28. Juli 2015, 18:23 Uhr

Frohes Fest in schwerer Zeit

Butzbach (fef/mlu). Es ist wahrlich kein leichtes Jahr für das Butzbacher Tierheim. Vor allem Grundstücksverluste machen dem Trägerverein seit einigen Monaten zu schaffen. Beim Sommerfest war von der Depression nicht viel zu spüren. Da sorgte die aus dem Vernsehen bekannte Tierschützerin Claudia Ludwig für gute Stimmung.
28. Juli 2015, 18:23 Uhr

Rund 20 000 Tiere hat Dr. Claudia Ludwig in mehr als 20 Jahren in der Sendung »Tiere suchen ein Zuhause« vermittelt. Als sie 2013 durch eine jüngere Moderatorin ersetzt wurde, musste sich der WDR Altersdiskriminierung vorhalten lassen. Seitdem verkuppelt Ludwig Tier und Mensch in der Internetsendung »Pfotenhilfe – Die Tiervermittlung« (www.tiervision.de). Auf dem Sommerfest des Butzbacher Tierheims moderierte die Mitfünfzigerin jetzt die Mischlingshundeschau.

Der Tierschutzverein ist Ludwig wohlbekannt. Gegenüber der WZ würdigte sie dessen Arbeit unter Führung von Martina Löhwing. Kennengelernt haben sich die beiden über die HR-Sendung Herrchen gesucht, bei der Ludwig Regie geführt, Löhwing Tiere vorgestellt hatte. Inzwischen war Ludwig zum vierten Mal in der Weidigstadt zu Gast – und ihre Prominenz tat den Anliegen des Tierschutzvereins gut.

Es ist nämlich ein ziemlich hartes Jahr für das Tierheim. Auch wenn davon auf dem Fest nicht allzu viel zu spüren war. Bereits um die Mittagszeit waren die ersten Besucher auf dem Gelände, um sich eines der begehrten Tombolatickets zu sichern, mit denen dank heimischer Sponsoren attraktive Preise zu gewinnen waren. Mit vielfältigen Angeboten holte der Tierschutzverein gleichsam das Vorjahresfest nach, das krankheitsbedingt ausgefallen war: Kinderschminken, Hüpfburg, Hunderennen, Triker-Rundfahrt, eine Vorführung der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes Friedberg, Infostände und ein Flohmarkt und vieles mehr sorgten für einen informativen und unterhaltsamen Nachmittag.

In der Öffentlichkeit wird das Tierheim in der Regel mit Hunden und Katzen in Verbindung gebracht, die sich am ehesten vermitteln lassen. Löwhing nutzte die Gelegenheit, auf die übrige Belegschaft hinzuweisen, beherbergt das Haus doch rund 300 Tiere, darunter Gänse, Ziegen, Hängebauchschweine und Kaninchen. Auch zwei Pferde sind im Tierheim zuhause.

Grundstücksverluste, Mehrkosten

Apropos Pferde: Sehenswert waren die klassischen Lektionen unterm Sattel, dargeboten von Petra und Lipizzaner Santa, an die sich ein kleines Konzert der Rock- und Pop-Band Orange Mind anschloss.

Am Rande der Veranstaltung kamen die Zwistigkeiten zur Sprache, durch die das Tierheim zum Jahreswechsel in die Schlagzeilen geraten war. Denn seit in der Nachbarschaft ein Pflegeheim für psychisch Kranke errichtet wird, steht der Tierschutzverein unter Druck. Ende des Vorjahres überraschte ein Bad Nauheimer Investor mit der Übernahme einer Rasenparzelle, die das Tierheim bis dahin als sein Eigentum betrachtet hatte. Plötzlich sollte es in kürzester Zeit vier Zwinger abreißen, damit ein Entwässerungsgraben gezogen werden kann. Der Konflikt schwelte und endete vorläufig mit der Insolvenz der zuständigen Baufirma. »Die neue Baufirma ist sehr kooperativ«, sagt Löhwing zur neueren Entwicklung. Derzeit werde der Graben gezogen, zwei Zwinger hätten stehenbleiben können. Sie hoffe, dass der Investor die Parzelle an das Tierheim verkaufe, denn 150 Euro Monatspacht findet die Vereinsvorsitzende nach jahrzentelanger Nutzung des Grundstücks ungerecht, zumal der Investor nur 2000 Euro für das Stück Land an die hochbetagte und im Ausland lebende Eigentümerin bezahlt habe. Weitere Flächen verlor das Tierheim durch die Auflösung von Pachtverträgen mit der Stadt. Ein Grundstück wurde an den Investor erwähnten Pflegeheims veräußert, das andere, das alte Bauhofgelände, wurde aus Sicherheitsgründen geräumt. Für neun Ziegen, 14 Schafe, 27 Enten, neun Gänse und zwei Ponys mussten neue Grundstücke von Privateigentümern gekauft werden – in einem Fall dauern die Verhandlungen an. Ob das Tierheim das alte Bauhofgelände nach dem Abriss baufälliger Gebäude wieder Nutzen könne, sei derzeit unklar, auch hier stehe der Verein derzeit in Verhandlungen, so Löhwing.

Zwar sei man froh, Ersatzgrundstücke gefunden zu haben, doch die Versorgung der Tiere sei in Anbetracht weiter Wege umständlich und zeitraubend. Daher soll eine Brücke die Wege verkürzen. Allein, die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, das Genehmigungsverfahren zieht sich hin. Die Kosten für den Brückenbau belaufen sich auf 15 000 Euro.

Damit nicht genug: Durch die neue Aufteilung umliegender Grundstücke, fehlen dem Tierheim neuerdings auch Parkplätze für seine Besucher. Derzeit nutzen sie die Feuerwehreinfahrt. Löwhwing hält das für riskant, weshalb der Verein eine eigene Zufahrt bei der Stadt beantragt habe. Hierzu sei bereits mit Eigenmitteln eine Architektin aktiv geworden, die Pläne liegen Bürgermeister Merle laut Löhwing seit Wochenbeginn vor. Sie hofft, dass sich der Rathauschef in dieser für den Tierschutzverein schweren Zeit für dessen Belange einsetzt. Angesichts der vielen Rückschläge freut sich das Tierheim in diesen Monaten besonders über Sach- und Geldspenden.

Nähre Informationen zur Arbeit des Tierschutzvereins finden sich im Internet auf der Seite www.tierheim-butzbach.de.

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