30. Juli 2009, 20:32 Uhr

»Knüppelhart«: Jede Fahrt ist fünfmal so lang

Butzbach-Hausen-Oes (bd). »Verschnupft« sind derzeit die 350 Einwohner von Hausen und Oes: Seit einer Woche kommen sie per Auto nicht mehr auf direktem Weg nach Butzbach. Die Landesstraße hinunter zur Waldsiedlung wird bis voraussichtlich 25. September gesperrt, weil die Fahrbahn im Zuge des Konjunkturprogramms erneuert und mit Rasenkantensteinen verbreitert wird. Die Folge sind lange Umwege über Espa, Weiperfelden, Bodenrod, Münster, Fauerbach und Hoch-Weisel, um nach Butzbach zu gelangen. Statt vier sind es jetzt über zwanzig Kilometer. Entsprechend groß ist die Verärgerung in der Bevölkerung.
30. Juli 2009, 20:32 Uhr

Butzbach-Hausen-Oes (bd). »Verschnupft« sind derzeit die 350 Einwohner von Hausen und Oes: Seit einer Woche kommen sie per Auto nicht mehr auf direktem Weg nach Butzbach. Die Landesstraße hinunter zur Waldsiedlung wird bis voraussichtlich 25. September gesperrt, weil die Fahrbahn im Zuge des Konjunkturprogramms erneuert und mit Rasenkantensteinen verbreitert wird. Die Folge sind lange Umwege über Espa, Weiperfelden, Bodenrod, Münster, Fauerbach und Hoch-Weisel, um nach Butzbach zu gelangen. Statt vier sind es jetzt über zwanzig Kilometer. Entsprechend groß ist die Verärgerung in der Bevölkerung.

Bei der Ortsbeiratssitzung war das Sitzungszimmer im Dorfgemeinschaftshaus mit über 80 Besuchern proppenvoll, als Ortsvorsteher Jörn Fischer die Sitzung eröffnete und drei Gäste begrüßte: Dipl-Ing. Walter Donges von der Ingenieurgesellschaft für Verkehr und Stadtplanung (IMP Plan) aus Frankfurt, den Butzbacher Ordnungsamtsleiter Wolfgang Scriba und Bauamtsleiter Otfried Herling.

Auf allgemeinen Wunsch wurde der Tagesordnungspunkt »Vollsperrung« vorgezogen. Wolfgang Scriba erläuterte kurz, wie die Stadt zu der überraschenden Baumaßnahme kam. Kurzfristig seien im Rahmen des Konjunkturprogramms Gelder verfügbar gewesen. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Gelnhausen habe den Ausbau angeordnet. Das Projekt sei schon letztes Jahr im Plan gewesen, aus Geldmangel aber verschoben worden.

»Halbseitig sperren nicht möglich«

Es sei nicht möglich, die Straße halbseitig zu sperren - dafür sei die Fahrbahn zu schmal. Es müssten Sicherheitsabstände, Platz für Warnbaken und Baumaterialien, Maschinen und anderes frei gehalten werden. Außerdem müsse man beachten, dass es neben der fünf Meter breiten Fahrbahn auf beiden Seiten 60 Zentimeter in die Tiefe gehe wegen des Platzes für die Rasengittersteine. Achsbrüche und Unfälle seien vorprogrammiert, da könne niemand die Haftung übernehmen.

Dipl-Ing. Donges beschrieb die technischen Details des Straßenausbaus, der zwei Monate dauern könne, aber man hoffe, dass es schneller gehe. Der Verlauf der offiziellen Umgehung über Bodenrod sei von Polizei, Straßenverkehrsbehörde, ASV Gelnhausen und der Stadt Butzbach so festgelegt worden. »Schildbürgerstreich« kommentierte ein Zuhörer. Unannehmlichkeiten seien nicht zu verhindern, fuhr Donges fort. Die hätte es auch bei einem kompletten Ausbau der seit Jahren vernachlässigten Straße gegeben.

»Forstwege nicht verkehrssicher«

Es gebe keine Alternative, auch zu der langen Umgehung nicht, stellte Wolfgang Scriba fest. Die Fahrt durch den Forst sei nicht möglich, weder auf der verlängerten Kleeberger Straße Richtung Forsthaus noch auf dem Kirchweg am Hunnenkirchhof vorbei nach Hoch-Weisel. Beide Wege seien für den Verkehr nicht freigegeben, zu schmal für Begegnungsverkehr und nicht verkehrssicher wegen des Gerölls und der tiefen Schlaglöcher.

Die ganze Sache sei »knüppelhart«, räumte Scriba ein. Die Autofahrer müssten mit dem langen Umweg die nächste Zeit leben. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie sei unabänderlich. Der Brandschutz in Hausen-Oes bleibe gewährleistet.

Was die Hausener machen sollten, die auf Arztbesuche, Pflegedienste und Krankengymnasten angewiesen seien, wollte ein Bürger wissen. Keine Krankenkasse finanziere die Mehraufwendungen durch die lange Ortsumgehung. Wenn ein Arzt nicht mehr zu seinen Patienten kommen könne, sei das »wie im Mittelalter«. Ein anderer Bürger gab sich enttäuscht. Er habe auf einen Kompromiss gehofft, aber die Stadthabe offenbar kein Interesse daran. Mit etwas Geld habe man die Waldwege für die Hausener freigeben können. Früher sei das auch gegangen.

Den Vorschlag aus dem Publikum, in mehreren Schichten und vielleicht auch am Wochenende arbeiten zu lassen, werde er an das ASV weiterleiten, kündigte Scriba an. Wie es mit dem Schwerverkehr zum Hausener Neubaugebiet und dem Bus aussehe, wollte ein anderer wissen. Der Bus komme aus Richtung Espa und fahre im Ort eine Wendeschleife. Deswegen werde man ein generelles Halteverbot einrichten und auch kontrollieren, kündigte Scriba an. Der Wirt des »Herrenbrunnen« befürchtete massive Einnahmeausfälle in den nächsten Wochen.

Die sehr kurzfristige Information des Ortsbeirats ärgerte Jörn Fischer: »Das ist ein Hammer!«. Eher durch Zufall habe er von der ganzen Sache erfahren, von der die Busfahrer und auch die Kinder der Schrenzerschule längst unterrichtet gewesen sein. Die Kommunikation sei einfach schlecht zwischen ASV, Stadt und Ortsbeirat.

»56 000 Euro mehr für Sprit«

Ein Mann hatte ausgerechnet, dass die 40 Kilometer mehr in beiden Richtungen für die Hausener 720 000 Kilometer mehr ausmachten und ein Plus von 56 000 Euro für Treibstoff (»ohne Arbeit, ohne Zeit«). Er bat darum, sich doch noch Gedanken um Kompromisse zu machen.

Ortsbeiratsmitglied Karl-Heinz Offenbacher bat darum, dass die Ordnungsbehörde und die Polizei in den nächsten Wochen im Bereich Hausen-Oes nicht kontrollieren sollten. Es werde Leute geben, die über den Kirchweg oder die Schneise in Richtung Schwimmbad fahren. Sie solle man nicht mit Knöllchen belegen. So viel Fingerspitzengefühl müsse sein.

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