26. Juni 2019, 08:00 Uhr

Digitale Helden

Wo Gefahren im Netz lauern

Für die Fünftklässler der Karbener Kurt-Schumacher-Schule ist diese Woche eine besondere. Weil sie von Digitalen Helden die Regeln beim Umgang mit Smartphone und Internet gezeigt bekommen.
26. Juni 2019, 08:00 Uhr
Lea und Carolin

Fast alle Schüler haben ein Smartphone. Die meisten von ihnen verkehren auch in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Whatsapp. Welche Gefahren darin lauern können, merken sie oft erst, wenn sie selbst betroffen sind. »Cybermobbing«, sagt Schulsozialarbeiterin Anette Kehrbaum, »nimmt zu«. Allerdings wandele sich nun auch das Bewusstsein dafür.

Das ist nicht zuletzt auf das Projekt »Digitale Helden« zurückzuführen. Das läuft an der Kurt-Schumacher-Schule im zweiten Jahr und findet gerade für dieses Schuljahr seinen Abschluss. Zehn Schülerinnen und Schüler der achten Klasse haben an zahlreichen Nachmittagen als Wahlpflichtfach den Digitalen-Helden-Onlinekurs absolviert.

absolviert. Und nun wollen sie, quasi als eine Art Abschlussprüfung, ihren Mitschülern einiges über Gefahren im Internet bzw. die gültigen Vorschriften erzählen. In zwei Klassenräumen wurden dazu fünf Stationen gebildet, die sich mit den Themen Datenschutz und Recherche, Cybermobbing, Whats-App - Einstellungen und Regeln im Chat, Computerspielen sowie Instagram beschäftigten.

»Was spielt Ihr für Spiele?«, lautete die Frage an einer Station. Und als Beobachter durfte man durchaus erstaunt sein, dass die Mehrzahl der Schüler Internetspiele spielt, zumeist welche mit gewalttätigem Inhalt. Andere wiederum stellen ungeniert persönliche Bilder von sich und anderen in Instagram ein. Viele wissen auch nicht, was Persönlichkeitsrechte sind, etwa dass es ein Recht am eigenen Bild gibt, wissen ebenso nicht, dass bei Whatsapp-Chats digitale Marken gesetzt werden, um das Verhalten der Jugendlichen zu erforschen und ihnen gezielt Werbung zu schicken. Wichtig ist an diesen drei Tagen die Frage der Selbstdarstellung. Denn Jugendliche stellen von sich Fotos ins Netz, die von anderen schnell bearbeitet werden können. Kehrbaum hat in ihrer Praxis mit solchen Dingen häufiger zu tun. Wenn sich die Verursacher ausfindig machen lassen, spricht sie mit ihnen, holt sich den gemobbten Mitschüler oder die gemobbte Mitschülerin dazu. »Dabei haben wir festgestellt, dass die dummen Kommentare niemandem direkt ins Gesicht gesagt.

Zwischendurch wird diskutiert

Im Wechsel durchlaufen alle 200 Fünftklässler die Stationen. Zwischendrin kommen die fünf Gruppen kurz zusammen, um vor den anderen von ihren Erkenntnissen zu berichten. Malte etwa meint, »dass Cybermobbing immer von vielen ausgeführt wird«. Leon sagt, »ich würde beim Cybermobbing nicht mitmachen und auch keine persönlichen Fotos machen«. Celina zeigt sich beeindruckt, »welche Grenzen der Datenschutz setzt«. Lily findet den Unterricht der Digitalen Helden »einfach super«. Sie meint auch, dass es gut sei, dass so etwas gemacht werde. »Dann weiß man doch, dass man beim Mobbing Hilfe holen kann.« Schulsozialarbeiterin Bettina Kreutz hakt nach: »Wenn du gemobbt würdest, würdest Du das als petzen bezeichnen?« »Nein«, antworte Lily, »ich hole Hilfe, damit es den anderen besser geht«.

Die Schülerinnen und Schüler haben an den Stationen etliche Fragen beantworten und mit den Digitalen Helden diskutieren müssen. Außerdem haben sie einen orangenen Zettel mit Tipps drauf bekommen. Dort werden klare Verhaltensregeln gennat wie etwa: »Veröffentliche keine persönlichen Fotos, Videos oder private Daten«, »Beachte den Datenschutz, die Bild- und Urheberrechte«, oder etwa »Behandle jeden respektvoll im Chat«. Auch wird den Schülern geraten, unbekannte Handynummern zu blockieren und sie auch nicht abzuspeichern.

Die Schulsozialarbeiterinnen kündigten an, dass das Projekt im kommenden Jahr fortgesetzt werden soll. »Wir haben den neuen Online-Kurs beim Verein Digitale Helden schon bestellt«, sagt Kehrbaum. Man werte die Erfahrungen aus den ersten beiden Jahren aus und überlege zusammen mit der sehr engagierten Lehrerin Melanie Gröpl, wie man die Fortsetzung gestalten könne. Kehrbaum lobt sehr das Engagement der Lehrerin.

»Wir haben alle den Anspruch, dass hier etwas Nachhaltiges passiert.« Um den »Nachwuchs« muss den Verantwortlichen für dieses wichtige Projekt aber nicht bange sein. Als sie im Plenum fragen, wer sich denn vorstellen könne, auch mal einen solche Ausbildung zu einem digitalen Helden zu machen, geht rund die Hälfte der Finger in die Höhe. Also zehn Schüler kämen da locker zusammen.

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