29. Dezember 2016, 09:23 Uhr

Stage Band: Es geht auch ohne Probe

Friedberg (jw). Die Stage Band trägt ihren Namen nicht zu Unrecht. Auf die »Bühne« zieht es die vier Musiker, Proben ist nicht so ihr Ding.
29. Dezember 2016, 09:23 Uhr
Die Stage Band feiert 2017 ein krummes Jübiläum: (v. l.) Peter Sauer, Robby Hildmann, Angus Foxley und Bandleader Horst Weber. (Foto: EINo Photography/Rosbach)

Statt Live-Musik gibt’s beim Treffen Hausmacherwurst, auch gut. Horst Weber legt eine CD ein, Aufnahmen von einem Gig in Friedberg. Bass und Drums machen mächtig Dampf, das Piano hämmert Akkorde, die Gitarre schreit auf, dann geht’s los: »Everyday I have the blues.« Unter diesem Motto wird 2017 groß gefeiert.

Die Stage Band ist längst eine Institution in der Wetterauer Musikszene, und ihr Frontmann ohnehin. Ohne Horst Weber, den Mann mit dem Bart, würde so manches Konzert in Friedberg, Frankfurt oder auf Kreta ziemlich dumpf klingen. Er und Pianist Robby Hildmann sorgen am Mischpult für satten Sound. Aber schöner als vor der Bühne ist es auf der Bühne. Das bekam Weber schon mit, als er vor vielen Jahren mit »Mr. Supercharge« Albie Donelli auf Tour war. Oder als er für Jule Neigel, Albert Mangelsdorf, Alvin Lee, Katja Epstein oder den Kabarettisten Dieter Nuhr den Ton mischte. »Es ist einfach ein geiles Gefühl, auf der Bühne zu stehen«, sagt der Gitarrist und Sänger aus Friedberg.

Am 29. Juli 2017 feiert die Stage Band auf der Dachterrasse des Bad Nauheimer Teichhauses ihr 33-jähriges Bestehen. Warum das krumme Datum für die Jubiläumsparty? »Warum nicht?«, fragt Weber zurück und grinst. »Wir wollten das 30-Jährige feiern, das hat terminmäßig nicht hingehauen. Im Sommer haben wir im Teichhaus gespielt und dachten: Was für eine super Location. Die Stimmung war sensationell. Also haben wir beschlossen: Hier wird 2017 gefeiert, und dann eben das 33-Jährige.«

Den »Jubiläums«-Abend wird die aktuelle Besetzung der Stage Band eröffnen. Im Laufe der Jahre gab es so manchen Wechsel. Deshalb sind neben einem Varieté-Künstler auch Ex-Bandmitglieder und weitere Gastmusiker dabei. Weber zeigt Fotos aus früheren Zeiten, mit dem heute nicht mehr ganz so wuschelköpfigen Bassisten Chris Cantow oder mit Thomas Eifert (Drums) und Peter Steiber (Bass), mit denen Weber 1984 die Band gründete. In Dorheim wurde geprobt.

Für die Studioaufnahmen des ersten Albums »State Of Time« (1990) holte sich die Stage Band einen funkig-groovenden Bläsersatz dazu: Horst Manderbach, Otto Schunke, Hugo Burgert und Micha Schläper, damals die Crème de la Crème des guten, jazzigen Tons. Das knallt und triumphiert, angetrieben vom präzisen Beat, hippen Gitarrenlicks und Webers einschmeichelnder Stimme. Seine Gitarrensoli sind von Legenden wie Willie Dixon und Steve Ray Vaughn beeinflusst, haben aber einen ganz eigenen, coolen Drive. Spielt »State Of Time« mit Elementen von Funk, Rhythm’n’Blues und Jazz, so sind auf den Alben »Blue Waves« und »Live« auch klassischer Rock’n’Roll, Chicago-Blues und Swing zu hören.

»Unsere Musik ist handgemacht, ohne Effekte«, sagt Pianist Robby Hildmann. Der blinde Tastenmann, der in Rosbach wohnt, ist die Wetterauer Antwort auf Ray Charles. Die Stage Band lässt ihm Raum für seine funkige Seite, während Hildmann bei seiner zweiten Band, den Rusty Shoulders, eher das boogie-lastige »Prügelpiano« bearbeitet. »Da gibt’s was auf die Pfoten. « Hildmann sitzt auch hauptberuflich an den Tasten. Er ist selbstständiger Klavierstimmer. 2004 gewann er mit der Good Times Blues Band beim Bundesrock- und Popfestival in Hamburg den 1. Preis in der Kategorie Rhythm & Blues.

Einmal haben sie doch geprobt

Für jazzige Beats und einen Swing »aus dem Handgelenk« ist Peter Sauer zuständig. Der Multiinstrumentalist aus Dreieich-Sprendlingen hat Soul-, Funk-, Bigband- und Tanzmusik gespielt. Er ist der ruhende Pol des Quartetts, dessen Spiel freilich regelrecht explodieren kann. Fehlt noch der gnadenlose Groove von Bassist Angus Foxley, aber der kann heute Abend nicht. Dann kriegt er auch keine Hausmacherwurst.

Wenn Musiker zusammensitzen, dann können sie was erzählen. Über aufdringliche weibliche Fans schweigt der Kavalier, nur soviel: Horst Weber ist schon mal nach dem Auftritt über die Feuerleiter ausgebüxt. Aber es gibt ja die anderen Geschichten, als der Bassist sturzbesoffen war, der Gitarrist auf dem Piano tanzte und die Tasten streikten oder als einmal kein einziger Gast zum Auftritt kam, in einem Keller in Beerfelden, wo das Heizgebläse nach Diesel stank.

Die Stage Band hat damals trotzdem gespielt, vor null Zuhörern. So kamen sie wenigstens mal zum Proben. »Wenn man einen Song einmal live gespielt hat, dann muss er stehen«, sagt Weber. Oder man spielt ihn lieber erst gar nicht. Viel spannender als Proben sei es doch, andere Musiker spontan auf die Bühne einzuladen und auszuprobieren, wie das klingt, ob es harmoniert und ob es Groove hat.

Auf der Internetseite www.stageband.org ist ein fünfminütiges Video der Stage Band von 2007 aus dem Offenbacher Capitol zu finden, samt Backgroundsängern und fetzigem Bläsersatz. Es zeigt, warum die Band zu Recht mit dem Slogan »The finest in Rhythm and Blues« wirbt. Der Sound bestechend klar, der Beat trocken, der Gesang cool, der Bläsersatz funkig, die Gitarrensoli mal schmutzig, mal funkelnd – es ist der Song »Cryin’«, der schon das Debütalbum von 1990 eröffnete, geschrieben von Horst Weber. Medieninformatiker der Fachhochschule Gießen/Friedberg haben den Clip gedreht. »Wir mussten zwei Tage lang die gleiche Nummer spielen«, erinnert sich Weber.

»In den Neunzigerjahren hatten wir im Schnitt 60 Gigs, und das als Amateurband«, erzählt der Bandgründer. In ganz Europa waren sie unterwegs, haben in Norwegen, in der Schweiz oder auf Kreta gespielt. Heute sind Auftrittsmöglichkeiten rar. Viele Clubs sind geschlossen. »Früher wurden die Bands auch besser bezahlt«, sagt Hildmann. »Jetzt heißt es oft: Ihr könnt’ ›auf den Hut spielen».« Oder es läuft Musik aus der Konserve. Auch deshalb will die Stage Band die Live-Musik fördern und »einen Beitrag zur Erhaltung dieses Kulturgutes« leisten: Bei der Jubiläumsfeier werden Spenden gesammelt. Das Geld geht ans Theater Altes Hallenbad zur Förderung der Kleinkunstbühne, damit junge Leute dort Rockmusik spielen können und ihre eigene »Stage Band« gründen.

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