29. Juli 2019, 20:23 Uhr

Vielfalt macht Geschmack am Leben aus

29. Juli 2019, 20:23 Uhr
Die Atmospähre ist angespannt zwischen Konrad (Christian Schuster) und seiner Ehefrau Isabella (Marlene Berkenhagel), als Dienstmädchen Henriette (Julia Zeifang) das Dinner serviert. (Foto: cf)

In diesem Sommer hat erneut der Kirchgarten der St.-Michaelis-Kirche in Klein-Karben im Mittelpunkt des Gemeindelebens gestanden. Die Nachwuchsschauspieler der Theatergruppe haben zu kurzweiligen Aufführungen eingeladen. Auf dem Spielplan von Regisseur Pfarrer Werner Giesler steht einmal im Jahr auf der Freilichtbühne »profanes Theater«.

Am Samstagabend sorgte das Ensemble mit zwei heiteren wie spannenden Komödien des Bühnenautors Curt Goetz (1888 - 1960) für Kurzweil. Das aus elf Darstellern bestehende Ensemble hatte seit Ende Mai mit wachsender Spielfreude geprobt. Den zwischen 16 und 25 Jahre alten Laienschauspielern gelang es, die jeweiligen Charaktere der Stücke glaubhaft zum Leben zu erwecken.

In »Der Mörder« spielte der Autor virtuos mit falschen Erwartungshaltungen der Zuschauer. Geschickt baute er das Szenario eines Gruselkabinetts auf. Da erzählte ein Apotheker (Gideon Kauffeld) anschaulich davon, wie es ist, beide Beine wegen einer schönen, aber untreuen Frau zu verlieren. Um dann Isabella (Marlene Berkenhagel), der Dame des Hauses, die sich Sorgen um ihren Gatten Konrad (Christian Schuster) und dessen Jagdgast Herrn D’Elorm (Christoph Jobs) machte, eine abstruse Geschichte zu erzählen. Sie handelte davon, dass sich »in jener Gegend ein großer Schadhirsch gezeigt hat, ein sogenannter Mörder, der alle anderen Hirsche zu Tode forkelte und deren Frauen in Besitz nahm«. Isabella war in heller Aufregung und der Apotheker berichtete ihr von geheimnisvollen Jagdunfällen, bei denen Herren »zufällig« ihre Nebenbuhler erschossen haben. In den Köpfen der Zuschauer spielte sich ein Psychothriller ab, der durch die Heimkehr von Konrad ohne seinen Jagdgast, mit dem Isabella zuvor flirtete, angeheizt wurde. Am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf und es wurde gelacht.

Im zweiten Einakter »Die tote Tante« drehte sich alles um eine unerwartete Erbschaft und bürgerliche Scheinmoral. Der tyrannische Professor Traugott Hermann Nägler (Pierre Kai Kolas) und seine Gattin Marianne (Julia Zeifang) haben ein Dutzend Kinder. Getrübt wurde das Familienidyll, als Pastorin Riesling (Michelle Lieb) auftauchte und das Testament der toten Tante Josefine verlas, der Schwester des Professors. Josefine war begütert in Amerika verstorben. Der Professor hatte mit ihr gebrochen, weil sie einen unehelichen Sohn hatte, der aber vor ihr verstarb. Deshalb sollte ihre 16-jährige Nichte Innocentia (Merle Göbel) 250 000 Dollar erben. Allerdings: Innocentia erbe nur dann, wenn sie vor ihrem 17. Lebensjahr, so wie einst ihre Tante, ein Kind hat. Das Testament stürzte den Professor in eine Zwickmühle. Er schwankte zwischen Moral und Geld hin und her. Aus seinem Dilemma befreit wurde er dann unerwartet durch Ingenieur Heinrich Kraft (Christoph Jobs), der um die Hand von Innocentia anhielt. Dabei erfuhr der künftige Schwiegervater, dass der Verlobte einen unehelichen Sohn hat. Durch eine Adoption steht der Erbschaft nichts mehr im Wege.

Mit den beiden Stücken bereitete das Theaterensemble das Thema des Gottesdienstes »Vielfalt macht den Geschmack am Leben aus« am Sonntag vor. Danach feierten rund 70 Gemeindemitglieder unter Schatten spendendem Blätterdach des großen Kastanienbaums ein fröhliches Sommerfest. Für die Tafel hatten 30 Spender leckere Gerichte von deftig bis exotisch und Kuchen mitgebracht. Angestoßen wurde mit kalten Getränken oder heißem Kaffee.

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