23. Juni 2014, 11:08 Uhr

Kinderpornos auf dem Handy

Büdingen (sax). Fünf Videos und 40 Bilder, deren Inhalt unter die Kategorie »kinderpornografische Schriften« fällt, soll ein 27-Jähriger besessen haben. Dafür stand der Mann, der in einem Behindertenwohnheim lebt, in der vergangenen Woche in Büdingen vor Gericht.
23. Juni 2014, 11:08 Uhr

Die Verhandlung wird fortgesetzt, weil sich nicht abschließend klären ließ, wie stark die pädophilen Neigungen des Angeklagten sind.

Laut Anklage wurden am 16. Juli 2013 bei einer Durchsuchung seines Zimmers in dem Wohnheim zwei Mobiltelefone sichergestellt. Darauf befanden sich, wie der Staatsanwalt ausführte, die Dateien, die »nahezu alle vorstellbaren Darstellungen des sexuellen Verkehrs mit minderjährigen Mädchen zeigten«. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass die Kinder jünger als 14 Jahre gewesen seien.

Der Tatvorwurf war unstrittig. Sein Rechtsanwalt räumte im Namen des Angeklagten den strafbaren Besitz der Dateien uneingeschränkt ein. Strittig war jedoch, ob und wie der 27-Jährige, dem ein früheres Gutachten eine leichte Intelligenzminderung und eine Nachreifeverzögerung bescheinigt, zu bestrafen sei. Der 27-jährige Angeklagte beschrieb auf Nachfrage von Richterin Barbara Lachmann in teils schwer verständlichen Worten, aber fehlerfreien Sätzen seine Lebensverhältnisse. Mit elf anderen Bewohnern lebe er auf einer von insgesamt vier Etagen des Wohnheims. Tagsüber arbeite er, abends sehe er fern und rauche eine Feierabendzigarette.

195 Euro habe er monatlich zur Verfügung. Die gebe er für Zigaretten, Getränke, Süßigkeiten und, ab und zu, für eine Guthabenkarte für sein Handy aus. Als Ersatz für die beiden sichergestellten Telefone habe er sich ein anderes Mobiltelefon besorgt. Zum Radfahren habe er sich ein Fahrrad vom Sperrmüll zusammengebaut.

Dass er die Dateien auf seinem Handy gehabt habe, bereue er, sagte der 27-Jährige. »Das habe ich eingesehen, dass das ein Fehler war.« Sein Anwalt beantragte, das Verfahren einzustellen.

Keine fixierte pädophile Neigung

»Ich gehe nicht davon aus, dass sich eine pädophile Neigung verfestigt hat«, sagte er. Außerdem habe der Angeklagte die Dateien relativ frei zugänglich aus dem Internet bekommen. »Da gibt es diese Chatrooms, und da wird das Zeug angeboten, und dann hat er es sich auf sein Handy runtergeladen.« Richterin Lachmann wollte daraufhin wissen, ob er auch auf dem neuen Telefon entsprechende Dateien habe. »Nein, das ist ein uraltes Nokia, das nicht mal eine Kamera hat«, versicherte der Angeklagte.

Dennoch wollten weder der Staatsanwalt noch die Richterin einer Einstellung zustimmen. Lachmann wies auf eine frühere Verurteilung des Angeklagten wegen Kindesmissbrauchs hin. 2007 waren in Limburg deshalb zehn Monate Haft auf Bewährung gegen ihn verhängt worden.

Das damalige Gutachten spricht von einem kindlichen, fast pubertären Charakter. Dies zeige sich in seinem kindlichen Wesen ebenso wie in seiner Begeisterung für Kinderfilme. Es gebe keine fixierte pädophile Neigung bei dem Angeklagten, betont das Gutachten. Vielmehr sei bei entsprechender Entwicklung davon auszugehen, dass eine etwaige Neigung sich zurück entwickele. Für eine positive Entwicklung spreche, dass der Angeklagte inzwischen eine Freundin habe, die in einer anderen Einrichtung wohnt. Dagegen spreche laut Richterin Lachmann, dass der Angeklagte erneut, scheinbar durch die Kommunikation mit Kindern im Chatroom, in den Besitz der Bilder und Videos gelangt sei.

Ein behandelnder Psychiater soll nun ein Gutachten erstellen. Sobald dieses vorliegt, wird der Prozess fortgesetzt.



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