18. März 2009, 16:54 Uhr

Der Kinosaal wird zum Klassenzimmer

Friedberg (lk). Vielleicht fragen sich momentan einige Anwohner des Friedberger Kinos, warum bereits am frühen Vormittag ganze Fluten von Kindern und Jugendlichen in das Kinocenter strömen. Die einfache Antwort: Der Kinosaal wird seit Montag und noch bis zum morgigen Freitag für einige Stunden zum Klassenzimmer, denn unter dem Motto »Film sehen - Film verstehen« finden in den hessischen Lichtspielhäusern die dritten Schul-Kino Wochen statt.
18. März 2009, 16:54 Uhr
Felix Fischl (links) und Stefan Stiletto vor dem Plakat der Schul-Kino-Wochen. (Fotos: Kaufmann)

Friedberg (lk). Vielleicht fragen sich momentan einige Anwohner des Friedberger Kinos, warum bereits am frühen Vormittag ganze Fluten von Kindern und Jugendlichen in das Kinocenter strömen. Die einfache Antwort: Der Kinosaal wird seit Montag und noch bis zum morgigen Freitag für einige Stunden zum Klassenzimmer, denn unter dem Motto »Film sehen - Film verstehen« finden in den hessischen Lichtspielhäusern die dritten Schul-Kino Wochen statt. Für einen ermäßigten Eintrittspreis (3 Euro) können sich Schulklassen einen Film ansehen. Viele der Wetterauer Kinos machen mit - darunter auch das der Kreisstadt, wo am Montag im Anschluss zu den gezeigten Filmen »Königreich Arktis« und dem oscarprämierten Drama »Das Leben der Anderen« noch Kinoseminare abgehalten wurden.

»Ziel der Schul-Kino-Wochen ist die Stärkung der Film- und Medienkompetenz der Schüler«, sagte Felix Fischl vom Deutschen Filminstitut in Frankfurt, das in Zusammenarbeit mit dem Film- und Kinobüro Hessen die Schul-Kino-Wochen für das Land Hessen organisiert.

»Das geschieht nicht nur, indem man Filme zeigt, sondern indem man sie bespricht und in der Schule vor- und nachbereitet«, erklärte Fischl. Heutzutage würden Jugendliche mit Medien und ihren Auswüchsen bombardiert - ob das jetzt das Internet oder Film und Fernsehen seien. Es falle daher immer schwerer, Qualitäten zu erkennen und herauszufiltern.

»Wir wollen genau dieses Bewusstsein schulen - also nicht nur vermitteln, wie Medien wirken, sondern auch, was gut gemacht ist.« Es werde versucht, den Kindern und Jugendlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Medien besser beurteilen können. »Wichtig ist auch, dass ihre eigene Meinung gestärkt wird. Die Schüler sollen argumentieren können, weshalb sie bestimmte Medien oder Filme gut finden und warum nicht«, sagte Fischl.

Zu den Kinoseminaren seien Experten und Filmschaffende eingeladen, die vom Fach erzählen und das Medium Film erläutern. »Sie gehen mit den Schülern gezielt auf die Wirkung des jeweiligen Films ein«, so Fischl. Auch in Friedberg war ein Experte anwesend: der Medienpädagogen Stefan Stiletto. Er erkläre zunächst Fachbegriffe oder bespreche mit den Schulklassen die moralische Fragen, die während des Films aufgeworfen würden.

»In Kinoseminaren will ich immer die Meinungen der Schüler wissen - beim Film ›Königreich Arktis‹ geht es ja beispielsweise um die globale Erwärmung, und da stand vorhin eine Zweitklässlerin vor mir, die schon wirklich gute Ideen hatte, wie man den Schadstoffverbrauch vermindern könnte«, sagte der Medienpädagoge. Beim Film »Das Leben der Anderen«, der sich mit den Stasi-Bespitzelungen in der Kulturszene der DDR beschäftigt, musste Stiletto jedoch ganz anders arbeiten als sonst: »In diesem Fall waren die Schüler von der Johann-Peter-Schäfer Schule und sehbehindert oder blind. Daher haben wir darauf geachtet, was der Film auf der akustischen Ebene vermittelt. Der Schwerpunkt lag darauf zu sehen, ob die Handlung allein über die Tonebene verständlich war.« Allerdings habe die Lehrerin der Schüler diese bereits im Unterricht auf die Handlung und die wichtigsten Abkürzungen wie Stasi und SED vorbereitet, und so seien auch hier gute Bemerkungen von den Schülern gekommen.

Auch im nächsten Jahr ist geplant, Schul-Kino-Wochen zu veranstalten. Gegen September sollen die Schulen dafür angeschrieben werden und so die Möglichkeit erhalten, das Kino erneut als Lernort zu nutzen.



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