25. März 2019, 18:22 Uhr

Wo der Wald wieder wuchert

Unter den teils noch kahlen Bäumen und Sträuchern im Bad Vilbeler Wald regt sich überall neues Leben – und Pflanzenexperte Klaus Schermelleh von den Naturfreunden weiß genau wo. Wer will, kann ihn regelmäßig bei seinen Spaziergängen begleiten.
25. März 2019, 18:22 Uhr
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Von Christine Fauerbach
Einer von neun Flachteichen auf dem ehemaligen Schießplatzgelände. Klaus Schermelleh von den Naturfreunden Bad Vilbel (Mitte) erklärt seinen Zuhörern, dass Kröten und Frösche abgelaicht haben. Wer genau hinsieht, kann die Frösche auch erspähen. (Fotos: Fauerbach)

Mit fröhlichem Vogelgezwitscher und lautem »tock-tock-tock« wurden die Teilnehmer der Wildpflanzenexkursion »Frühblüher im Vilbeler Wald« am Wochenende von dessen gefiederten Bewohnern empfangen. Immer wieder war das rhythmische Schlagzeugsolo von Spechten zu hören, die ihren Liebsten ein Ständchen brachten.

Viel Wissenswertes über die Frühblüher, tierische Bewohner und Bäume vermittelte den neugierigen Vilbelern der Pflanzen- und Kräuterexperte Klaus Schermelleh. Er unterrichtete früher an der Berufsschule angehende Drogisten über Heilpflanzen. Seit 2014 bietet der Pensionär für die örtlichen Naturfreunde im Frühling, Sommer und Herbst Touren durch den Vilbeler Wald an. »Dadurch lernen die Teilnehmer viele Pflanzen im Jahresverlauf von der Blüte bis zu den Früchten kennen«, sagte er.

Seine aufmerksamen Zuhörer erfuhren zum Beispiel nicht nur, welche Pflanze einhäusige, aber getrennt geschlechtliche Blüten hat oder welcher Baum mehr als tausend Jahre alt werden kann, sondern auch, welche Bäume und Pflanzen im Märchen »Aschenputtel« oder im Film von »Ronja Räubertochter« eine Rolle spielen.

Auch wessen Holz zugleich hart und elastisch ist und deshalb für den Bogen- und Armbrustbau, aber auch als Material für Musikinstrumente sehr gefragt war und ist, berichtete er. Mithilfe von Fotos und Anschauungsmaterial vertiefte Schermelleh seine Ausführungen. »Ich möchte Leuten aus Vilbel und Umgebung die Natur nahebringen, mein Wissen weitergeben.«

 

Essbar oder Finger weg?

 

Je nach Jahreszeit wechseln die Schwerpunkte der Touren, stehen andere Wildpflanzen im Mittelpunkt. Dabei werden Fragen wie »Kann man sie essen?«, »Sind sie giftig?«, »Besitzen sie eine Heilwirkung?« oder »Welcher Überlebens- und Vermehrungsstrategien bedienen sie sich?« gestellt und beantwortet. Solange sich die Vegetation noch nicht voll entfaltet hat, sind die Frühblüher wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten. Nutzen kann auch der Mensch einige frühblühende Kräuter als Bereicherung seines Speisezettels oder als Heilpflanze. »Die Frühblüher müssen mit dem Blühen fertig sein, bevor die Bäume Blätter bekommen, das Sonnenlicht schlucken und alles verdunkeln«, erklärte Klaus Schermelleh.

Überall reckten Buschwindröschen (Anemone nemorosa) keck ihre weißen Blütensterne der Sonne entgegen. Meist hatten sie sechs Blütenblätter, es konnten aber auch neun oder mehr sein. Damit das Buschwindröschen schon so früh im Jahr treiben kann, verwendet es einen Trick: In seinem unterirdischen Wurzelstock speichert es Nährstoffe, die ihm die nötige Energie liefern. Den Namen Anemone verdankt das Buschwindröschen übrigens der griechischen Mythologie. Die Nymphe Anemone lebte am Hof der Göttin Flora. Da sich deren Gatte, der Windgott Zephyr, in die Nymphe verliebte, verwandelte Flora ihre Nebenbuhlerin in eine Blume. Seitdem streicht der Wind im Frühling über die zarten Blütenblätter, ohne zu wissen, dass es seine geliebte Anemone ist.

Einen ähnlichen Trick wie die Anemone verwendet das Scharbockskraut, dessen Name eine alte Bezeichnung für Skorbut ist. Die Blume mit schmalen, spitzen, gelben Blüten und herzförmigen Blättern enthält viel Vitamin C.

 

Besuch bei den Kröten

 

Einige Pflanzen nutzen als Nährstoffspeicher Rhizome (Wurzelstöcke), andere Zwiebeln. Die 18 Teilnehmer, zu denen auch die Brüder Matthis (9), Lukas (7) und Theo (5) gehörten, entdeckten bei der Tour mit Schermelleh am Wegesrand noch viele andere Frühblüher wie den Huflattich und die Wald-Schlüsselblume, die beide gelbe Blüten haben, sowie den purpur- bis lila blühenden Lerchensporn.

Letzterer ist eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen, Erd- und Gartenhummeln sowie den seltenen Schmetterling Schwarzer Apollo. Kröten und Frösche und deren Laiche konnten alle in einem der neun Flachwasserteiche auf dem ehemaligen Schießplatzgelände beobachten.

 

Die nächsten Touren mit den Bad Vilbeler Naturfreunden mit dem Titel »Bärlauchparadies Vilbeler Wald« sind am Samstag, 27. April, um 14 Uhr und Sonntag, 28. April, um 10 Uhr. Um Anmeldung wir gebeten unter der Telefonnummer (06101) 497327 oder per E-Mail an die Adresse botanik@naturfreunde-bad-vilbel.de



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