18. September 2019, 20:32 Uhr

Wie aus Obst Schnaps wird

Äpfel, Kirschen, Mispeln: Bernd Geckeler stellt in seiner Obstbrennerei zahlreiche Schnapssorten her. Wer möchte, kann ihm seine Früchte bringen. Es gibt aber beim Schnapsbrennen einiges zu beachten. Und es gilt: gut Ding will Weile haben.
18. September 2019, 20:32 Uhr

Der Herbst ist die Zeit der leuchtenden Farben und der Ernte. Eine Möglichkeit, reife Früchte zu verarbeiten, besteht darin, sie im Falle von Äpfeln in eine Kelterei zu bringen und daraus Apfelwein oder Apfelsaft keltern zu lassen. Doch für Äpfel und viele andere Früchte gibt es eine weitere Möglichkeit, die viele Bürger nutzen. Sie bringen ihre frischen und vollreifen Früchte als Maische in eine Obstbrennerei wie in die von Diplom-Agraringenieur Bernd Geckeler.

Er stammt aus der Bodenseeregion. 1989 hat er geheiratet und kam auf diesem Weg auf einen Bauernhof nach Rendel. Dort eröffnete der Landwirt als weitere Erwerbsquelle 1993 eine Obst- und Abfindungsbrennerei. Nach Ärger mit dem Zoll hat er die Abfindungsbrennerei 2010 in eine Verschlussbrennerei umgewandelt. Die Brennblase hat einen geeichten Zähler und misst genau, wie viel Alkohol destilliert wird. Und sie ist gegen Manipulation 73-fach verplombt. Der Vorteil: Bernd Geckeler kann jetzt das meist zur Maische verkleinerte Obst nicht nur von Bürgern aus der Wetterau brennen, sondern auch das von Privatleuten aus anderen Landkreisen verarbeiten.

Wichtig ist, dass die Bürger vor Anlieferung ihrer Maische in einem säurebeständigen und lebensmittelechten Behältnis (Glasballon oder Maischbottich), einen Termin mit dem Obstbrenner vereinbaren. Er erklärt: »Das Obst sollte sauber sein, Faulstellen entfernt werden, bevor es zur Maische vergoren wird.« Wirtschaftlich ist das Brennen erst ab 80 Liter Maische. Gelernt hat Bernd Geckeler das Obstbrennen von seinem Vater Horst Geckeler. Er hofft, dass die Familientradition später einmal von seinen Töchtern Lara (25) und Kira (22) fortgeführt wird.

Je nach Sorte verarbeitet Geckeler in seinem 100 000 Euro teuren Kupferkessel mit 250 Liter Fassungsvermögen Obst oder Maische zu Obstgeist, Obstbrand oder Obstwasser. Die Unterschiede in der Bezeichnung liegen in der Herstellung und im Alkoholgehalt. Beim beispielsweise aus Himbeeren hergestellten Obstgeist findet keine Vergärung der Früchte statt. Sie werden mindestens fünf Wochen in 96,4 Prozent Alkohol eingelegt und dann nach der Ziehzeit gebrannt. Für den Obstbrand wird Kernobst wie Äpfel, Quitten oder Birnen zu Maische verarbeitet und dann gebrannt. Zu Obstwasser wird Steinobst wie Mispel oder Mirabelle verarbeitet. Hier ist die Ausbeute am Geringsten, bei Kirschen, Trauben und Mirabellen am höchsten. »Obstwasser ist das Edelste«, sagt der Obstbrenner.

Drei Monate reifen lassen

»Ich habe es am liebsten, wenn die Lieferanten beim ersten Brennen dabei sind. Aus 100 Liter Maische werden zehn Liter Schnaps.« Der Brennvorgang dauert zwei Stunden. Gebrannt wird die Maische bei 78 bis 91 Grad Celsius. Der Alkohol steigt im Brennofen auf, wird über ein Fallrohr in den Verstärker eingeleitet, um dann über drei Glockenböden dreifach gebrannt zu werden. Der Alkoholdampf wird danach in einen Kühler geleitet, indem er von unten nach oben auf 20 Grad Celsius abgekühlt wird und sich verflüssigt. Die Flüssigkeit läuft anschließend in die Zähluhr. Die Menge wird für die Branntweinsteuer auf den Millimeter genau erfasst. Die Steuer liegt derzeit bei einem Liter 100-prozentigen Schnaps bei 13,03 Euro plus 19 Prozent Mehrwertsteuer. »Theoretisch ist das Destillat sofort trinkbar. Es wird jedoch mit entmineralisiertem Wasser auf Trinkstärke mit einem Alkoholgehalt von 40 Prozent oder 45 Prozent gebracht.« Nach dem Brennen sollte das Wasser, der Brand oder Geist mindestens drei Monate reifen. Hier gilt die Devise: Je länger, desto besser. »Das Destillat verliert beim Reifeprozess an Schärfe und gewinnt an Aroma.«

Zu den Kunden von Bernd Geckeler gehören seit Jahren der Vilbeler Jürgen Pfeiffer und der Rendeler Wolfgang Lazar. Das Duo lieferte an diesem Wochenende erste Mispeln der Sorte Mespilus germanica an. »Die Deutsche Mispel oder Echte Mispel war hier in der Region im 19. Jahrhundert weitverbreitet. In den 1960er Jahren wurden viele der weiß blühenden Bäume mit großen, ausladenden Kronen, gefällt. Vor allem, weil Mispeln nicht wirtschaftlich waren«, berichtet Jürgen Pfeiffer. »Wir haben bei der Recherche entdeckt, dass Mispeln früher wie Speierling dem Apfelwein beigegeben wurden«, berichten die Kelter. Speierling und Mispeln werden dem Apfelwein zugegeben, um ihn zu klären und Säure für die Haltbarkeit zu gewinnen. Der säuerliche Geruch, der beim Brennvorgang in der Luft liegt, wird von den drei Profis nicht mehr wahrgenommen. Geckeler betont: »Alle Spirituosen sind Erzeugerabfüllungen, die ich im eigenen Betrieb hergestellt, gelagert und sorgfältig von Hand abgefüllt habe.«

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