28. Juli 2010, 16:16 Uhr

Baustelle auf Landesstraße bringt Radfahrer zu Fall

Butzbach (dab). Am 15. August, dem Tag der Meisterschaften des Triathlonvereins Wetterau, wollte Roland Wagner gut abschneiden. Deshalb trainierte der Friedberger am Samstagnachmittag auf der Radstrecke, die für den Wettkampf vorgesehen ist. Sie führt zum Teil über die L 3353 von Bodenrod nach Münster.
28. Juli 2010, 16:16 Uhr
Auf einer Länge von eineinhalb Kilometers ist die Straße etwa 20-mal ausgefräst worden. An einer Stelle hat es den Radfahrer Roland Wagner aus Friedberg erwischt. Er brach sich den kleinen Finger und zog sich Hautabschürfungen zu.

Gegen 14 Uhr haute es Wagner in einer Baustelle aus dem Sattel und zwar so heftig, dass er nicht nur die Vereinsmeisterschaften, sondern auch die restliche Triathlon-Saison vergessen kann.

»Ich zog mir eine schwere Fraktur des kleinen Fingers der linken Hand und Hautabschürfungen an beiden Armen, Beinen und im Gesicht zu«, erzählt Wagner. »So etwas kann immer beim Radfahren passieren, doch hier hätte mein Sturz vermieden werden können.« Denn der Friedberger stürzte in einer Baustelle, die nach seiner Auffassung nicht ausreichend beschildert und gesichert war.

An etwa 20 Stellen auf einer Strecke von eineinhalb Kilometern wurde die Fahrbahn in der vergangenen Woche ausgefräst, um Straßenschäden zu reparieren, bestätigt der Leiter der Friedberger Straßenmeisterei, Thomas Espenhain. Hier endet aber schon die Übereinstimmung mit Roland Wagner. »Die Strecke ist aus allen Richtungen als Baustelle mit Bodenwellen beschildert«, betont Espenhain. »Eine separate Beschilderung für Radfahrer gibt es nicht. « Seine Kollegen hätten die Standardbeschilderung »sehr ordentlich gemacht gemacht - wir wollen doch niemanden gefährden«. Dazu gehört auch das Dokumentieren und Fotografieren der Schilder, um gegen etwaige Ersatzansprüche gewappnet zu sein.

Um Geld gehe es ihm gar nicht, beteuert Wagner. Auch wenn der Sturz ihn teuer zu stehen kommt: »Hand in Gips für sechs Wochen, Urlaub gefährdet und Brille für 500 Euro defekt.« Ihm sei wichtig, »in Zukunft über eine sichere Absicherung solcher Baumaßnahmen einen Nachdenkprozess anzustoßen«. Denn gerade übers Wochenende »kann man eine Baustelle nicht so brachliegen lassen, ich finde das skandalös«.

Er habe nur ein einziges Bodenwellen-Schild mit der Geschwindigkeitsbeschränkung »40« gesehen. »Strecken, die so beschildert sind, sind normalerweise befahrbar für Radfahrer«, sagt Wagner. »Ich bin kein Anfänger, ich fahre 3000 bis 4000 Kilometer auf dem Rad pro Jahr.« Hier aber sei die Beschilderung angesichts der 20 Ausfräsungen, die rund drei Zentimeter tief sind, grob fahrlässig. »Der Verkehr hätte durch eine Ampelanlage einspurig an den Baumaßnahmen vorbeigeführt werden müssen«, sagt Wagner.

»Dann hätten wir die Fräse drei- bis fünfmal dorthin bestellen müssen«, nennt Straßenmeisterei-Leiter Espenhain einen Grund, wieso eine Ampelschaltung nicht praktikabel gewesen sei. Überhaupt seien die durchgeführten Unterhaltungsarbeiten inklusive Beschilderung »eine Standardprozedur, wir machen das seit Jahren so«. Eine solche Baustelle sei für Radfahrer sicher nicht einfach zu fahren, das sei ihm klar. »Aber man darf dort eben auch nicht in Triathlon-Geschwindigkeit durchfahren.« So ein Fall sei ihm in 30 Jahren noch nie untergekommen.

»Ich möchte nur, dass man sich der Sache vernünftig annimmt«, betont Wagner. Bei seinem gestrigen Telefonat mit Espenhain habe er nicht den Eindruck gewonnen, dass dies der Fall sei. Espenhain habe ihm zu verstehen gegeben, dass es sein eigenes Problem sei, wenn er die Beschilderung nicht wahrgenommen habe. »Das ist nicht in Ordnung«, ärgert sich Wagner. Daher denke er nun doch darüber nach, gegen die Verantwortlichen vorzugehen.

Heute sollen die Arbeiten an der L 3353 übrigens beendet sein, und wenigstens Wagners Vereinskollegen können dann weiter für die Meisterschaften trainieren. (Fotos: pv)



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