05. Juli 2011, 16:35 Uhr

Onkel hat Nichte und Neffe sexuell missbraucht

Gießen/Friedberg (sha). Sie hätten immer ein »gutes Verhältnis« zu ihrem Onkel gehabt, sagten die heute 17 und 21 Jahre alten Missbrauchsopfer aus Friedberg bei der Zeugenvernehmung vor dem Landgericht Gießen. Bei der Staatsanwaltschaft sind 15 Fälle sexuellen Missbrauchs angeklagt, die sich zwischen Mai 2000 und September 2008 ereignet haben sollen.
05. Juli 2011, 16:35 Uhr
Symbolfoto Landgericht (Foto: Schepp)

Der 34-jährige Täter aus Butzbach, räumte zum Prozessauftakt am Montag die Vergehen ein. Er gestand, unter anderem seine Nichte mit einem Finger vaginal penetriert zu haben. Den Jungen hatte er nackt ausgezogen und an ein Bett gefesselt. Zur Tatzeit waren beide Opfer jünger als 14 Jahre. Die Plädoyers und die Urteilsverkündung werden für den kommenden Montag erwartet.

Zur Anklage sei es gekommen, weil die Mutter der Kinder den 34-Jährigen 2009 wegen des Besitzes von Kinderpornografie angezeigt hatte, sagte Richterin Gertraud Brühl. Der mittlerweile 21 Jahre alte Sohn hatte auf dem Computer des Onkels entsprechende Dateien entdeckt. Bei der polizeilichen Vernehmung habe der auch die sexuellen Übergriffe gegenüber seiner Nichte und seinem Neffen eingeräumt.

Er habe mit seiner Ehefrau damals im selben Ort gewohnt wie die Kinder, in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, in dem auch seine Schwiegereltern gewohnt hatten, sagte der Angeklagte. Durch die räumliche Nähe und die häufigen Besuche der Kinder bei den Großeltern habe er oft Kontakt zu ihnen gehabt, sei mit ihnen Schwimmen oder Einkaufen gefahren und habe bei den Schulaufgaben geholfen.

Auf diese Weise habe sich ein »recht inniges Verhältnis« zu den Kindern ergeben. »So kam es, dass ich das machen konnte«, sagte der Butzbacher. Er habe die sexuellen Handlungen »spielerisch verpackt«, ohne zu wissen, wie die Kinder dies empfanden. Nachdem sich seine Nichte einmal verweigert habe, habe er sich darauf beschränkt, die Kinder zu »massieren«. Als Kompensation habe er zur Kinderpornografie gegriffen. Nach eigenen Angaben habe er in Kenntnis seiner Neigungen keine eigenen Kinder haben wollen, um mögliche Übergriffe zu vermeiden.

Bereits seit Ende des Jahres 2008 - etwa zwei Monate, bevor es zur Anklage kam - habe er sich in therapeutische Behandlung begeben. Entsprechende Unterlagen übergab die Verteidigung dem Gericht. Nach den in Rede stehenden Delikten habe er keinen Kontakt zu Kindern mehr gesucht, betonte der mittlerweile getrennt von seiner Frau in Butzbach lebende Mann.

Sie habe mehrere Suizidversuche unternommen und Essstörungen entwickelt, sagte die 17 Jahre alte Nichte des Täters. Auch ihr 21-jähriger Bruder, der eine Ausbildung absolviert, berichtete, sich Gedanken über eine Selbsttötung gemacht zu haben.

Der Verteidiger des Angeklagten wies darauf hin, dass beide Opfer bei ihrer Vernehmung nichts von Suizidversuchen oder suizidalen Gedanken gesagt hätten. Es sei ihnen peinlich, über das Geschehene zu sprechen, und sie würden ihre Gefühle ungern preisgeben, erwiderten die Opfer. Aus diesem Grund hätten sie trotz des Drängens ihrer Mutter auch eine psychologische Behandlung abgelehnt.

Dr. Rainer Gliemann, der das psychiatrische Gutachten über den 35-Jährigen erstellt hatte, äußerte, dass der Angeklagte unter keiner Persönlichkeitsstörung leide und seine Schuldfähigkeit unbeeinträchtigt sei.

Mit Blick auf eine mögliche Sicherheitsverwahrung nach der Haft, sagte Gliemann, der Butzbacher habe eine gute Legalprognose. Er mache einen »sehr kooperativen« Eindruck, habe sich selbst einer Behandlung unterzogen und sei nicht mehr delinquent geworden. Die Tatsache, dass er sich für potenziell gefährlich halte und deshalb den Kontakt zu Kindern vermeide, zeuge von einem hohen Selbstreflexionsvermögen. Die Möglichkeit, dass er rückfällig werde, sei deshalb geringer, als dies durchschnittlich bei Pädophilen der Fall sei. Am nächsten Montag wird der Prozess fortgesetzt.

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