02. Februar 2010, 19:04 Uhr

Nach Messerattacke auf Mutter in Psychiatrie eingewiesen

Gießen/Friedberg (ti). Seit 2004 leidet der Friedberger an Schizophrenie, die in Schüben bei ihm auftritt. Schon zwölf Mal war er deswegen stationär in Behandlung. Gestern hat die Fünfte Große Strafkammer des Gießener Landgerichts seine Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus angeordnet. Der 38-Jährige ist nach Auffassung der Richter aufgrund seiner Erkrankung »für die Allgemeinheit gefährlich«.
02. Februar 2010, 19:04 Uhr

Anlass für das Sicherungsverfahren war ein Vorfall im August vergangenen Jahres, als der Beschuldigte seine Mutter mit einem Besteckmesser angegriffen hatte. Weil dieses stumpf gewesen war, hatte die 70-Jährige keine schweren Verletzungen davongetragen. Zum Tatzeitpunkt litt der Beschuldigte unter einer akuten Psychose. Die Versuche der Familie, ihn in der Psychiatrie unterzubringen, schlugen fehl. Dort sah man offenbar keinen Bedarf. Kurz darauf sollte sich das Gegenteil bestätigen. Am Tag vor der Tat hatte der 38-Jährige bereits damit gedroht, seine Mutter zu töten. Am Tattag schließlich kam es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den beiden, in dessen Verlauf der Sohn immer aggressiver wurde. Irgendwann nahm er ein Besteckmesser aus einer Schublade, woraufhin seine Mutter in den Garten flüchtete. Der psychisch Kranke aber holte sie ein, packte sie am Hals und drückte zu.

Das Opfer, für das es sich nicht um den ersten Übergriff handelte, trug eine streifenförmige Rötung und Hautabschürfungen davon. Ob der Angreifer freiwillig von ihr abließ oder ihr die Flucht gelang, ließ sich im Verfahren nicht klären, da alle Angehörigen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machten. Zugunsten des Beschuldigten ging das Gericht von einem freiwilligen Rücktritt des Friedbergers aus, der sich demzufolge nur einer gefährlichen Körperverletzung und nicht eines versuchten Totschlages, wie von Staatsanwalt Klaus Bender in der Antragsschrift formuliert, schuldig gemacht hatte.

Für seine Krankheit kann der Mann allerdings nicht bestraft werden - ein Gutachter attestierte ihm eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie. Laut des Sachverständigen, der die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus empfahl, war der Friedberger nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat zu erkennen. Bis heute zeige er keine Einsicht in die Erkrankung und die daraus erwachsende Gefahr für andere.

Die Behandlung - seit dem Übergriff auf die Mutter ist der Beschuldigte in einer entsprechenden Einrichtung untergebracht - habe er dem Experten gegenüber als »übertriebene Reaktion auf diese Bagatelle« bezeichnet. Der Gutachter bezweifelte, dass er eine Therapie oder längere Medikation annehmen würde. Sein Fazit: Es besteht ein »sehr hohes Risiko für ähnliche Taten«, sollte sich der Beschuldigte in einem »wenig kontrollierten Umfeld« aufhalten.



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