21. September 2019, 06:00 Uhr

Karbener Stadtmitte

Protest gegen Betonklötze

Wer nach Karben hineinfährt, sieht sie wachsen, die Häuser auf dem Dreiecksgrundstück und am Taunusbrunnen. Nun will die Stadt auch noch die freien Flächen an der Brunnenstraße bebauen lassen. Zu viel, findet Tanja Neumann. Sie hat eine Petition gestartet.
21. September 2019, 06:00 Uhr
Tanja Neumann fordert in einer Petition an die Stadt, dieses freie Gelände hier nicht zu bebauen. Der Bürgermeister antwortet ihr, kein Gelände sei besser geeignet für eine weitere Bebauung als dieses. (Fotos: Pegelow)

A n der Brunnen- und an der Bahnhofstraße ist das Gewusel seit Monaten groß. Auf der einen Seite wird das Dreiecksgrundstück mit drei großen Wohn- und Geschäftshäusern bebaut, auf der anderen Seite wachsen zehn Stadthäuser und ein Eckhaus auf dem Taunusbrunnen-Areal in die Höhe. Welche Dimensionen die Innenstadt annimmt, kann jeder selber sehen, der dort einmal zu Fuß unterwegs ist.

Eigentlich müsste es mit der Bebauung damit gut sein, meinen zumindest diejenigen, die schon im Stadtzentrum wohnen. Zu ihnen gehört Tanja Neumann. Sie ist nun bezüglich der weiteren geplanten Bebauung entlang der Brunnenstraße aktiv geworden. Überall im Zentrum hat sie Flyer ausgehängt, dazu kleine Zettel zum Abreißen. Darauf findet sich der Hinweis auf ihre Petition. Denn auf dem Petitionsportal der Stadt hat sie ihre Meinung kundgetan und sich auch an die Presse gewandt.

Die Karbenerin nimmt Bezug auf die Bürgerinformationsveranstaltung von Ende August. Auf der hatte die Stadt die Bürger danach gefragt, wie sie sich die künftige Bebauung vorstellen konnten. Es sind dabei vier Modelle gebastelt worden, die derzeit im Flur des Fachdienstes Stadtplanung, Bauen und Verkehr im Rathaus stehen.

Tanja Neumann meint, weder bei der Veranstaltung noch in den Artikeln sei erwähnt worden, dass es für dieses Gebiet noch gar keine Freigabe des Regionalverbands Rhein-Main gebe. Dies sei ihr vom Regionalverband bestätigt worden. »Außerdem handelt es sich hier um eine ökologisch bedeutsame Fläche, Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen und ein Vorranggebiet für die Landwirtschaft.« Die Veranstaltung habe also »unter völlig falschen Voraussetzungen stattgefunden«. Es habe, wie schon beim Dreiecksgrundstück, nicht die Wahl gegeben, diese Fläche einfach unbebaut zu lassen. Die Antragstellerin findet es sinnvoller, erst mit einer Planung zu beginnen, wenn die Genehmigung vorliege beziehungsweise wenigstens beantragt wäre. »Von einer echten Bürgerbeteiligung kann hier auch keine Rede sein. Es waren grade mal 50 Leute von über 20 000 Einwohnern dort, und von der Veranstaltung hat man nur durch Zufall erfahren«.

Sie kann auch nicht verstehen, dass in Karben darüber diskutiert werde, Steingärten zu verbieten. »Auf der anderen Seite wird jede freie Fläche zubetoniert, und das vorwiegend mit Betonklötzen, die keiner braucht.«

An Frischluftschneise erinnert

Schon heute gebe es leerstehende Luxuswohnungen und ein »sinnfreies drittes Einkaufzentrum, wo dieselben Geschäfte einziehen, die eh schon in Karben vorhanden sind«. Gerade in Zeiten des Klimaschutzes und des Artensterbens sei es ihr und vielen anderen unverständlich, »wie man jede noch so kleine freie Fläche zupflastern kann«. Schon das Brunnenquartier sei immer als unverbaubar angepriesen worden, da es sich hier um die Karbener Frischluftschneise handele. »Die spielt aber auf einmal keine Rolle mehr.«

Dazu antwortet Bürgermeister Guido Rahn (CDU), die Stadt Karben befinde sich in enger Abstimmung mit der Regionalplanung und sei sich der Unterstützung sowohl des Regionalverbands als auch des Regierungspräsidiums sicher. Zuletzt habe Verbandsdirektor Horn 2018 schriftlich die Unterstützung des Regionalverbands zugesichert. Diese Unterstützung erfolge auch vor dem Hintergrund, »dass man sich beim Verband und beim RP der außerordentlichen Eignung dieser Fläche als Baugebiet bewusst ist.« Die Fläche sei verkehrlich angebunden und befinde sich nur knapp 200 Meter vom S-Bahnpunkt entfernt.

Die Dichte an Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen sei an keinem Ort in der Stadt so hoch wie um das Brunnenquartier herum. Sowohl der Regionalverband wie auch das RP fordern die Entwicklung von (Wohn-)Standorten entlang der Bahn.

Rahn weist zudem darauf hin, dass sich die Stadt mit ihrer Wohnungsbaugesellschaft und in Kooperation mit weiteren Partnern direkt bei der Schaffung von preisgünstigen Wohnungen engagieren werde, so dass sich auch »Normalverdiener« die Wohnungen leisten können. Außerdem habe die Stadt eine sehr starke Nachfrage von Karbener Senioren nach altersgerechten barrierefreien Wohnungen in Innenstadtlage, wo Ärzte, Geschäfte, Schwimmbad und andere Einrichtungen fußläufig erreichbar sind. Zu der im August durchgeführten Planungswerkstatt sei über die Presse und die städtische Internetseite eingeladen worden, die Anwohner zudem durch gesonderte Flyer, wundert sich das Stadtoberhaupt über diesen Kritikpunkt. 60 Teilnehmer seien zur Planungswerkstatt gekommen. »Eine optimale Größe für effektives Arbeiten.« Die Ergebnisse seien überzeugend und stellten eine gute Grundlage für die weitere Ausarbeitung dar.

Nächstes Jahr Planverfahren

Ab dem kommenden Jahr erfolge die Konkretisierung der Planung und der Beginn der formellen Planverfahren. Auch im Rahmen dieser Prozesse würden Bürgerinnen und Bürger über die obligatorischen Beteiligungsprozesse hinaus informiert und eingebunden. Was auch immer sich die Verfasserin unter einer »Baufreigabe« vorstellt, kann es ein »Baurecht« natürlich nur geben, wenn alle formellen Planverfahren abgeschlossen sind. »Derzeit sind wir in der Planung aber noch vor Beginn dieser formellen Planverfahren.«

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