14. Oktober 2019, 08:00 Uhr

Kelterfest in Roggau

»Wetterauer Gold« verarbeitet

Im Hof des Dorftreffs in Burg-Gräfenrode dreht sich einmal im Jahr alles ums »Wetterauer Gold«. So nennen die Mitglieder vom Gesangverein Heimatliebe das Produkt ihrer Apfelernte. Immer im Oktober, wenn das Obst gelesen ist, trifft man sich zum Kelterfest.
14. Oktober 2019, 08:00 Uhr

A nlässlich des Kelterfests wird der Ernteertrag vor Ort gewaschen, gemahlen, gepresst und als frischer Süßer abgefüllt. Unterstützt werden die Heimatliebe-Sängerinnen und -Sänger dabei vom Heimat-und Kulturverein (Heku) Burg-Gräfenrode. Beide Vereine sind gut verzahnt und arbeiten Hand in Hand. Bis zur Mittagszeit haben die fleißigen Kelterer schon die ersten 250 Liter Süßen gepresst. Die Gesamtmenge wird aber auch in Roggau nicht das Ergebnis aus dem Vorjahr erreichen können. Denn damals konnten sogar noch zehn Zentner an die Kelterei »Rapp’s« geliefert werden.

Tags zuvor waren Kinder mit ihren Eltern zum sogenannten Apfelschütteln unterwegs. Mit Traktor und Anhänger ging es zum Einsiedelwäldchen, wo der Gesangverein in der Nähe des Pfadfinderlagers von der Stadt eine Streuobstwiese gemietet hat. 20 Apfelbäume stehen dort, von denen aber nur wenige ordentlichen Behang trugen. Nur zwei Säcke habe man ernten können, sagt Vereinsvorsitzender Karlfred Heidelbach. Mehr sei dort nicht zu holen gewesen. »Insgesamt gibt die Ernte nicht so viel her«, fügt er hinzu.

Besser sah es dafür auf zwei Privatgrundstücken aus, wo den Obstfreunden ebenfalls 20 Bäume zum Ernten zur Verfügung standen. Am Ende ist der Anhänger dann doch voll mit Äpfeln geworden. Damit hatte eine Handvoll Kinder den gewünschten Spaß beim Pflücken. Und die Erwachsenen durften am Samstag auch zufrieden sein. Während die Helfer vom Heku die Kelterpresse neu befüllen, wird eine erste Bilanz erstellt. Man einigt sich auf eine Gesamtmenge von 800 bis 1000 Kilogramm Äpfel. »Das ergibt umgerechnet etwa 600 Liter Saft. Eine Füllung sind zirka 50 Kilogramm, das heißt, bei einem Pressvorgang gewinnt man um die 30 bis 35 Liter. Die Presse gehört dem Gesangverein«, erklärt Karlfred Heidelbach.

800 Liter gären im Gewölbe

Das »Wetterauer Gold«, das in diesem Jahr besonders viel Süße mit sich bringt, wird zum Teil direkt an die Besucher des Kelterfestes verkauft. Viele haben ihre eigenen Kanister dabei, die sie dann mit Inhalt nach Hause tragen. Natürlich trinkt man den Süßen auch zum Essen. Zu Mittag gibt es wieder Pfannkuchen mit Apfelmus, für die mancher Gast such Schlange steht. Gebacken wird diese Roggauer Spezialität von den Damen des Gesangvereins. Der größere Teil fließt aber später auf direktem Weg durch ein Kellerfenster ins Gewölbe unter der alten Dorfschule. Hier besitzt der Gesangverein einen Kellerraum, wo der Saft in verschieden großen Behältern gären kann. Bis zu 800 Liter könnten in diesem Lager aufbewahrt werden.

Es ist so etwas wie das Reservoir für alle durstigen Kehlen, die beim Singen nicht ausbleiben. Ein an der Wand angebrachtes Thermometer zeigt die aktuelle Temperatur. »10 bis 13 Grad sind optimal«, weiß Rudi Nadler, der beim Verein nach dem Rechten schaut. »Je kälter es ist, desto länger dauert der Gärvorgang.« In einem Behälter ist noch ein Rest Apfelwein vom Vorjahr. Alle anderen warten auf ihre Neubetankung. »Ganz voll werden wir sie diesmal wohl nicht kriegen«, schätzt Nadler. Er selbst trinke eigentlich nichts anderes als Apfelwein. Den Roggauer Apfelwein könne er aus ganz vielen anderen Sorten herausschmecken. Er habe einen besonderen Geschmack und sehe auch etwas trüber aus. Schon Ende Dezember könne man ihn trinken.

Seit mehr als zwölf Jahren gibt es das Kelterfest in Roggau mittlerweile schon. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung ausfallen. Nicht etwa weil es zu wenige Äpfel gab, sondern weil kaum Helfer verfügbar waren, sagen die Verantwortlichen. Umso mehr zeigt man sich dankbar für die Unterstützung vom Heku, »ohne die das Fest nicht zu schaffen wäre«. Während am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen das Fest ausklingt, geht das Keltern noch eine Weile weiter.

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