19. Oktober 2012, 19:53 Uhr

In Drogenwahn und Selbstmordabsicht Feuer gelegt

Butzbach/Gießen (sha). In einem »deutlich verrückten Zustand« habe der Beschuldigte ihn aufgefordert, ihn zu erschießen, berichtete ein Polizist am Freitag vor dem Gießener Landgericht. Nachdem der 43-Jährige mehrfach versucht hatte, ihm die Dienstwaffe zu entreißen, habe er den Mann überwältigt und ihm Handschellen angelegt.
19. Oktober 2012, 19:53 Uhr
(Foto: dpa)

Zuvor hatte der Beschuldigte am 23. März in seinem Haus am Stadtrand in Richtung Hausen Feuer gelegt, um sich das Leben zu nehmen. Die Kammer urteilte, dass der schuldunfähige Mann seine Therapie fortsetzen muss, sah aber von einer Unterbringung ab.

Auf Antrag von Verteidiger Friedrich Wilhelm Reinhardt wurden die Aussagen des an einer Psychose leidenden Butzbachers sowie das Gutachten des medizinischen Sachverständigen ohne Öffentlichkeit verhandelt.

Der als Zeuge geladene Polizist ergänzte, dass er beim Anlegen der Handschellen entdeckt habe, dass der Angeklagte sich an einem Handgelenk die Pulsader aufgeschnitten hatte. Immer wieder habe der Mann geäußert, dass er »sowieso umgebracht« würde und »alles keinen Sinn mehr« habe. Im Badezimmer habe er Marihuana-Knollen und eine Pfeife gefunden, teilte der Beamte mit, im Keller »pilzartige Gewächse« und weiteres Marihuana. Eine Verwandte des Butzbachers, die in seiner Nachbarschaft wohnte, hatte damals die Feuerwehr verständigt. Sie beschrieb, den 43-Jährigen am Tattag »verwirrt« erlebt zu haben. Bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte sei er immer wieder ins Haus und wieder heraus gelaufen.

Der Brand im Wohnzimmer des Hauses sei schnell gelöscht gewesen, informierte ein Feuerwehrmann die Kammer. Die Flammen hätten zwar von Kartonage und Papier bereits auf einige Möbel übergegriffen, andere Räume seien jedoch nicht betroffen gewesen. Allerdings habe der Qualm das Gebäude verrußt. Ein technischer Defekt sei als Brandursache »völlig auszuschließen«, gab ein Kriminalbeamter an. Vielmehr habe das Feuer von einem mit Nitroverdünnung getränkten Teppich aus um sich gegriffen.

Ein Cousin des Beschuldigten sagte, dass der Mann sich seit dem Tod seiner Eltern im Jahr 2008 zurückgezogen habe und ängstlicher geworden sei. Verteidiger Reinhardt ergänzte, dass der Butzbacher ein angespanntes Verhältnis zu seinem »sehr leistungsorientierten« Vater gehabt und den Drogenkonsum als »Schutzschild« aufgebaut habe.

Staatsanwalt Dr. Philipp Stein sprach in seinem Plädoyer von einem »bedrückenden Bild«, da der Beschuldigte unter dem hohen Erwartungsdruck seines Vaters zusammengebrochen sei. Der Butzbacher müsse sich wegen versuchter schwerer Brandstiftung verantworten, da bei dem Brand eines großen Hauses nie die Gefährdung anderer Menschen ausgeschlossen werden könne. Zum Zeitpunkt der Tat habe der 43-Jährige sich in einem akuten psychotischen Zustand befunden und zudem massiv unter Drogen gestanden, weshalb er schuldunfähig sei.

Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus könne bei dem Butzbacher jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden, befand der Staatsanwalt. Der Beschuldigte habe sich aus eigenem Antrieb in eine stationäre Therapie begeben und habe erkannt, dass er krank sei. Stein forderte deshalb, den Mann einer Führungsaufsicht zu unterstellen. Verteidiger Reinhardt schloss sich diesem Plädoyer an.

Richterin Regine Enders-Kunze betonte ebenfalls die Krankheitseinsicht des Beschuldigten und ordnete an, dass der Mann die Therapie unter einer vierjährigen Führungsaufsicht fortsetzen muss. Außerdem erteilte sie die Weisung, dass der Butzbacher sich anschließend einer Langzeittherapie unterziehen muss, um die notwendige »Stabilität« zu erlangen.



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