22. Juli 2010, 17:10 Uhr

Protokollpflicht: Volksbank will Fehler aufklären

Friedberg (jw). Nach der Bankenkrise 2008 klagte so mancher private Anleger, er sei von seiner Bank nicht ausreichend über die Risiken von Wertpapieren informiert worden. Seit Anfang des Jahres müssen die Banken daher Beratungsprotokolle führen, doch diese gesetzliche Pflicht wird nicht überall eingehalten.
22. Juli 2010, 17:10 Uhr

Das ist ein Ergebnis der am Dienstag veröffentlichten Studie der Stiftung Warentest zur Anlageberatung. Die Volksbank Mittelhessen landete mit der Note 5,5 auf dem letzten Platz von 21 getesteten Banken. Wie Unternehmenssprecher Stefan Spicker sagte, sollen mögliche Fehler sofort abgestellt werden, dazu wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen: »Wir nehmen das sehr ernst.« Nicht getestet wurde die Sparkasse Oberhessen. Kommunikationsdirektor Bernd Kunzelmann sagte, bislang seien seinem Haus auch keine Probleme mit den Beratungsprotokollen bekannt.

Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank, hatte im Dezember 2009, bevor das Gesetz in Kraft trat, gegenüber dieser Zeitung gesagt, sein Institut führe die Beratungsprotokolle bereits. Den anonymen Testern der Stiftung Warentest war jedoch in fünf Fällen kein Protokoll ausgehändigt worden. Warum dies so war, konnte Spicker gestern nicht sagen. »Wir haben bei der Stiftung Warentest die detaillierten Ergebnisse der Prüfung angefordert, erhalte diese aber erst nächste Woche und können daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Konkretes sagen.«

Die Bestandskunden der Volksbank erhielten alle die gesetzlich vorgeschriebenen Protokolle. Im Falle der Stiftung Warentest habe es sich um Nichtkunden gehandelt, mit denen die Beratungsgespräche geführt wurden. Möglich, dass vielleicht deshalb keine Protokolle ausgefertigt wurden - obwohl das Gesetz dies nicht nur bei Vertragsabschluss vorschreibt, sondern generell. Spicker sagte, man sei »betroffen« über das Testergebnis, zumal die Finanzaufsichtsbehörde (Bafin) die Volksbank erst im Frühjahr geprüft habe. Spicker: »Auch da waren Wertpapiere und das Beratungsprotokoll das Thema, und es gab keine Beanstandung.« Die interne Arbeitsgruppe soll nun die Beratungsprozesse überprüfen.

Die Mitarbeiter seien alle geschult worden, sagte der Volksbank-Sprecher. Und mit den Bestandskunden gebe es auch keine Probleme. Allerdings hätten die Anlageberater die Erfahrung gemacht, dass einige langjährige Kunden sich dagegen sträubten, detaillierte Angaben über Job, Einkommen und Anlageziele zu machen, die für das neunseitige Protokoll notwendig sind. Einige Kunden hätten signalisiert, sie hätten dafür keine Zeit. Und auch aus Beratersicht sei es mitunter unglücklich, den Kunden ausfragen zu müssen. Dennoch: »Es geht um eine gesetzliche Vorschrift, die beachtet werden muss. Die Versäumnisse müssen und werden wir abstellen«, so Spicker.

Generell gilt bei der Volksbank: Das Protokoll wird direkt nach dem Beratungsgespräch ausgehändigt. So handhabt es auch die Sparkasse Oberhessen. »Kunden, die persönlich zu uns kommen, erhalten das Protokoll direkt, bei telefonischer Beratung wird es zugesandt«, sagte Pressesprecher Kunzelmann. Alle betroffenen Mitarbeiter seien geschult worden, es gebe ausführliche Leitfäden über die zu beachtenden Vorschriften. Rückmeldungen von Kunden sind Kunzelmann nicht bekannt: »Das ist ein Gesetz, und dann wird es auch gemacht« - selbst wenn die neue Vorschrift für mehr Bürokratie sorgt. In der Sparkassen-Finanzgruppe werde das Thema aber »sehr hoch gehängt« und entsprechend beachtet, sagte Kunzelmann mit Blick auf das Testergebnis: Unter den ersten acht des Testergebnisses seien schließlich sechs Sparkassen. Eine Sprecherin der Commerzbank, die Filialen in Friedberg und Bad Nauheim hat, sagte, man halte sich selbstverständlich an die Gesetzesvorschrift. Alle Kunden erhielten Protokolle.



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