04. April 2019, 21:06 Uhr

Wenn sie’s könnten, wär’s keine Kunst

Die Bad Vilbeler Theatergruppe »Die vom Kunstverein« wird fünf Jahre alt. Das muss gefeiert werden: Heute Abend präsentieren die Laienschauspieler daher ein Potpourri ihrer Lieblingsszenen. Das verspricht nicht nur große Unterhaltung, sondern soll auch zum Nachdenken anregen.
04. April 2019, 21:06 Uhr
Das Ensemble der Amateur-Theatergruppe »Die vom Kunstverein« feiert mit Regisseurin Anne Georgio seinen fünften Geburtstag mit Highlights aus den Produktionen der letzten fünf Jahre und neuen Stücken. (Foto: Fauerbach)

Sie schaffen den Spagat zwischen der Lust am Theaterspielen und Professionalität, sie bringen klassische Stücke auf die Bühne, ohne Unterhaltung und Moderne aus dem Blick zu verlieren. Die Rede ist von Regisseurin Anne Georgio und ihrer Amateur-Theatergruppe »Die vom Kunstverein«. Seit fünf Jahren mischt das aus Laien bestehende Ensemble die Kulturszene der Stadt mit seinen teils ernsthaften, teils humorvollen Produktionen und ihren bisher drei »Osterspaziergängen« auf. Letzterer entfällt in diesem Jahr zum Bedauern der Fans, weil alle an Ostern unterwegs sind. Gefeiert wird heute Abend aber das fünfjährige Bestehen der Amateur-Theatergruppe im KleinKunstCafé des Hauses der Begegnung (HdB).

Da bringt das Ensemble Höhepunkte aus den Produktionen der letzten fünf Jahre zur Aufführung. »Wir zeigen vor allem noch einmal Szenen, die uns gefallen haben«, stellt Regisseurin Anne Georgio in Aussicht. Freuen darf sich das theateraffine Publikum auf eine abwechslungsreiche Mischung aus Satire, Poesie und Musik. Autoren wie Loriot und Shakespeare, Christian Morgenstern und Johann Nestroy lassen grüßen.

Unter anderem spürt das Ensemble der Frage »Was ist Kunst?« nach. Um mit einem Zitat des österreichischen Dramatikers, Schauspielers und Bühnenautors Nestroy zu antworten: »Kunst ist, wenn man’s nicht kann, denn wenn man’s kann, ist’s keine Kunst.«

Quinoa aufs Korn

Gleich mit den Inhalten mehrerer Szenen wollen die derzeit sechs Darsteller ihr Publikum zum Nachdenken anregen. Etwa über Wahrheit, was wir dafürhalten und wie wir damit umgehen. Unter anderem mit einer Szene zum breit gefächerten wie stets aktuellen und politischen Thema Ernährung. Hier nimmt die Gruppe den Hype um das Super-Food Quinoa, ausgehend vom Satz »Jetzt essen sie den armen Peruanern auch noch das Quinoa weg«, aufs Korn. »Die anderen essen so barbarisch, wir kochen vegetarisch« verkündet das Ensemble.

´Thematisiert wird auch die Einsamkeit von vielen Menschen in jedem Alter in unserer modernen Gesellschaft, in der Single-Haushalte zunehmend die Norm sind. In einer Szene redet ein einsamer Mann, der von seiner Frau verlassen wurde, mit seinem Gartenzwerg Fritz. Auch ein anderes, weitverbreitetes gesellschaftliches Phänomen, die Sprachlosigkeit, wird auf die Bühne gebracht. Und zwar mit dem Fünf Minuten-Drama »Egon und Emilie« von Christian Morgenstern.

Nichts zu sagen

Gezeigt wird ein schweigend nebeneinander auf dem Sofa sitzendes Paar. Zu sagen haben sich die beiden wohl schon lange nichts mehr. Das Reden überlassen sie zwei hinter dem Sofa stehenden Personen. »Morgenstern ist humorvoll, verfügt über einen liebenswürdigen wie scharfsinnigen Sprachwitz und ist aktueller denn je«, schwärmen die Laiendarsteller.

Mitten aus dem Leben gegriffen ist eine weitere Szene, die das Publikum zum Nachdenken anregen dürfte. Sie wirft einen kritischen Blick auf das »moderne« Verhältnis von Arzt und Patient. Große Hektik, wirtschaftlicher Druck durch die gängige Abrechnungspraxis und damit keine Zeit zum Zuhören, Beraten und Aufklären, sorgen für kuriose Gespräche. Zu Wort kommen aber auch verkannte Künstler wie die Regisseurin vorab verrät. Freuen darf sich das Geburtstagspublikum auf einen Abend mit heiterer, humor- und niveauvoller Unterhaltung.

Seit fünf Jahren ist Renate Brinkmann in der Theatergruppe dabei. Sie bilanziert: »Das Theaterspielen schult das Gedächtnis.« Margit Wiegand fügt hinzu: »Ja, und die Bühnensprache wie das Sprechtraining schulen die Stimme. Zudem macht das Ganze uns auch sehr viel Spaß.« »Ich habe durch meine Bühnenauftritte an Selbstsicherheit gewonnen«, sagt Jutta Beller. Gisela Pabel-Rüger versäumt ebenfalls keinen Probeabend. Sie kommt selbst mit verletztem Fuß zur Probe in den Saal des Freizeitzentrums.

Auch Hermann Unger und Thomas Hechler beherrschen alle Texte einwandfrei. Trotz Familie, Beruf und anderer Verpflichtungen sind alle mit Begeisterung Mitglied in der Theatergruppe des Kunstvereins. Die drei Berufstätigen wie die drei Unruheständler. Mit Schauspieltechniken können sie effektiv ihre Präsenz erhöhen, an Authentizität gewinnen und Freude an ihrer Selbstinszenierung finden.

Das professionelle Handwerk vermittelt die erfahrene, bekannte Regisseurin, Schauspielerin und Sprecherzieherin Anne Georgio. Sie zeigt den Teilnehmern wie sie Stimme und Körper einsetzen können, um bestimmte Wirkungen zu erzielen oder einer Rolle Leben einzuhauchen. »Voraussetzungen zur Teilnahme sind Neugier und Ausdauer.« Neue Mitglieder sind in der Gruppe stets willkommen.

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