13. Dezember 2018, 17:00 Uhr

Karbener Diakonieverein

Sie helfen in der Not

»Würde und Geborgenheit sind auch im Alter ein unverzichtbarer Bestandteil des menschlichen Lebens«, weiß Martina Primisser. Seit 28 Jahren arbeitet sie für den Karbener Diakonieverein. In dieser Zeit hat sie viele Menschen im Alter begleitet und unterstützt.
13. Dezember 2018, 17:00 Uhr
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Sie sind seit Jahren im Karbener Diakonieverein engagiert (v.l.): Werner Gold, Martina Primisser und Mieke Genserowski unterstützen Bedürftige und ihre Angehörigen. (Foto: Seipp)

I m Alter verändert sich sehr viel, da auch noch das Umfeld zu wechseln, ins Seniorenheim zu gehen und damit Unabhängigkeit zu verlieren, das ist für einige Senioren kaum vorstellbar«, sagt Primisser. Doch alleine geht es oft eben auch nicht mehr: Alte Menschen brauchen Hilfe beim Anziehen, Einkaufen oder beim Vereinbaren von Arztterminen.

Da kommt der Diakonieverein ins Spiel. »Bei solchen Sachen können wir helfen«, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Mieke Genserowski. »Da sind wir auch anders als die ambulanten Pflegedienste. Medizinische Hilfe geben wir nicht, auch wenn die Helferinnen natürlich auch mal ein abgefallenes Pflaster neu ankleben können.«

Stattdessen steht das Menschliche im Vordergrund: »Bei den ambulanten Pflegediensten kommt es ja oft auf jede Minute an«, weiß Genserowski. »Der Bedarf ist enorm. Da kommen persönliche Kontakte oft mal etwas zu kurz. Da können wir weiterhelfen.« Denn die Helferinnen des Diakonievereins nehmen sich die Zeit. Durch die feste Zuordnung von Betreuerin und Senioren entstehen feste Bindungen; oft begleiten die Helferinnen über Jahre hinweg. »Die Senioren wissen also genau, wer vorbeikommt und ihnen unter die Arme greift«, sagt Primisser. »Man lernt sich gut kennen.«

»Dadurch wissen wir genau, wie wir den Senioren auch mal eine Freude bereiten können«, erklärt Primisser. »Jeder hat da seine Vorlieben. Wir nehmen uns dann auch mal die Zeit, um zum Beispiel mit einer erblindeten Person spazieren zu gehen oder ein Eis zu essen. Kleine Dinge wie diese bereiten den Senioren da schon große Freude.«

Ein weiterer Vorteil des Diakonievereins sind die geringeren Kosten als bei den ambulaten Pflegediensten. »Pflege vor Ort ist oft relativ teuer«, sagt Genserowski. »Mit 20 Euro pro Stunde muss man da schon rechnen. Doch gerade bei alleinstehenden Senioren kommt es oft auf jeden Euro an. Wir können die ambulante Pflege zwar nicht ersetzen und wollen das übrigens auch gar nicht, aber als Zusatzangebot können wir den Senioren etwas Last von den Schultern nehmen.«

 

Arbeit selber einteilbar

 

Auch für die Helferinnen hat die Arbeit bei der Diakonie einige Vorteile. »Der größte Vorteil, zumindest für mich, ist die enorme Flexibilität«, erklärt Primisser. »Ich kann mir aussuchen, wie viel ich wann arbeiten möchte. Gerade am Anfang war das für mich sehr wichtig, als ich noch meine Töchter im Haus hatte und so oft nur zwischendurch etwas Zeit hatte. Mit Menschen habe ich schon immer gerne gearbeitet, so ist mit der Zeit mehr daraus geworden. Wir sind übrigend immer auf der Suche nach neuen helfenden Händen.« Der Bedarf an Hilfe seitens des Diakonievereins in Karben wächst.

»Die Gesellschaftsstrukturen haben sich einfach enorm verändert«, weiß Vorstandsmitglied Werner Gold. »Früher gab es noch viele Großfamilien, und die Mobilität war niedriger. Da war es selbstverständlich, dass die Großeltern daheim gepflegt wurden. Heute arbeiten die Kinder oft nicht einmal am gleichen Ort. Wir werden also mehr gebraucht denn je.« Außerdem gibt es durch den demografischen Wandel insgesamt mehr Senioren als je zuvor. Aber auch in Karben selbst gibt es Unterschiede. »Manche Stadtteile sind besonders stark repräsentiert, andere fast gar nicht«, erklärt Gold. »In Rendel haben wir zum Beispiel kaum etwas. Dort gibt es noch Bauernhöfe und Landwirte, die alten Strukturen sind noch größtenteils intakt.« Doch auch dort sind die Helfer vom Diakonieverein zunehmend unterwegs.

»Wenn eine Familie die Eltern betreut, verändert sich viel«, weiß Primisser. »In den Urlaub fahren – und sei es nur für ein Wochenende – wird dann schwer. Daher habe ich auch schon mal eine Wochenendpflege übernommen und vor Ort übernachtet. So konnte die Familie ein Wochenende gemeinsam in den Urlaub fahren. Denn das ist auch ein wichtiger Aspekt, der oft vergessen wird: Pflege betrifft nicht nur die Senioren, sondern die ganze Familie.«

Info

Der Diakonieverein

Etwa 4400 Hilfestunden absolvierten Martina Primisser und ihre 14 Kolleginnen des Diakonievereins im Jahr 2017. Ob Eisessen, Vorlesen oder Aufpassen während die Kinder im Urlaub sind – die Helferinnen sind zur Stelle. (app)

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