21. Juli 2019, 12:00 Uhr

Burgfestspiele

Spektakuläre Fechtszenen: Shakespeare en garde!

»Shakespeare in Love« erzählt nicht nur die Liebesgeschichte zwischen dem englischen Dichter und seiner Viola. Auch mit Widersachern muss sich William auseinandersetzen. Und so zücken die Schauspieler bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen die Degen. .
21. Juli 2019, 12:00 Uhr

D er ein oder andere Spaziergänger dürfte am späten Nachmittag eines verregneten Maitages seinen Augen kaum noch getraut haben: Da stehen zwei Männer mit langen, wehenden Haaren und gekleidet in Roben der Renaissance auf der Mauer der Bad Vilbeler Wasserburg und beharken sich mit ihren Degen.

Ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum ist daran nicht schuld. Die Erklärung? Viel naheliegender. Es ist der Beginn der Kampf-Proben zur Eigeninszenierung »Shakespeare in Love«, die noch bis Ende August (siehe Box) bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen läuft.

Auf der Mauer balancieren Bert Tischendorf, der mit Saisonstart in die Rolle von William Shakespeare geschlüpft ist, und Martin Bringmann, der seinen erbitterten Kontrahenten Lord Wessex spielt.

Die restlichen Fecht-Trainings fanden später - selbstverständlich - hinter verschlossenen Türen statt, nämlich im Probenraum, in dem auch die Wortgefechte eingeübt wurden. Doch für das ein oder andere spektakuläre Foto musste die Wasserburg mit ihrer Kulisse dann doch herhalten.

Waffe bleibt Waffe

»Probiert bitte noch einmal die erste Bewegung«, ruft Annette Bauer den beiden Schauspielern von der anderen Seite des Burggrabens aus zu. Sie ist die hauptverantwortliche Choreographin für die Kampfszenen. Tischendorf und Bringmann gehorchen und gehen den Bewegungsablauf noch einmal von vorne durch. Ganz langsam, versteht sich. Denn sämtliche Bewegungen müssen sitzen - ganz ungefährlich sind ihre Show-Waffen nicht.

»Drei Mal wird in dem Stück gefochten, und das ist ein Hauen und Stechen«, erklärt Annette Bauer. »Und diese Fechtszenen werden choreographiert, so wie auch ein Tanz in Musicals.«

Die Kämpfe sollen realistisch wirken, schnell und atemraubend sein. Deshalb sei die Genauigkeit beim Training so wichtig, schließlich soll sich niemand verletzen. Die Degen sind zwar nicht scharf und die Spitze ist abgerundet worden. Dennoch bestehen sie aus Metall. »Uns nicht zu verletzen wäre gut, denn es kommen ja noch ein paar Vorstellungen«, sagt Martin Bringmann, lacht und nimmt auf einem Stuhl in der Zehntscheune Platz.

Hier können Tischendorf und er sich kurz ausruhen, bevor es gemeinsam mit Annette Bauer zum restlichen Ensemble geht. »Jeder muss in jedem Moment wissen, wo der andere hinschlagen wird«; ergänzt Bert Tischendorf. Die Grundtechniken des historischen Fechtens habe jeder Schauspieler in seiner Ausbildung bereits einmal näher gebracht bekommen. Annette Bauer bringt diese beispielsweise den Studenten an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt bei.

Geprobt wird immer

»Und im besten Fall fällt es einem Fechtlehrer, der vielleicht im Publikum sitzt, überhaupt nicht auf, dass die Kämpfe choreographiert wurden«, meint sie. Martin Bringmann ergänzt: »Wir lernen beim Fechttraining auch genau, wie die Wege sind. Wir müssen im Hinterkopf Augen haben.«

Dazu sagt Annette Bauer: »Ganz genau. Deshalb gehen wir das Fechten ganz langsam an und proben die entsprechenden Szenen vor jeder Vorstellung noch einmal kurz.« Die Kämpfe im Stück sollen sich aus der Handlung entwickeln und in ihrer Dynamik die Emotionen der einzelnen Figuren zum Zuschauer transportieren.

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