Musikwerkstatt kürzlich in der Kulturscheune eingeübt. Das Lied hat Symbolcharakter. Denn der Workshop will Flüchtlinge und Einheimische zusammenbringen.

Die Veranstaltung, immer dienstagsabends, ist ein regelmäßiges Angebot von Diakonischem Werk und Musikschule. Sie läuft unter dem Dach des Projektes NeNa. Das Kürzel steht für »Neue Nachbarn« und trägt den Untertitel »Begegnungen in Vielfalt«. Der Name sagt alles über die Intention des Projektes. Es will vielfältige Begegnungsmöglichkeiten zwischen Alt- und Neu-Kärbern schaffen. Dies soll mit kreativen, künstlerischen, kulturellen und kulinarischen Angeboten passieren. Und das alles kostenlos, betont Projektleiterin Beatrice Scherzer.

 

Vom Bund finanziert

 

Die 60-Jährige ist schon seit knapp anderthalb Jahren mit diesem Projekt befasst, das vom Bund finanziert und vom Diakonischen Werk Wetterau in Karben umgesetzt wird. Rund 50 000 Euro stehen nach Angaben von Ursula Vogt-Elsaß, Leiterin des psychosozialen Zentrums in Karben, dafür jährlich zur Verfügung. Der Großteil des Geldes fließt in das Gehalt der Projektleiterin, die im Sommer 2016 – anfangs auf Honorarbasis – zum Diakonischen Werk kam. Zuvor hatte die studierte Kunsthistorikern und Kulturwissenschaftlerin sechs Jahre in Thüringen eine Kunstschule geleitet. Außerdem hat sie sich in Kunstpädagogik und Kunsttherapie weitergebildet. Sie weiß also sehr genau, wie man Menschen über kreative Angebote zusammenbringt.

 

Wie Karben funktioniert

 

Das will sie die nächsten drei Jahre in Karben tun. Dafür hat sie ein Konzept entwickelt, das von besagter Musikwerkstatt über Theaterspielen bis hin zu Koch-Events reicht. Die erste Veranstaltung dieser Art wurde kürzlich im evangelischen Gemeindehaus Petterweil angeboten.

»Mal mal!«, lautete die Aufforderung. Dass man in Petterweil war, hatte nach Angaben von Scherzer seinen Grund darin, dass drei Flüchtlinge dort Kirchenasyl gefunden hatten und das Gelände nicht verlassen durften.

Auch sonst soll die Veranstaltungsreihe mal bei den Projektpartnern, mal im Diakonischen Werk an der Ramonville-Straße selbst angeboten werden. So wie etwa die Reihe »Karben is(s)t bunt«. Mit den neuen Nachbarn sollen ab 21. April internationale Gerichte gekocht werden. Den Auftakt macht die langjährige Vorsitzende des Ausländerbeirates, Jetty Sabandar, die aus Indonesien stammt und mit den Teilnehmern ein Gericht ihres Heimatlandes kocht.

Integration gelingt am besten über künstlerisches Handeln

Beatrice Scherzer

In diesem Fall ist der Ausländerbeirat Partner im Projekt. Bei der Weltmusikwerkstatt ist es die Musikschule. Aber auch etwa die Füchtlingshilfe, Kirchengemeinden, der Deutsch-Ausländische Freundschaftskreis sowie das Mütter- und Familien-Zentrum sind mit im Boot.

 

Zusammenarbeit mit MüZe

 

In Burg-Gräfenrode ist der Sitz des MüZe, aber in dem Ortsteil gibt es eine Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt für junge Zugewanderte. Mit dabei ist auch die Stadt. »Mit dem neuen Leiter des Jukuz habe ich gerade gesprochen«, informiert Beatrice Scherzer. Mit Bürgermeister Guido Rahn und der Fachdienstleiterin Soziales, Susanne Schubert, hat die Projektleiterin gleichfalls schon einiges vereinbart.

Dazu gehöre die Reihe »Wie funktioniert die Stadt?« Denn genau das sollen die Neuankömmlinge auch lernen. So wird es Einblicke in die Veraltung geben, man geht ins Hallenfreizeitbad, in die Bücherei und in die Kläranlage. Ebenso werden Polizei und Recyclinghof Anlaufpunkte sein.

Es sind also eine Menge von Veranstaltungen in den kommenden drei Jahren geplant. Dass die Verständigung untereinander nicht immer leicht ist, bestätigt Beatrice Scherzer. Allerdings weiß sie, dass »Integration am besten über künstlerisches Handeln gelingt. »Denn da gibt es keine Sprachbarrieren.« Das habe sich schon in der Musikwerkstatt gezeigt. »Ein Teilnehmer spricht ein wenig deutsch, bei den anderen klappte die Verständigung mit Händen und Füßen.« Und nach einer guten Stunde hätten alle Teilnehmer das »Come together« gemeinsam spielen gekonnt. Für die Projektleiterin »ein schöner Erfolg«.

Projekt NeNa

Monatelanger Vorlauf

Lange hat es gedauert, das Projekt NeNa in Karben auf den Weg zu bringen. Dafür sei viel Vorarbeit nötig gewesen, sagt Projektleiterin Beatrice Scherzer. »Der Projektantrag war wie eine Bachelor-Arbeit.« Jetzt aber ist alles in trockenen Tüchern, seit fünf Monaten arbeitet das Diakonische Werk an der konkreten Umsetzung. Zunächst habe sie nur Netzwerkarbeit geleistet. Sprich: Kontakte aufgebaut, Adressen gesammelt, mit Projektpartnern gesprochen. Das Geld, jährlich etwa 50 000 Euro, kommt vom Bundesinnenministerium. Ansprechpartner ist aber das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. (pe)

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