29. Dezember 2016, 09:23 Uhr

Kein Windpark am Winterstein

Dass sich in absehbarer Zeit Windräder auf dem Winterstein drehen werden, ist mehr als unwahrscheinlich.
29. Dezember 2016, 09:23 Uhr
Über den Baumwipfeln rund um den Steinkopf-Turm am Winterstein werden sich vorerst keine Windräder drehen. (Archivfoto) (Foto: Red)

Wie das Regierungspräsidium Darmstadt auf Anfrage der WZ mitgeteilt hat, wird der Antrag der Koblenzer Firma Futura-Windenergie, die sechs Anlagen auf Flächen des Bundesforstes auf Friedberger und Rosbacher Gemarkung errichten wollte, aller Voraussicht nach abgelehnt – sofern das Unternehmen ihn nicht gleich selbst zurückzieht.

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) habe dem Antragsteller erklärt, dass die sechs beantragten Anlagen gemäß Paragraf 18a des Luftverkehrsgesetzes nicht errichtet werden dürften, teilt RP-Sprecher Christoph Süß mit. Dieser Paragraf verbietet die Errichtung von Bauwerken, wenn dadurch Flugsicherungseinrichtungen gestört werden können. Das Funkfeuer bei Erbstadt ist eine solche Einrichtung – und der Winterstein liegt innerhalb des Schutzbereiches, ein 15-Kilometer-Radius, den die Behörde als notwendig erachtet. Das BAF stützt sich dabei auf eine Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung. Andernorts sind Investoren gerichtlich gegen ein derartiges Verbot vorgegangen. Pauschal könne der 15-Kilometer-Radius nicht als Argument gegen Windräder angeführt werden, sagen Windkraftbefürworter. Jeder Standort müsse einzeln untersucht werden. Dem Koblenzer Windradbauer bliebe daher nur die Möglichkeit, gegen die wahrscheinliche RP-Ablehnung zu klagen. Für eine Stellungnahme war das Unternehmen zwischen den Jahren nicht erreichbar.

Was machen die Kommunen?

Das weitere Vorgehen – Behördensprecher Süß nennt die Alternativen »Antragsrücknahme oder Ablehnung durch RP« – wolle man im neuen Jahr mit dem Antragsteller besprechen. Weitere Anträge für Windräder am Winterstein lägen dem RP aktuell nicht vor. Friedbergs Bürgermeister Michael Keller (SPD) reagierte erleichtert. Die Behörde habe die Bedenken der Anliegerkommunen bestätigt und damit auch die Friedberger Grünen in die Schranken gewiesen. Diese würden »mit aller Gewalt auf Windräder drängen« und verkennen, dass es bürgerfreundlicher sei, wenn nicht »gebietsfremde Investoren« über Windradstandorte bestimmen, sondern die Kommunen selbst, wie Keller sagt.

Ob die Pläne für einen kommunalen Windpark damit ebenfalls gestorben sind, wollte Keller nicht bewerten. Gleichwohl betonte er: »Ein Windpark am Winterstein ist im Augenblick weiter weg denn je« – auch, weil fast alle Vorrangflächen, auf denen in Zukunft Windräder erlaubt sein sollen, innerhalb des 15-Kilometer-Radius’ liegen.

Die vier Kommunen Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim stimmen sich derzeit über einen Bebauungsplan für den Winterstein ab. Sie reagierten damit auf den Vorstoß des Bundesforsts. Keller hofft, dass mit der Ablehnung nun eine Initialzündung für die Pläne zur weiteren Nutzung des Wintersteins als Naherholungsgebiet einhergeht.

Schlagworte in diesem Artikel

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Mehr zum Thema

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.