Bad Vilbel & Karben

Wie Karben seniorengerecht wird

In etwa zehn Jahren werden in Karben 14 Prozent der Menschen 65 bis 75 Jahre alt sein, nochmal so viele 75 und älter. Nun wird daran gearbeitet, wie die Stadt sich für ältere Menschen fit macht.
20. März 2018, 05:00 Uhr
Holger Pegelow
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An der Umsetzung des Plans »Seniorengerechtes Karben« arbeitet man in der Stadtverwaltung und im Arbeitskreis Altenhilfe. (Symbolfoto: dpa/Foto: Archiv)

Etwa anderthalb Jahre hat die Stadt verschiedene Bürgerforen veranstaltet, hat Daten gesammelt und Statistiken ausgewertet. Über 150 Bürgerinnen und Bürger konnten direkt erreicht werden. Das alles wurde zusammengetragen, aber weniger aus wissenschaftlicher Sicht. Vielmehr stehen im daraus entstandenen Altenhilfeplan mit dem Titel »Seniorengerechtes Karben« die persönlichen Erfahrungen und die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt. Genau das ist gefragt, denn die Stadtverantwortlichen und die Menschen wollen wissen, wie sie im Jahr 2030 in Karben leben können. Der 63 Seiten starke Plan, der im Herbst 2017 an die Stadtverordneten verteilt wurde, enthält Handlungsempfehlungen für eine seniorengerechte Stadt. So wird die Gründung eines Arbeitskreises Altenhilfe empfohlen, halbjährlich soll es Informationsnachmittage zur Altenfachberatung geben, die ärztliche Versorgung ist ebenso Thema wie eine Koordinationsstelle Älterwerden, Tagespflege, Demenzerkrankte, öffentliche Toiletten und Sitzbänke.

 

Weitere Tagespflegeplätze

Um die Umsetzung der Handlungsempfehlungen kümmert sich Astrid Rüger in der Stadtverwaltung. Auf WZ-Anfrage hat sie den Stand des Projektes dargestellt. Der Arbeitskreis Altenhilfe habe sich im September 2017 konstituiert. Mitglieder sind die evangelische Kirche Okarben, die katholischen Kirchen, der VdK, die Hospizhilfe, Herz & Hand Nachbarschaftshilfe, Seniorenbeirat, Mütter- und Familien-Zentrum, ASB Mittelhessen, Johanniterstift, Vertreter des Ausschusses Jugend, Soziales und Kultur sowie der Karbener Sportverein. »Zurzeit versucht der Arbeitskreis Angebote für alleinstehende Senioren zu entwickeln.« Es sei auch eine »Koordinationsstelle Älterwerden« in Planung. Die Stadt setze sich weiter für eine verbesserte ärztliche Versorgung ein.

 

WG für Demenzpatienten

An Demenz erkranke Menschen sind ein eigenes Kapitel im Altenhilfeplan. Hierzu bietet der ASB Veranstaltungen an. Die Stadt und die Anbieter in der Altenhilfe hätten sich im Projekt Demenzatlas Hessen registrieren lassen. »Erste Gespräche mit dem ASB zwecks Gründung einer WG für demenzerkrankte Menschen in Karben wurden schon geführt«, sagt Rüger.

Auch das Thema seniorengerechter Wohnraum wird behandelt. Die Stadt habe in ihrem Bauprojekt Am Kalkofen/Waldhohl seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen eingeplant. »Von Seiten der Stadt soll auf Bauherren eingewirkt werden, die Parterrewohnungen barrierefrei zu gestalten«, sagt Rüger. Auch die Stadt selbst will die Barrierefreiheit umsetzen. Neben den schon abgesenkten Bordsteinen wird auf die geplante barrierefreie Umbau aller Bushaltestellen in der Ortsdurchfahrt Klein-Karben verwiesen.

Was die Tagespflege angeht, so sei mit dem ASB über eine Erweiterung der Platzzahl gesprochen worden. Zurzeit denkt man über eine Ansiedlung von Tagespflegeplätzen »in einem der Stadtteile« nach.

 

Bänke mit erhöhter Sitzfläche

Auch das Thema öffentliche Toiletten wird immer wieder nachgefragt. Toiletten, die barrierefrei zugänglich sind, seien zur Verfügung gestellt worden und entsprechend gekennzeichnet. Zudem sei eine Liste mit seniorenfreundlichen, also erhöhten Sitzbänken für Klein- und Groß-Karben erstellt worden. »Zunächst soll getestet werden, wie die Bänke von den Seniorinnen und Senioren angenommen werden«, sagt Rüger. Zudem plant sie ein Informationsportal für Menschen über 65 Jahren. Die Stadt habe zudem die Sportvereine gebeten, ihre Angebote für Senioren auf der städtischen Homepage zu platzieren.

Sicherlich werde nicht jede in dem Planwerk vorgesehene Maßnahme umgesetzt werden können, sagt Bürgermeister Guido Rahn. »Aber unser Ziel sollte sein, möglichst viel davon zu realisieren, damit zukünftig junge und alte Senioren in der Stadt all das finden, was sie für ein gutes Wohnen und Leben im Alter in unserer Stadt brauchen.«

Info

Das steht im Altenhilfeplan

Insgesamt 63 Seiten stark ist der Altenhilfeplan für Karben. Er definiert die Ziele der Altenhilfe, skizziert die demografische Entwicklung, stellt das System der Altenhilfe vor, zeigt auf den Bestand stadtteilübergreifender sozialer Dienste und an altengerechter Infrastruktur. Wichtig sind auch die in den verschiedenen Stadtteilforen herausgearbeiteten Potenziale und Problemlagen der Menschen. Hier geht es sowohl um bürgerschaftliches als auch familiäres Engagement, um Wohnumfeld der Senioren, oder Themen wie Demenz und Pflegebedürftigkeit. Wer sich für die genauen Inhalte interessiert, erhält den Plan bei Astrid Rüger in der Stadtverwaltung. (pe)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/Bad-Vilbel-Karben-Wie-Karben-seniorengerecht-wird;art469,405537

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