29. Mai 2019, 11:00 Uhr

Kuchelobbe

Tradition aus Hefe und Butter

Ohne ihr Traditionsgebäck wäre Himmelfahrt für die Vilbeler nur halb so schön. Den Kuchelobbe gibt es nur in Bad Vilbel. Und nur in der Zeit bis Christi Himmelfahrt.
29. Mai 2019, 11:00 Uhr

Es kann ja nicht jedes Traditionsgericht so komplex sein wie die Grüne Soße. Manchmal liegt der Charme auch im Schlichten. »Ein Geheimnis? Gibt es nicht!«, sagt Bäckermeister Uwe Rumpf. »Hefeteig mit Butter - sehr viel Butter«, das sei alles, was den Kuchelobbe auszeichne. Die Bad Vilbeler kaufen das kleine pilzförmige Gebäck dennoch in rauen Mengen, denn morgen ist Vatertag, da darf der Kuchelobbe nicht fehlen.

Vier Wochen vor Christi Himmelfahrt beginnen Uwe Rumpf und seine Angestellten mit dem Backen der Lobben. Am Feiertag selbst wird die letzte Fuhre gebacken und zum Waldfest der Fidelen Sandhasen gefahren. Dann ist für ein Jahr Schluss.

Seit 23 Jahren lebt und arbeitet Uwe Rumpf nun schon in der Quellenstadt, die Vatertags-Tradition hat ihn dabei immer begleitet - wie lange noch, ist ungewiss. »Früher habe ich allein an Vatertag 2000 Stück gebacken«, erklärt der Bäcker. Heut seien es 2000 in den gesamten vier Wochen. Rumpf vermutet: »Die Neuzugezogenen kennen diese Tradition einfach nicht.«

Start um halb vier morgens

Nichtsdestotrotz herrscht an der Bäckerei-Theke eine rege Nachfrage. »Schon weit vor den vier Wochen kommen die Ersten und wollen wissen, wann ich wieder damit anfange«, sagt Rumpf. Wer den Kuchelobbe schon kennt, kauft ihn ganz selbstverständlich ein paar. Wer ihn nicht kennt, fragt verwundert Rumpfs Frau Petra. Nach und nach wandert so ein Kuchelobbe nach dem anderen für 1,50 Euro pro Stück über den Tresen.

20 Bleche mit je 15 Förmchen liegen in der Backstube parat. 300 Gebäcke kann Uwe Rumpf somit gleichzeitig backen. So simpel wie das Rezept ist dabei auch dessen Zubereitung. Um 3.30 Uhr in aller Herrgottsfrühe wird der Teig angerührt, in Form gerüttelt, in die Förmchen gelassen und kommt für 20 Minuten in den Backofen: Und fertig! Zwei bis drei Stunden dauert dieser Prozess, und das Aufwendigste daran könnte der Bäcker theoretisch mit einem Päuschen verbinden: Der Teig muss gehen.

»Das braucht schon mehr Zeit als ein Rührteig«, erklärt der Backprofi. In Hektik geraten Rumpf und sein Team in den Tagen vor Himmelfahrt deswegen jedoch nicht: »Das läuft so nebenher.« Die Formen, in die der schwere Hefeteig gefüllt wird, wurden von Rumpfs Vorgänger in der Dortelweiler Backstube selbst gefertigt. Laut dem Chef der Fidelen Sandhasen in Bad Vilbel, Horst Hilling, gibt es dafür sogar einen Gebrauchsmusterschutz: »Nur Bad Vilbeler Bäcker dürfen diese Form herstellen«, erklärt er.

Eine Regel, die schwer zu kontrollieren sein dürfte, sind die Formen im Grunde doch lediglich sich leicht öffnende Zylinder - auf dem Blech ähneln sie einer Reihe Blumentöpfe. Dort hinein wird der Teig bis zur Hälfte eingelassen. Ist der Lobbe vollendet, hat er sich im Volumen etwa verdreifacht und ähnelt in seiner Form einem ziemlich dicken Pilz. Nur 210 Kilogramm Teig benötigt Rumpf über die komplette Lobbe-Saison.

»Ich würde ja denken, hier sei oben«, wundert sich Rumpf und zeigt auf den runden Pilzkopf. Die Vilbeler würden den Kopf jedoch nach unter stellen, erklärt er. Zur Sicherheit bestreut er einfach den ganzen Lobbe mit Puderzucker. »Lauwarm schmeckt er am besten«, verrät der Experte. Wobei das Gebäck den ganzen Tag lang frisch schmecken würde - Butter sei Dank.

Geschmacklich vermag das faustgroße Teilchen kaum zu überraschen. Es erfüllt, was von einem leckeren Hefeteig erwartet werden kann. Und dennoch: »Das gibt es so nicht jeden Tag«, erklärt Rumpf. Wie auch bei Weihnachtsleckereien wie Stollen oder dem Kreppel zu Karneval könnten sich die Vilbeler so schon das ganze Jahr über auf ihren Kuchelobbe freuen.

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