23. September 2010, 13:26 Uhr

Im Kino Friedberg beginnt das 3D-Zeitalter

Friedberg (ütz). Detlev Hainski und Jens Hansen sitzen im Vorführraum des Kinocenters. Sie kommen von der Düsseldorfer Firma FTT und hantieren an zwei Geräten mit Tastaturen und Displays, die in diesem Raum, der geprägt ist von riesigen Vorführgeräten und -tellern für Filmspulen, futuristisch wirken. Um Zukunft geht es auch: In Friedberg beginnt das Wetterauer 3D-Zeitalter.
23. September 2010, 13:26 Uhr
WZ-Redakteur Gerald Schütz als »Model« für die Aktivbrille: Hans-Albert Wunderer führte ihm den Trailer der 3D-Version von »Avatar« vor.

Als erstes Kino im Kreis hat Besitzer Hans-Albert Wunderer die Ausrüstung angeschafft, um dreidimensionale Filme zeigen zu können. Heute geht es im großen Saal, dem Roxy, los: mit »Für immer Shrek« um 14.45 Uhr, »Step up« um 17.15 Uhr und »Resident Evil: Afterlife« um 20.30 Uhr. Es ist der Auftakt für ein einwöchiges »3D-Festival«, bei dem diese drei Filme sowie ab morgen auch »Avatar« in der langen 171-Minuten-Version an den Tagen bis nächsten Mittwoch zu wechselnden Zeiten zu sehen sein werden.

Die Hardware hat Wunderer bereits vor zwei Wochen geliefert bekommen. Seit Montag waren Hainski und Hansen damit beschäftigt, die Software einzurichten, sodass die Filme im Roxy nun nicht mehr analog - also per Zelluloid -, sondern digital - also per Mikrochips - und im Bedarfsfall 3D abgespielt werden. Das Vorführgerät fürs Roxy ist nun nicht mehr eine Maschine, durch die 35-Millimeter-Filmstreifen sausen, sondern ein Server, der mit einer Festplatte gefüttert wird, auf der die jeweiligen Filmtitel gespeichert sind.

»In Deutschland gibt es rund 4500 Leinwände«, doziert Hainski beim WZ-Besuch am Dienstag, »rund 650 davon sind schon auf digital umgestellt.« Und: »Bislang wurden die Filme durchleuchtet. Jetzt gibt es sogenannte DMD-Chips, für jede der vier Farben Rot, Gelb, Blau und Schwarz einen.« Mit diesen vier Grundfarben kann jeder Farbton auf der Leinwand - wie übrigens auch beim Farbdruck in der Zeitung - erzeugt werden. Auf die Leinwand kommen die Bilder durch rund 2,1 Millionen winzige Spiegelchen, die ein- oder wegklappen und von einem Xenom-Licht im Gerät angestrahlt werden.

Wie Hainski weiter erläutert, während er mit seinem Kollegen verschiedene Ein- und Ausgänge des Servers abgleicht, reichte bei der analogen 3D-Technik eine Pappbrille mit einem roten und grünen Filter aus, um beim Kinobesucher den Effekt der Dreidimensionalität zu erzeugen. Beim digitalen 3D blitzt jedes Bild auf zwei Spuren 72-mal in der Sekunde auf, also 144 Mal. »Da kommt das menschliche Auge nicht mehr mit«, sagt der IT-Experte, »deshalb sind Spezialbrillen, die blitzschnell öffnen und schließen, nötig. « Sie haben am Bügel einen Empfänger eingebaut, der steuert, wann das Brillenglas die Impulse durchlässt und wann nicht. Aktivbrillen nennt man so etwas. Das ist noch nicht genug der Technik. Die Festplatten enthalten eine Verschlüsselung, die dafür sorgt, dass der Film nur auf dem dafür programmierten Server abgespielt und nicht kopiert werden kann. Auch die Brillen funktionieren dank eines Signals nur im jeweiligen Saal, in diesem Fall also im Roxy. Da dennoch die Gefahr besteht, dass sie gestohlen werden, müssen die Kinobesucher beim Empfang der Brille ihren Personalausweis hinterlegen, den sie bei der Rückgabe wiederbekommen. »Dieses System hat sich in anderen 3D-Kinos bewährt«, berichtet Wunderer.

Rund 140 000 Euro lässt er sich die Umrüstung auf digitales Kino kosten, 3D noch nicht eingerechnet. »Wir müssen das im Hinblick auf die Konkurrenz in Frankfurt tun«, sagt er. Der zweite Server für die Blende ist schon bestellt; im nächsten Jahr kommen die Server für die anderen Säle. Aber die Investition lohnt sich: brillanter Klang und brillante Bilder sind nun auch im Roxy zu hören und zu sehen. »Wir spielen nun technisch in der obersten Liga in Deutschland mit«, freut sich Wunderer.



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