28. Oktober 2018, 20:27 Uhr

Wählen in Bücherei und Küche

28. Oktober 2018, 20:27 Uhr

Einige Besonderheiten kennzeichnen die Landtagswahlen in der südlichen Wetterau. In Karben herrschte reger Andrang in den Wahllokalen. Im Bürgerzentrum war er so groß, dass spontan eine zusätzliche Wahlkabine aufgestellt wurde. Außerdem spielt Karben für das Statistische Landesamt eine besondere Rolle. In Bad Vilbel gibt es zwei neue Wahllokale und wegen der zunehmenden Zahl von Briefwählern einen Briefwahlbezirk mehr.

Um kurz vor zehn Uhr herrscht schon viel Betrieb auf dem Gelände des Anglerheims in Klein-Karben. Trotz niedriger Temperaturen und eines unangenehm kalten Windes haben sich viele Wahlberechtigte auf den Weg gemacht. Der Andrang erinnert an den bei Bundestagswahlen. »Hier ist mächtig was los«, sagt Christian Neuwirth, der an diesem Morgen einer der Wahlhelfer ist. Deshalb wird nicht nur in den beiden im Saal des Anglerheims aufgestellten Kabinen gewählt, sondern sogar in der Küche.

Ebenfalls im Bürgerzentrum, in dem es zwei Wahllokale gibt: eines für Kloppenheim und eines der drei für Groß-Karben. Mit letzterem hat es eine besonderes Bewandtnis: Vom Statistischen Landesamt ist es zur Erhebung repräsentativer Daten ausgewählt worden. Die Wähler erhalten vom Wahlvorstand Nora Zado, Raimund Köhler und Ingolf Baguß speziell gekennzeichnete Stimmzettel, aus denen Altersgruppe und Geschlecht geschlossen werden können. »Dabei ist jede Verletzung des Wahlgeheimnisses ausgeschlossen«, heißt es auf Hinweisschildern. Dennoch: Wahlvorstand Nora Zado berichtet davon, sie habe »schon einige Diskussionen« gehabt.

Zusätzliche Wahlkabine

In diesem Lokal habe zeitweise ein so großer Andrang geherrscht, »dass wir eine vierte Wahlkabine aufgebaut haben«, sagt Lars Herrmanns, der frühmorgens Dienst hatte. Die Wähler seien »regelrecht in Pulks gekommen«. Zu ihnen gehört das Ehepaar Oksana und Holger Ebert. Sie erzählt, sie stamme aus der Ukraine. Vor drei Jahren habe sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Seitdem gehe sie wählen. »Ich finde, dass jede Stimme zählt.« Ihr Mann geht gleichfalls wählen, gibt sich aber auch als Wechselwähler zu erkennen. »Man muss nicht immer das Gleiche wählen«, sagt er.

Gegen Mittag beginnt Karbens Wahlleiterin Martina Harmert im Rathaus ihren Dienst. Sie betont, dass man bei dieser Landtagswahl einen besonderen Aufwand habe. Denn in Karben seien gleich drei Wahlbezirke vom Statistischen Landesamt als repräsentativ hinsichtlich Geschlecht und Altersgruppe ausgewählt worden, zwei aus Groß-Karben und einer aus Petterweil. Das seien kreisweit die meisten Bezirke. Zwei sind es ihren Angaben zufolge in Niddatal und jeweils einer in Friedberg, Butzbach und Ober-Mörlen.

Damit die Auszählung zügig vonstatten geht, hat man in Karben jeweils zwei Urnen aufgestellt: In die normale Urne aus Kunststoff wird der Stimmzettel zur Landtagswahl geworfen, in die andere, ein Pappkarton, der Zettel zu den 15 Volksabstimmungen. 138 Wahlhelfer sind im Einsatz, 23 weitere kommen am Montag zwecks Auszählung der Volksabstimmungen ins Rathaus.

»Wahlbezirk 11« steht an der gläsernen Front der Bad Vilbeler Stadtbücherei. Erstmals ist hier ein Wahllokal, weil das nahe gelegene Kurhaus wegen der bevorstehenden Sanierung und dem Bau der Stadthalle für jeglichen Publikumsverkehr geschlossen ist. Petra Hiemer, Sabine Seeger und Mareike Merk bilden den Wahlvorstand, während Franziska Nufer die Wähler dort empfängt, wo sonst die Ausleihe der Medien stattfindet.

Ein paar Meter weiter in der Frankfurter Straße ist das zweite neue Wahllokal in Bad Vilbel, ebenfalls quasi Ersatz für den Standort Kurhaus. Im Bürgerbüro geben die Wählerinnen und Wähler für Wahlbezirk 10 ihre Stimme ab. »Hier ist es etwas kleiner als im Bürgerbüro im Kurhaus, es läuft aber alles prima«, sagt Wahlvorstand Monika Dieckert.

Gleiches sagt bis zum Mittag auch Bad Vilbels Wahlleiterin Elke Bär. Ihren Angaben zufolge sind an diesem Sonntag 265 Wahlhelfer im Einsatz. Anrufe habe sie sehr wenige gehabt. »Es ist ein sehr ruhiger Tag«, freut sie sich. »Wenn hier nur wenige anrufen, läuft alles optimal.«

Gegen Abend kommt bei den Wahlhelfern Unruhe auf. Denn es in Karben gibt es viel zu wenige Stimmzettel für die Volksabstimmung. »Wir sind runter bis auf sieben«, sagt Wahlhelfer Ingolf Baguß. Wahlleiterin Martina Harmert fährt nach Bad Vilbel, holt dort zusätzliche grüne Zettel. Die Kloppenheimer Wahlhelferin Simone Roßmus weiß, »wir haben schon vorher mit Bad Vilbel getauscht«. Bürgermeister Guido Rahn findet das »einfach unfassbar«.

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