10. September 2017, 18:00 Uhr

Hallenbad schließt

Stadt: Schüler sollen im Freibad schwimmen

Weil die Stadt Bad Vilbel eine Veranstaltungshalle bauen will, muss das alte Hallenbad weichen. Aber weil das neue Schwimmbad noch nicht mal angefangen wurde, gibt es Streit ums Schulschwimmen.
10. September 2017, 18:00 Uhr
Möglich, dass hier bald Schulschwimmen stattfindet. Im kommenden Jahr soll das alte Hallenbad abgerissen werden, durch die Verzögerungen beim Bau des Kommunalbads entsteht eine Vakanz. Diese könnte vom Freibad gefüllt werden. (Foto: pe)

Der Titel des SPD-Antrages klingt provokant: »Wahlversprechen einhalten – Schulschwimmen sichern«. Die Opposition greift damit in der Sitzungsrunde der städtischen Gremien den Magistrat und CDU-Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr an. Anlass ist die 2018 anstehende Schließung des Hallenbades. Auf dessen Gelände soll eine moderne Stadthalle in Anbindung an das zu sanierende Kurhaus errichtet werden. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass auf dem Areal hinter dem Schulzentrum zunächst ein Kommunalbad errichtet wird, also quasi der Ersatz für das Hallenbad. Doch weil sich der Baubeginn stark verzögert, die Stadt aber die Stadthalle bis zum Hessentag 2020 fertigstellen möchte, bedeutet das: Bad Vilbel wird eine zeitlang ohne Hallenbad auskommen müssen.

Wahlkampfversprechen

Die SPD will mit ihrem Antrag den Magistrat auffordern, »dafür Sorge zu tragen, dass es zu keiner Schließung des alten Hallenbades kommt, bevor das neue Hallenbad eröffnet werden kann«. Der Bürgermeister habe im Wahlkampf versprochen, »dass es zu keiner Vakanz in der Frage des Hallenbades kommt«. Die SPD wünscht, dass diese Vakanz nicht länger als drei Monte dauert. Zudem solle der Magistrat ein Konzept vorlegen, wie das Schulschwimmen organisiert werden soll.

Bürgermeister Stöhr konterte, er habe im Wahlkampf gesagt, »es soll zu keiner Vakanz kommen«. Er empfahl den Ausschussmitgliedern, den Antrag abzulehnen, »weil ansonsten die Bemühungen der Stadt um das Kurhaus torpediert würden«. Das Stadtoberhaupt regte an, das Schulschwimmen ins Freibad zu verlegen. Genau das sorgte für Widerspruch. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Casrsten Hauer entgegnete, das Wasser des Freibades werde nicht beheizt. »Darin kann kein Kind morgens schwimmen lernen.« Die Debatte drehte sich auch darum, ob die Kinder nicht Leichtathletik lernen oder der Schulsport in der Halle stattfinden solle. Irene Utter (CDU) und Jörg-Uwe Hahn (FDP) wiesen darauf hin, dass für das Schulschwimmen der Wetteraukreis zuständig sei. Sie verwiesen zudem auf das Beispiel Karben: »Als dort das Bad über ein Jahr saniert wurde, ist das Karbener Schulschwimmen auch nicht gestorben«. Während Utter den SPD-Antrag als populistisch wertete, meinte Jens Matthias (Grüne), der Antrag sei »nur allzu berechtigt«. Bad Vilbel beginne Großprojekte, »die sich nach hinten verschieben«. Der SPD-Antrag ei »ein Warnsignal«. Matthias, Hauer und SPD-Fraktionssprecher Christian Kühl forderten, das Schulschwimmen müsse in jedem Fall stattfinden.

Ein Halbjahr kein Unterricht

Irene Utter schätzte, dass das Schulschwimmen voraussichtlich ein Halbjahr ausfallen werde. Im Frühjahr 2018, wenn die Freibadsaison beginne, werde das Hallenbad endgültig geschlossen. Wie lange die Vakanz dauern wird, konnte niemand sagen. Aufhorchen ließ jedoch der Hinweis des Bürgermeisters, dass die Baugenehmigung für das Kombibad »voraussichtlich im November/Dezember« kommen werde. Der Bauantrag sei sehr komplex, so dass die Prüfung beim Wetteraukreis länger dauere.

Der SPD-Antrag wurde von CDU, FDP und Freien Wählern abgelehnt.

Kommentar

Stürmchen im Wasserglas

Es ist das Recht der Opposition, den Finger in die Wunde zu legen: Des Bürgermeisters Wahlkampfversprechen klang tatsächlich so, dass keine Vakanz beim Schulschwimmen entsteht. Aber die Stadt per Antrag zwingen zu wollen, die Vakanz nicht länger als drei Monate dauern zu lassen und ein Konzept fürs Schulschwimmen zu erarbeiten, ist völlig unrealistisch, dafür aber umso mehr politisch motiviert. Dahinter steckt wieder mal der Frust, dass die SPD die deutliche Verspätung beim Bau des Schwimmbadkomplexes aus der Zeitung erfahren hat. Allerdings entpuppt sich diese Debatte als Stürmchen im Wasserglas angesichts dessen, was die Stadt in absehbarer Zeit erhält. Einen Bäderkomplex, der im Rhein-Main-Gebiet wohl einmalig sein wird. Da lassen sich ein oder zwei Jahre ohne Schwimmunterricht locker verschmerzen. (pe)

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