12. Dezember 2014, 10:43 Uhr

Drei Altmeister und eine Vision

Butzbach-Pohl-Göns (sel). Da haben sich drei Herren etwas Großes vorgenommen in der Gießener Straße 8: Auch wenn der Ist-Zustand noch so entmutigend scheinen mag – am Gelingen hat das Trio keinerlei Zweifel. Wäre dem nicht so, hätten sie mit Sicherheit die Finger von diesem Haus gelassen.
12. Dezember 2014, 10:43 Uhr
Beim Blick auf die Gebäude kann man erahnen, welche Aufgabe sich (von links) Klaus Repp, Johannes Jaksch und Gustav Jung gestellt haben (2. v. l. Grundstücksbesitzer Helmut Weinert).

Denn sie kennen sich aus am Bau: Johannes Jaksch aus Pohl-Göns ist ehemaliger Bauunternehmer, Diplom-Ingenieur, Architekt und noch immer Sachverständiger für Gebäude und Grundstücke, Diplom-Ingenieur und Architekt Gustav Jung aus Bad Nauheim ist Chef einer Planungsgesellschaft für Altbausanierung, Denkmalpflege und Bauen im Bestand sowie Leiter des Wetterauer Denkmalbeirats, und Klaus Repp, in Langgöns wohnender Metallbaumeister aus Echzell, ist Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden und ebenfalls Mitglied des Denkmalbeirats.

Klare Ziele haben sie vor Augen, obwohl – oder gerade weil – die Tage ihrer Jugend schon etwas zurückliegen. Klaus Repp ist mit seinen 65 Lenzen noch der jüngste im Bunde. Jeder für sich steht seit vielen Jahrzehnten seinen Mann in seiner Profession. Und nun auch in dem Dreierbündnis, das sie eingegangen sind für ihr gemeinsames Ziel.

Haushohe Bäume im Hof

In Pohl-Göns wollen sie ein Zeichen setzen, ein Exempel statuieren. Ein überaus positives, ein Vorzeigeobjekt. Freilich stehen sie noch ganz am Anfang. Und der erscheint schwer genug. Zumindest, wenn man sich das Objekt des Projekts ansieht. Aber der Mut von Jung, Jaksch und Repp wirkt geradezu ansteckend.

Die Hofreite steht im alten Ortskern von Pohl-Göns an der Ortsdurchfahrt und unweit der Kirche. Das Grundstück ist schmal, die Straßenfront besteht lediglich aus Hausgiebel und Hoftor. Nach hinten schließen sich dem Wohnhaus zwei Anbauten an, die wiederum an die Scheune mit den Stallungen stoßen, die das gartenlose Grundstück nach hinten abschließt. Links, rechts und hinten grenzen die ähnlich geschnittenen Grundstücke der Nachbarn an.

Was die Hofreite der drei Senioren von den Nachbararealen unterscheidet, ist der Zustand. Der ist als Folge des jahrelangen Leerstandes schlichtweg miserabel. Den Hof hatte sich die Natur zurückerobert, dort standen ausgewachsene Bäume, deren Kronen die Dächer überragten. Sie sind gerodet worden, der Hof ist wieder zugänglich.

Grundstückseigentümer Helmut Weinert wohnt schon seit Anfang des Jahrhunderts in Griedel. Es war Johannes Jaksch, der ihm das Vorhaben der drei agilen »Altmeister« erläuterte und auf offene Ohren stieß. Weinert ist bereit, die Hofreite zu verkaufen, um die Vision des Trios möglich zu machen. Die hat ihren Ursprung in der Tatsache, dass in vielen alten Ortskernen alte Häuser unbewohnt und dem Verfall preisgegeben sind. Und je mehr sie verfallen, je weniger trauen sich Menschen, an diesem Zustand etwas zu ändern.

Hier wollen Jung, Jaksch und Repp zeigen, dass es auch anders geht. Ihr Ziel: »Mit Fantasie und Kompetenz eine Brücke zwischen einem alten Gebäude und einer künftigen Nutzung schaffen.«

Sie haben sich in den Kopf gesetzt, dass es möglich sein müsse, alte Ortskerne für junge Familien oder gewerbliche Nutzungen wieder attraktiv zu machen. »Wegbereiter, Vorbereiter und Türöffner« für potenzielle Nutzer wollen sie sein. , ihre fachlichen, planerischen, handwerklichen Kompetenzen und auch ihre in Jahrzehnten gewachsenen Beziehungen zu Entscheidungsträgern nutzen, Hilfestellung leisten, um Fehler zu vermeiden, die angesichts einer derart komplexen Materie in rechtlicher, baulicher und handwerklicher Sicht leicht passieren können. Sie wollen Ansprechpartner sein, Käufern und Verkäufern beim Aufbau von Vertrauen helfen. Sie wollen junge Leute unterstützen, die ihre »Muskelhypothek« einsetzen, um in Eigenleistung Eigentum zu schaffen. Sie wollen auch bei der Finanzierung behilflich sein, öffentliche Bürgschaften und Fördermittel aus Töpfen akquirieren, die beim Land, beim Bund und in Europa stehen.

Und sie wollen als Personen, die im Leben und im Land eine gewissen Geltung erreicht haben und auf deren Wort auch gehört wird, zugleich Werbung machen für diese Möglichkeit der Ortskernsanierung. Mit dem Musterbeispiel Gießener Straße 8 möchten sie potenzielle Nachahmer finden.

Erste Arbeit: Pläne erstellen

Dabei ist den drei Pragmatikern klar, dass jeder Einzelfall individuell und flexibel entwickelt werden muss. Im »Premieren-Fall« Pohl-Göns war zunächst eine Bestandsaufnahme nötig, da es von der Hofreite und ihrer Bebauung – die ältesten Teile des Wohngebäudes stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts – keinerlei Pläne gibt, weder private noch amtliche. Aus diesem Bestandsplan als Basis kann nun eine eventuelle künftige Nutzung entwickelt werden.

An diesem Punkt ihres »Referenzprojektes« stehen Gustav Jung, Johanes Jaksch und Klaus Repp derzeit. Die Hofreite wird für 45 000 Euro zum Kauf angeboten. Interessenten, die sich der Unterstützung der drei Experten sicher sein können, wenden sich an Johannes Jaksch in Pohl-Göns, Telefon 0 60 33/9 66 50, E-Mail jaksch-butzbach
@t-online.de. Und dann kann es losgehen mit der Umsetzung der Vision in die Realität.



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