07. September 2018, 21:53 Uhr

Sie setzen Zeichen für die Vielfalt

Mit einem Projekttag über Menschenrechte geht das Georg-Büchner-Gymnasium Bad Vilbel vielfältige Wege. Altersgerecht setzen sich die Schüler mit verschiedenen Facetten der Gesellschaft auseinander. Dabei geht es auch um Extremismus. Der AfD ist das nicht umfassend genug.
07. September 2018, 21:53 Uhr
Sie loben den Pluralismus, der am Georg-Büchner-Gymnasium gelebt wird (von links): Irene Utter (CDU), Jens Matthias (Grüne), Raimo Biere (Freie Wähler), Kathrin Anders (Grüne), Jörg-Uwe Hahn (FDP), Christian Kühl (SPD). (Foto: kop)

Kein Kind darf geschlagen werden«, steht auf dem Luftballon, den die zwölfjährige Mia am 20. Juni beim Projekttag in die Luft steigen ließ. »Unsere Schüler sollen später einmal nicht nur mitlaufen, sondern aktiv werden, um die Welt positiv zu verändern«, wünschen sich Silke Schellhaaß, Elly Eise und Michael Reißfelder, die Organisatorinnen des Tags. Dazugehört für sie in den älteren Jahrgängen auch der Umgang mit Fremdenfeindlichkeit, Extremismus und Fundamentalismus – wie man couragiert handeln und sich gegen menschenverachtende Einstellungen und Neonazis zur Wehr setzen kann.

Doch hier fehlt dem Wetterauer Kreisverband der AfD ein Segment. »Das klingt löblich, ist es aber nicht, sofern ausschließlich Gefahren für Demokratie und Rechtsstaat von ›rechts‹, aber nicht von ›links‹ dargestellt werden«, schreibt Kreissprecher Andreas Lichert an Schulleiterin Claudia Kamm. Er verweist auf sinkende Zahlen rechtsextremer Gewalttaten, während linksextreme Attacken zugenommen hätten. Er bezieht sich dabei auf den jüngsten Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz vom 24. Juli. Ein gleicher politischer Abstand zu den Extremen sei keine »Geschmacksfrage, sondern dringendes Gebot verantwortungsbewussten Handelns«. Doch sei beim Aktionstag die NPD mit der AfD verglichen worden, mit der Einschränkung, »dass die AfD in den Medien besser rüberkommt«. Dies verletze das schulische Neutralitätsgebot.

Noch schlimmer empfindet Lichert, dass die Schüler »Nazi-Gedankengut« erkennen und die Urheber an die Antifaschistische Bildungsinitiative melden sollten. »Es ist ein gut dokumentiertes Merkmal totalitärer Staaten wie der nationalsozialistischen und kommunistischen Diktatur in Deutschland, die ›Herrschaft über die Kinderbetten‹ zu erlangen. Der Missbrauch Minderjähriger als ›Mikrofone‹ knüpft unmittelbar an die schlimmsten Epochen unserer Geschichte an.« Lichert fragt: »Wie ist es möglich, dass Jugendliche in infamer Art und Weise zur Diffamierung motiviert und damit instrumentalisiert werden sollen?«

Zur Rechtsstaatlichkeit erziehen

Rektorin Claudia Kamm legt in ihrer Antwort dar, dass der Tag von der Gesamtkonferenz organisiert worden sei. »Die Grundidee – das Hinführen der Schüler zur Kompetenz der Meinungsbildung, wie es die Bildungsstandards des Landes Hessen vorsehen – geschah dabei dem Alter angemessen in unterschiedlichen Workshops, die sich jeweils vor allem an den Interessen der Kinder orientierten.« Bei Rollenspielen habe der Umgang mit menschenverachtendem Verhalten und menschenverachtenden Grundeinstellungen im Mittelpunkt gestanden. So sei es um »Kirche und Nationalsozialismus«, aber auch um Diskriminierungen Behinderter gegangen. Schüler sollten so zur Rechtsstaatlichkeit erzogen werden. Dabei folge man dem Beutelsbacher Konsens, der kontroverse Themen den Schülern auch so vermittele.

Parteien unterstützten Schule

Unterstützung erhält Kamm von allen im Bad Vilbeler Stadtparlament vertretenen Fraktionen. Diese nehmen gemeinsam Stellung: »CDU, SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler sehen es als wichtige Aufgabe an, dass sich Kinder und Jugendliche mit der Situation der Menschenrechte weltweit, aber auch in ihrem Alltag, auseinandersetzen.« Die Politiker betonen, dass es anerkanntes pädagogisches Konzept sei, die Schüler bei der Themenauswahl zu beteiligen. Wenn der Schülerwunsch bestehe, sich mit Rechtsextremismus zu beschäftigen, »so ist dies ein berechtigtes Anliegen, dass durch jüngste Vorkommnisse eher noch verstärkt wird. Eine Relativierung von extremistischen Umtrieben durch Verweis auf andere Formen des Extremismus ist nicht hilfreich.

Die Aufklärung über den Extremismus und seine verheerenden Folgen sei ein wichtiger Bestandteil des Regelunterrichts. »Wenn darüber hinaus bei einem Projekttag eine vertiefende Behandlung stattfindet, ist dies zu begrüßen.« Das Melden und Anzeigen von extremistischen Umtrieben sei zudem keine Denunziation, sondern »demokratische Bürgerpflicht«.

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