08. Januar 2014, 16:28 Uhr

»Nur der Missbrauch des Islam ist schlecht«

Friedberg (ini). Schwarze Schleier, die nur die Augen freilassen, Frauen, die gesenkten Hauptes einige Schritte hinter ihrem Mann hergehen, Berichte von »Ehrenmorden«, Gewalt und Zwangsheirat – muslimische Frauen werden in weiten Teilen der Öffentlichkeit als unterdrückt, rechtlos und von Männern abhängig wahrgenommen.
08. Januar 2014, 16:28 Uhr
Monaza Aqeel (Mitte) mit Moderatorin Somera Ahmad (r.) und Husla Zafar von der Ahmadiyy-Gemeinde bei dem Vortrag. (Fotos: Martini)

Ein Bild, das nicht der Wirklichkeit entspricht, sondern von Medien suggeriert wird. So sieht es Munnazza Aqil Khan von der Friedberger Ahmadiyya-Gemeinde. Im Rahmen der Ausstellung »Eine Reise durch die islamische Zeit« in der Stadthalle referierte Khan über »Die Stellung der Frau im Islam«.

Khan verwahrte sich gegen Vorurteile gegenüber muslimischen Frauen, vor allem jenen, die Kopftuch tragen, und stellte den gängigen Vorstellungen über die Migrantinnen deren Selbstbild gegenüber. Dazu passte, dass der Abend von der Frauengruppe der Ahmadiyya-Gemeinde organisiert wurde und mit Somera Ahmad und Husla Zafar zwei weitere Frauen auf dem Podium saßen. Nur die Rezitation von Koranversen übernahm mit Naman Gill ein Mann.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde 1889 in Indien gegründet und versteht sich als Reformgemeinde, die zu den Wurzeln des Islams zurückkehrt. Die Grundlagen des Glaubens sind der Koran, aber auch der Hadith (Überlieferungen des Propheten Mohammed) und die Sunna (Handlungen des Propheten. Wie das Verhältnis von Mann und Frau sein soll, darüber gibt der Koran Auskunft. Die Referentin erläuterte Suren, die das Geschlechterverhältnis thematisieren. So erklärte die Publizistikstudentin: »Beide Geschlechter haben bestimmte Pflichten auferlegt bekommen und erhalten ihren Lohn. Der ist abhängig von den Taten, nicht vom Geschlecht.« Der Koran sei im Hinblick auf die Gleichstellung von Mann und Frau bei seinem Erscheinen im Jahre 620 revolutionär gewesen. In einer Zeit, als Frauen noch rechtlos waren, habe der Islam ihnen Erbrecht, Eigentums- oder das Scheidungsrecht zugestanden. »Die Frau hat sehr wohl eine hohe Stellung im Islam«, erklärte Khan, räumte aber ein, dass in Teilen der Welt Frauen im Namen des Islams unterdrückt werden. Schuld seien kulturelle Riten, Lebensbedingungen, aber auch politische Systeme, die eine Gleichstellung behindern. »Man kann aber nicht sagen, der Islam sei schlecht. Der Missbrauch ist schlecht.«

Wie unterschiedlich sich das öffentliche Bild von Musliminnen vom Selbstbild der Frauen unterscheidet, erläuterte die Referentin anhand einer 2006 erstellten Studie über die Darstellung muslimischer Frauen in der Presse. Ausgewertet wurden Fotos und Texte aus »Spiegel«, »Stern« und »Zeit«. Hauptsächlich wurden Frauen als Opfer dargestellt. »Gewalt an Frauen ist kein muslimisches Phänomen«, sagte Khan. Häufig würden Einzelschicksale generalisiert, die Religion werde für Missstände verantwortlich gemacht, die eher im Bereich von Familien oder Traditionen lägen. Selbst sehen sich muslimische Frauen weniger häufig als Opfer. Vielmehr gebe es viele erfolgreiche Frauen in islamischen Ländern. So gebe es in Ägypten doppelt so viele Universitätsprofessorinnen wie in Deutschland. »Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild erschwert die Integration«, stellte Khan fest. Wichtig seien mehr Kontakte und Austausch, um Vorurteile abzubauen.

Die Sache mit dem Kopftuch

Die sich an den Vortrag anschließende lebhafte Diskussion drehte sich hauptsächlich um das Tragen des Kopftuches. Die Vorschrift sei darauf zurückzuführen, dass Frauen ihre Reize verdecken sollten, sagte Khan. Allerdings sei es nicht zwingend vorgeschrieben. Für viele muslimische Frauen bedeute es neben dem Bekenntnis zur Religion auch eine Lebenseinstellung. Warum sie selbst ein Kopftuch trage? »Ich möchte nicht, dass mein Aussehen im Vordergrund steht. Ich möchte durch meine Kenntnisse und meinen Charakter beurteilt werden.«



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