22. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Meister im Paintball

Viel mehr als nur »Kriegsspiel«: Der Karbener Nic Rippel ist Professional Paintball Player

Der Karbener Nic Rippel spielt seit acht Jahren in der Deutschen Paintball-Liga und gewann kürzlich mit seinem Team die Deutsche Meisterschaft. Das denkt er über die Vorurteile zum Sport.
22. Oktober 2019, 14:00 Uhr
Stolzer Sieger: Zum ersten Mal wird Nic Rippel mit seinem belgischen Team Deutscher Meister. (Foto: Michael Hoffmann)

Drei, zwei, eins - ein Signal dröhnt über den Rasen. Dann geht alles ganz schnell. Schüsse fallen, Spieler rufen durcheinander und Nic Rippel sprintet los. Gekonnt wirft sich der 26-Jährige in die erste Deckung. Angespannt wartet er auf ein Zeichen. Dann setzt er seinen sogenannten »Markierer« an und schießt: Mit gut 300 Bar zehn Bälle die Sekunde.

Paintball ist schnell. Für einen Außenstehenden sind die Spielzüge der Profis kaum nachzuvollziehen. Selbst der Laie sieht: Freizeitpaintball und Tournierpaintball sind zwei verschiedene Dinge. Nic Rippel spielt seit acht Jahren mit Profis der Deutschen Paintball-Liga. Mit seinem belgischen Team »Breakout Spa« hat er im September die deutsche Meisterschaft gewonnen. »Ich habe wirklich alles gegeben dieses Jahr«, sagt Rippel, »das war der Lohn. Und mein größter Erfolg bisher.«

Beim Paintball treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Sie starten gleichzeitig an den gegenüberliegenden Enden des Spielfelds, auf dem sich mehrere Hindernisse befinden. Die werden von den Spielern als Deckung genutzt, um den Farbbällen, »Paintballs«, auszuweichen. In maximal zehn Minuten müssen die Spieler versuchen, auf das gegnerische Ende der Spielzone zu gelangen. Wer getroffen wird, scheidet aus. Schafft es ein Spieler, ohne getroffen zu werden, ist das Spiel, beziehungsweise die erste »Begegnung«, zu Ende.

Mit zwölf Jahren kam der Karbener das erste Mal mit Paintball in Berührung. Auf einer Militär-Basis der Amerikaner, denn in Deutschland ist Paintball unter 18 Jahren verboten. »Wenn es einen packt, dann packt es einen richtig«, sagt Rippel. So war es bei ihm. Zwei Wochen nach seinem 18. Geburtstag spielte er auf der Paintfarm Lerchenhof in Ober-Wöllstadt. Oliver Bernhardt, der Betreiber, erkannte sein Potenzial und unterstützte ihn vom ersten Moment an. »Der Junge hat was drauf«, sagt Bernhardt. »Ich wollte ihn nicht in meinem Team. Er war für Höheres bestimmt.«

Rippel trainierte hart und viel. 2010 kam er in die U19 der Nationalmannschaft, 2011 spielte er in der zweiten Bundesliga, 2013 bereits das erste Mal in der ersten Bundesliga und 2014 schließlich zum ersten Mal in der Champions League. Seit 2018 spielt Rippel fest in seinem belgischen Team. »Das war die einzige wirkliche Option für mich, professionell zu spielen«, sagt er. Durch die Altersbeschränkung seien die Deutschen im internationalen Wettbewerb kaum konkurrenzfähig.

Rippel ist gut, in dem was er macht, und dafür opfert er viel. »So ziemlich mein ganzer Urlaub geht für Spiele und Training drauf«, sagt er. Noch könne, zumindest in Deutschland, kein Spieler von Paintball leben. Wenn er nicht gerade auf dem Spielfeld steht, arbeitet Rippel in einer normalen 40-Stunden-Woche als Abwassertechniker. »Es ist schon etwas stressig«, sagt er und lacht. »Vor allem wenn man noch Beziehung, Freunde und Familie unter einen Hut bekommen will.« Umso mehr ärgert es ihn, wenn seine Leidenschaft nicht ernst genommen wird. »Paintball ist Sport. Ein taktischer Extremsport, und dazu der einzige, der im Team gespielt wird.«

Oft hört Rippel Vorurteile. Dass Paintball kriegsverherrlichend sei oder gar kein richtiger Sport. Darüber kann er nur müde lächeln. »Das ist absoluter Quatsch«, sagt er. »Die Leute wissen einfach viel zu wenig über Paintball.« Das primäre Ziel sei es, den »Buzzer« auf der Gegenseite zu drücken. »Wir schießen dabei auf Menschen, ja. Wie beim Völkerball ist das Schießen nur Mittel zum Zweck.« Rote Farbe und Tarnkleidung sind beim Spiel darüber hinaus tabu. »Wir wollen hier keinen Kampf simulieren. Wir spielen nicht Krieg«, sagt er und fügt lachend hinzu: »Ich wäre wahrscheinlich der schlechteste Krieger überhaupt.«

Mehr Krieg und weniger Sport stehe dagegen beim sogenannten Szenario-Paintball im Vordergrund. »Das habe ich auch schon gemacht, und ich kann nicht leugnen, dass es Spaß macht«, sagt Rippel. Dabei wird beispielsweise auf verlassenen Militärgeländen oder im Wald eine Schlacht simuliert. »Man ist kein Amokläufer, nur weil man eine Waffe hält. Aber es hat nichts mit dem zu tun, was ich mache.«

Rippel betreibt Sport - wer ihm beim Training zusieht, merkt das. Gefordert sind Disziplin, Fitness, Kommunikationsstärke und Teamgeist. »Manchmal steht man das ganze Spiel unter Stress«, sagt er. Gerade das mache aber auch den Reiz aus. »Man schaltet einfach komplett ab, weil man so fokussiert auf das Spiel ist«, sagt Rippel. »Es wäre schön, wenn das mehr sehen würden.«

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