30. Juli 2013, 10:58 Uhr

Pferde vorm Aussterben retten

Büdingen-Orleshausen (ini). Bei bedrohten Tierarten denken die meisten Menschen an sibirische Tiger, Pandabären oder Nashörner. Aber Pferde, Hühner oder Hunde? Auch in Deutschland gibt es vom Aussterben bedrohte Tierrassen, nicht nur in freier Wildbahn, sondern ebenso unter den Nutztieren.
30. Juli 2013, 10:58 Uhr
Frauchen ist die Beste: Anita Schneider mit Schwarzwälder Kaltblut Mischa. (Fotos: Martini)

Anita und Karl-Heinrich Schneider engagieren sich für den Erhalt von alten und bewährten Nutztierrassen. Das Ehepaar betreibt eine »Nutztierarche« mit bedrohten Tieren, vom Pferd bis zur Taube.

Auf der Koppel am Ortsrand von Orleshausen weht ein leichtes Lüftchen. Unter einem Baum stehen drei hellbraune Pferde mit auffallend blonden Mähnen im Schatten, die sich beim Näherkommen von Anita Schneider am Zaun aufreihen. »Ja, du bist mein Schatz«, lacht die gebürtige Orleshausenerin, während Wallach Mischa seinen Kopf an ihrer Schulter reibt. Mischa gehört zu den drei Schwarzwälder Kaltblutpferden der Schneiders. »In den 1970er Jahren gab es nur noch rund 80 rassereine Tiere«, erzählt Karl-Heinrich Schneider. Die Kaltblüter gehören zu einer alten Nutztierrasse, die fast ausgestorben ist, ebenso wie die Tauernscheckenziegen, die ihre Weide neben der der Pferde haben.

Unter dem Schatten spendenden Wagen, in den sich die Tiere zurückziehen können, ist der Lieblingsplatz der Geißen und der derzeit drei Jungtiere. »Ziegen lieben es, an Bäumen zu knabbern und die Blätter von den Zweigen zu zupfen«, zeigt Anita Schneider auf die mit Brettern umgebenen Baumstämme auf der Streuobstwiese. Doch darben müssen die Tiere nicht, denn im Gelände verstreut liegen abgesägte Baumäste, denen die Tiere schon sichtbar zugesetzt haben. Regelmäßig haben die Ziegen zudem Ausgang. Karl-Heinrich Schneider spaziert mit seiner Herde zum Waldrand, wo sich die Tiere spezielle Kräuter schmecken lassen. »Mit bestimmten Pflanzen halten sie sich Darmparasiten fern«, erklärt Schneider.

Neben den Kaltblütern und Ziegen leben zwei Appenzeller Sennenhunde, Klätschertauben, Bartkaninchen und Hühner der Rassen Deutsche Sperber und Niederrheiner Gelbsperber in der »Nutztierarche«. Diese Bezeichnung haben sie vom gemeinnützigen Verein »VIEH« (Vielfältige Initiativen zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) erhalten. Wie die Schneiders zu ihrer Arche gekommen sind? »Das hat sich so ergeben und war nicht geplant«, berichtet Karl-Heinrich Schneider. »Wir sind beide in der Landwirtschaft aufgewachsen, hatten schon immer mit Pferden zu tun.« So suchten sie vor mehr als 20 Jahren nach einer Pferderasse mit einem angenehmen Charakter. »Die Schwarzwälder Kaltblutpferde haben uns beiden gefallen«, sagt Anita Schneider, und so kam Stute Mira als erstes Tier einer bedrohten Tierrasse auf den Hof, noch ohne Gedanken an Artenschutz. 1992 wurde der erste Appenzeller Sennenhund gekauft, nach und nach kamen weitere Tiere dazu.

»Die alten Rassen sind generell sehr wachsam und menschenbezogen. Bei den Hunden war uns auch wichtig, dass sie kinderfreundlich sind«, erzählt Karl-Heinrich Schneider. »Und die alten Rassen sind robust, während die Hochleistungsrassen oft sehr anfällig sind und eine kurze Lebenserwartung haben. Außer für die Impfungen brauchen wir kaum einen Tierarzt«, ergänzt seine Ehefrau. Futter baut die Familie auf dem eigenen Land an.

Die Schneiders betreiben weitgehend einen Erhaltungshof. Das heißt, gezüchtet wird nur sehr selten und gezielt. Regelmäßig Nachwuchs haben nur die Ziegen, da die Nachfrage nach den Tieren sehr groß ist. Einmal wurden auch die Sennenhunde gezüchtet. Daran erinnert sich das Ehepaar noch gut, nicht nur deshalb, weil mit Wally einer der Welpen aus dem Wurf noch heute auf dem Hof lebt. Zehn Welpen warf Hündin Siska damals. »Wir mussten zufüttern«, erzählt Anita Schneider. »Alle zwei bis drei Stunden hieß es Flaschen kochen und füttern. Die ganze Familie hat mitgeholfen. Aber alle haben einen guten Platz bekommen.«

Die Weiden der Pferde und Ziegen sind mittlerweile ein Anziehungspunkt. Oft schlagen Spaziergänger den Weg am Ortsrand ein. Besonders kleine Kinder erfreuen sich an den Tieren. Die Schneiders teilen ihre Freude an den Tieren gerne mit anderen Menschen. So waren schon Gruppen aus Behindertenheimen und Schüler zu Gast auf dem Hof.

Dass die Tiere auch gefüttert werden, gefällt dem Ehepaar weniger gut. Sicher meinen es die Leute gut, wenn sie altes Brot oder andere Leckereien mitnehmen. Doch den Tieren bekommt das unter Umständen gar nicht gut. Einmal musste sogar der Tierarzt gerufen werden, da die Ziegen sich an irgendeiner Spende den Magen massiv verdorben hatten. »Die Leute sollen die Sachen lieber bei uns vorbeibringen. Wir können das besser dosieren«, sagt Anita Schneider.

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