08. Juni 2011, 07:45 Uhr

Ex-CDU-Vorsitzender mit Haftbefehl gesucht

Friedberg (jw). Die Polizei fahndet nach einem ehemals hochrangigen CDU-Kommunalpolitiker aus Friedberg. Der 37-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft kinderpornografische Fotos und Videodateien erworben und verbreitet haben. Am Dienstag sollte vor dem Amtsgericht die Hauptverhandlung gegen den Mann eröffnet werden, der Angeklagte erschien aber nicht.
08. Juni 2011, 07:45 Uhr
Prozess vor dem Friedberger Amtgericht. (Foto: nic)

Richter Dr. Markus Bange verhängte einen Haftbefehl. Wird der Mann von der Polizei gefasst, droht ihm bis zur Verhandlung Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, zwischen 2006 und 2010 in 69 Fällen kinderpornografische Dateien aus dem Internet auf seinen Rechner geladen zu haben. Die Sache kam ans Licht, als die Polizei bei Ermittlungen einem Pädophilen auf die Schliche kam. Dessen Computer wurde beschlagnahmt und untersucht, dabei stießen die Ermittler auf Querverbindungen zum Computer des Friedbergers. Auch dessen Rechner wurde daraufhin beschlagnahmt, dabei sollen die Dateien gefunden worden sein, die über eine Internet-Tauschbörse verbreitet wurden.

Nach WZ-Informationen soll es sich vorwiegend um Fotos von Jungen handeln, viele davon asiatischen Typs. Wie der Angeklagte an das Bildmaterial kam, sollte in der Verhandlung vor dem Amtsgericht geklärt werden. Doch dazu kam es gestern nicht. Die Anklageschrift musste Staatsanwalt Mike Hahn nicht verlesen. Der Bad Homburger Anwalt Marc von Harten, der den Angeklagte vertritt, wollte sich vor Publikum nicht dazu äußern, warum sein Mandant der Verhandlung fernblieb.

Der Haftbefehl diene als »Denkzettel«, sagte Staatsanwalt Hahn. Wird der Mann gefunden, wird er dem Gericht vorgeführt und könnte bis zu einem neuen Verhandlungstermin in Untersuchungshaft genommen werden. Unklar ist indessen, ob sich der Angeklagte derzeit überhaupt in Deutschland aufhält. Der ehemalige Kommunalpolitiker war bis August 2010 Mitglied des Wetterauer Kreistags. Sein Mandat legte er nieder, als die Polizei die Ermittlungen gegen ihn aufnahm. Der 37-Jährige galt lange als Hoffnungsträger der Friedberger CDU, war zeitweise deren Vorsitzender und Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament. Er begleitete verschiedene Ämter innerhalb der CDU und deren Nachwuchsorganisation Junge Union. Sein Lehramtsstudium soll er vorzeitig abgebrochen haben.

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