19. September 2016, 18:43 Uhr

Friedberger Überraschungsmauern auf dem Burg-Gelände

Friedberg (mi). Bevor die öffentliche Hand neu baut, sind Archäologen gefragt. Gerade dann, wenn auf einem historisch interessanten Areal wie der Friedberger Burg die Bagger rollen werden. Forscher haben im Boden und in der Vergangenheit gegraben. Sie entdeckten dabei etwas, mit dem sie keinesfalls gerechnet hatten.
19. September 2016, 18:43 Uhr
(Foto: Red)

Sie selbst sei völlig überrascht von der Menge der Fundamente, die man gefunden habe. Diese Mauern habe sie zuvor nicht auf dem Schirm gehabt, staunt Dr. Elisabeth Ida Faulstich-Schilling, die vom Freien Institut für Angewandte Kulturwissenschaften in Berlin kommt und derzeit in der Friedberger Burg mit ihrem Team für die archäologischen Ausgrabungen verantwortlich ist. Weil direkt unter dem Burgturm schon bald Reihenhäuser mit Studentenwohnungen entstehen sollen (die WZ berichtete), gehören diese Untersuchungen im Auftrag der Archäologischen Denkmalpflege des Wetteraukreises und des Kreisarchäologen Dr. Jörg Lindenthal zur Auflage. Noch bis morgen sollen die Arbeiten andauern.

Man habe zuvor ja kaum Hinweise auf die alte Phase der Burg gehabt, erklärt Faulstich-Schilling, die in diesem frühen Abschnitt der Untersuchungen noch nicht ins Blaue fantasieren möchte, wie sie sagt. Sicher sei aber, dass diese kräftigen Mauern von einem stattlichen Gebäude aus dem 13. Jahrhundert stammen. Freigelegt worden ist bis dato eine alte Umfassungsmauer aus einem Sandstein-Fundament. »Ende des 18. Jahrhunderts ist hier ein Beet angelegt worden, danach ist es zugewuchert. Später standen große Bäume hier. Wir hatten nicht mehr das Gefühl, dass wir hier auf ein Gebäude stoßen«, erläutert die Archäologin.

Zuvor war bekannt, dass es neben diesem Gebäude aus dem 13. Jahrhundert ein altes Wirtshaus aus dem 16. Jahrhundert gegeben hat. Nun sei spannend, welche Bauphasen es hier noch gegeben habe. »Wenn wir hier weiter arbeiten könnten, wäre das aus archäologischer Sicht natürlich super«, meint Faulstich-Schilling. »Denn bis zur Römerphase wären es noch zwei Meter runter. Bodendenkmäler stehen aber immer ein bisschen in Erklärungsnot gegenüber Bauten, obwohl sie deutlich älter sind. Man darf immer nur für kurze Zeit mit ihnen arbeiten.«

Als »interessante Keramik« bezeichnet sie auch die Funde, die ausgegraben worden sind. So sei man auf Keramik, Glas, Metall, auf Messer, Griffe oder Pfeifenstiele gestoßen. »Diese Funde bleiben Eigentum des Kreises und gehen wohl ins Museum, wenn wir unsere Berichte angefertigt haben.« Bis dahin wird die Ausgrabungsstätte digital eingemessen und als 3-D-Laser-Modell vorgestellt.

Eine allzu frühe Vision über das, was gerade gefunden worden ist, will auch Archäologe Nicolas Reigber aus dem vierköpfigen Team nicht formulieren. Die Vermutung bei allen ist aber groß, dass hier auf den Ritterwiesen im 13. Jahrhundert mal ein äußerst wichtiger Mann der Friedberger Burg mit seiner Familie in einem prächtigen Haus gelebt hat. (Fotos: mi)

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