01. März 2013, 19:33 Uhr

Flucht in die schmutzige Welt des Internet

Butzbach/Friedberg (tan). »Es soll niemals wieder vorkommen« – Reue zeigte der 23-jährige Angeklagte am Donnerstag nach der Beweisaufnahme des Friedberger Amtsgerichts. Weil er im Besitz kinderpornografischer Bilder und Videos war, wurde der Mann dennoch verurteilt: 90 Tagessätze zu 35 Euro lautet der Spruch des Richters.
01. März 2013, 19:33 Uhr
(Foto: dpa)

Insgesamt hatte der damals noch Heranwachsende 258 Bilddateien mit Kinderpornos und acht Videos gleichen Inhalts auf seinem PC. Kinder zwischen 2 und 14 Jahren waren abgebildet, an denen teilweise auch sexuelle Handlungen vorgenommen wurden.

Fast eineinhalb Jahre lang hatte der Angeklagte die Dateien besessen. Damals habe er sich darüber keine Gedanken gemacht, berichtete der Mann. Er sei in einer Lebenskrise gewesen: Probleme am Arbeitsplatz, finanzielle Nöte und der Tod seines damaligen Chefs hätten ihm zu schaffen gemacht. Im Internet habe er Ablenkung gesucht, dabei sei er über die »normalen« Pornoseiten mit jemandem in Verbindung gekommen, der ihm die Dateien habe zukommen lassen.

Bei den Ermittlungen über diesen »Jemand« aus Freiburg, der Teil eines bundesweit agierenden Netzwerks für Kinderpornos war, war die Polizei auf den Angeklagten aufmerksam geworden. Erst bei der Polizeivernehmung sei dem Angeklagten klar geworden, was er da auf seinem PC habe und »dass die Personen auf den Bildern das gar nicht so wollen«.

Inzwischen verstehe er, dass durch das Anschauen solcher Bilder die Produzenten unterstützt würden, erklärte der 23-jährige, der versicherte, eine Therapie machen zu wollen.

Die vielen für den Angeklagten sprechenden Aspekte hob auch Staatsanwalt Matthias Rauch in seinem Plädoyer hervor. Er beantragte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 35 Euro, da der Angeklagte zu seinem umfangreichen Geständnis auch Einsicht zeige und auch seine Mutter und seine Freundin in die Problematik einbezogen habe.

Verteidiger Klaus-Bernd Schaal schloss sich teilweise den Argumenten der Staatsanwaltschaft an, hob zudem hervor, dass sich der Angeklagte intensiv um einen geeigneten Therapieplatz bemühe. Der Rechtsanwalt regte eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen an, auch da der Angeklagte von sich aus mit dem Thema abschließen wolle.

Noch über dem Antrag des Staatsanwalts lag jedoch der Urteilsspruch von Richter Dr. Stüber. Er stellte klar, dass er die positiven Aspekte für den Angeklagten durchaus würdige, dass es sich aber um einen Tatumfang handele, der sich »am Rande des Gefängnisses« bewege. Die 90 Tagessätze seien daher angemessen. Der 23-Jährige habe die vielen Bilddateien über einen langen Zeitraum besessen, erschwerend wiege der Besitz der Videodateien. Außerdem bekomme man ein solches »Paket« nicht im Gesamten zugeschickt: Zwischen Dezember 2010 und April 2012 seien die Dateien auf dem PC gespeichert worden.

Lediglich das Geständnis des Angeklagten, seine Reue und die Tatsache, dass er nicht einschlägig vorbestraft sei, könnten noch die Geldstrafe rechtfertigen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.



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