17. September 2019, 08:00 Uhr

Landeskindertrachtentreffen

Tradition wird in Bad Vilbel wieder Leben eingehaucht

Traditionell findet im September vor dem Hessentag das Landeskindertrachtentreffen statt. Vor allem das Abschlussfest sorgt für Staunen, denn Trachten sind im Frankfurter Raum nichts Alltägliches.
17. September 2019, 08:00 Uhr

Viele Gruppen sind gerade erst angekommen und tragen deshalb noch keine Trachten bei der Eröffnungsfeier im Kurpark. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch, denn es sind trotzdem viele Trachtenträger zu entdecken. Die Sonne strahlt, die vielen Spielstände sind auf der Wiese aufgebaut, und langsam füllt sich der Platz vor der großen Bühne. Diese betreten zwei junge Moderatorinnen in ihren historischen Gewändern sowie Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) und Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU).

»Hessen ist ein Trachtenland«, beginnt Puttrich. »Sie werden nicht in allen Teilen des Bundeslandes viel getragen, doch gibt es 32 verschiedene Trachtenregionen in Hessen«, sagt die Ministerin. Hessen sei damit das Bundesland mit den meisten Trachtenregionen. Sie finde es toll, dass Kinder an den Wert der kulturellen Bekleidung herangeführt werden - in einer Zeit, in der Menschen eher das Gefühl haben, ihre Wurzeln mehr und mehr zu verlieren. Auch Bürgermeister Thomas Stöhr wendet sich an die Anwesenden, drückt seine Begeisterung über das Landeskindertrachtentreffen in seiner Stadt aus. Diesem ging eine lange Planungszeit voraus. Ein Arbeitskreis der Stadt musste neben dem Fest und allen dafür nötigen Genehmigungen auch die Unterbringung von rund 400 Kindern aus dem ganzen Land organisieren. Diese sind mit ihren jeweiligen Vereinen und Gruppen angereist und kommen im Georg-Büchner-Gymnasium unter. In der Mensa der Schule werden sie mit Essen versorgt.

Hessen kennenlernen

Ausgerichtet wird das Fest nicht nur von der Stadt Bad Vilbel, sondern auch von der Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) und dem Bund kultureller Jugend, der sich die Pflege hessischer Traditionen und deren Weitergabe an die Jugend auf die Fahnen geschrieben hat.

Heute sind in der HVT 17 000 Mitglieder in 162 Gruppen organisiert. Eine davon kommt aus Wollmar. »Wir kommen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und sind die nördlichste Gruppe«, sagte Gruppenleiter Mario Hausrath. Wollmar liegt knapp 30 Kilometer nördlich von Marburg und an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. »In unserem Verein befinden sich fast 300 Mitglieder«, fährt Hausrath fort. Der Verein habe sich nicht nur die Trachtenpflege zur Aufgabe gemacht, sondern decke ein breites Spektrum historischer Traditionen ab. So gehören zum Verein auch eine Mundartgruppe sowie Tanz- und Musikgruppen. »Wir fahren jedes Jahr in die Hessentagsstadt zum Landeskindertrachtentreffen. Sonst sind wir natürlich auch viel unterwegs.« In diesem Jahr habe der Verein beispielsweise schon die Europeade besucht. Dabei handelt es sich um Europas größtes Folklore-Fest mit weit über 5000 teilnehmenden Gruppen. Dieses fand in Litauen statt. »Ich finde es ganz wichtig, junge Menschen an Traditionen heranzuführen und ihnen so zu zeigen, was wir in Hessen haben«, meint Hausrath. »Vor allem lernen die Kinder ihr Bundesland so richtig kennen, weil wir so viele verschiedene Städte besuchen, wie eben jetzt Bad Vilbel.« Außerdem werde im Verein die Gemeinschaft großgeschrieben. Im Raum Marburg-Biedenkopf wird die Marburger evangelische Tracht getragen - diese wurde im vergangenen Jahr zur bundesweiten Tracht des Jahres gekürt. Die Gruppe aus Wollmar zieht diese für den sonntäglichen Festgottesdienst im Kurpark an, wie auch für die große Abschlussveranstaltung. Bei dieser kommen am Sonntagmittag noch einmal alle Trachtengruppen in voller Montur zusammen.

Bad Vilbel gehört zu trachtenarmer Region

Nun erwartet die Vilbeler eine große Tanzvorführung. Die gesamte Fläche im Kurpark wird von den Kindern und Jugendlichen in ihren historischen Gewändern eingenommen. Livemusik schallt von der Bühne. Mit großen Augen schauen die Vilbeler Kinder zu, die Eltern zücken die Smartphones. Selten sind historische Trachten in so einer Fülle zu bestaunen und schon gar nicht in der Quellenstadt. Denn, wie Alexander Michel vom Bund kultureller Jugend bereits bei der Pressekonferenz sagte: »Bad Vilbel gehört zu den trachtenärmeren Regionen.«

Umso schöner, dass die Kinder und Jugendlichen aus dem ganzen Land den rund um Frankfurt verloren gegangenen Traditionen wieder Leben eingehaucht haben.

Trachtenatlas

Die Marburger evangelische Tracht, die niederhessische Spitzbetzeltracht oder die Bergwinkeltracht - Wer sich darunter nichts vorstellen kann, findet im Trachtenatlas der Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege Fotos, Beschreibungen und eine interaktive Übersichtskarte über alle Trachtengebiete in Hessen. Die Übersicht gibt es online auf der Homepage trachtenland-hessen.de/trachten.

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