08. Oktober 2014, 15:28 Uhr

Mehrzweckhalle: »Wir mussten die Notbremse ziehen«

Friedberg (jw). Die Küche ist voll funktionsfähig, sagt Erster Stadtrat Peter Ziebarth. Die Mehrzweckhalle wurde rundum verschönert. Alles sei bereit gewesen für die Wiedereröffnung der Bürgerhaus-Gaststätte in Bruchenbrücken. »Aber wir mussten auf die Notbremse treten.«
08. Oktober 2014, 15:28 Uhr
Das Gerüst ist mittlerweile entfernt, die Halle ist renoviert. Nur ein Wirt fehlt. (Foto: Jürgen Wagner)

Wie berichtet, hat die Stadt den Vertrag mit dem vorgesehenen Pächter Oliver Rudigier fristlos gekündigt und diesem Hausverbot erteilt. Die Aussagen des Gastwirts, der gegenüber der WZ (Freitagausgabe) auf Mängel hinwies, welche die Stadt nicht beseitigt habe, sind laut Ziebarth hingegen nicht zutreffend. Die Unregelmäßigkeiten in den vorgelegten Vertragspapieren allerdings seien so erheblich gewesen, dass der Stadt gar nichts anderes übriggeblieben sei, als den Vertrag zu kündigen. Dies habe der Magistrat am Montag bestätigt.

»Wir haben aus der Vergangenheit gelernt«, sagt Ziebarth und spricht die Tatsache an, dass die Stadt bei der Verwaltung der Bürgerhäuser zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen hatte. Immer mal wieder gab es Probleme mit Pächtern. Die Stadthallenverwaltung im Rathaus sei mittlerweile in anderen Händen, »es läuft jetzt vieles anders«. Bei der Verpachtung der Mehrzweckhalle Bruchenbrücken aber lief trotzdem einiges schief, und daran ist, wie Ziebarth betont, auf keinen Fall die Stadt schuld.

Da es sich um ein Verfahren handelt, das möglicherweise ein juristisches Nachspiel hat, will der Erste Stadtrat die Details der Vertragsverhandlungen nicht öffentlich machen. Nur so viel: Knackpunkt der Verhandlungen war eine Kautionsbürgschaft. Die muss vorgelegt werden, wenn ein Pachtverhältnis vereinbart wird. Nach mehrmaliger Aufforderung habe Rudigier allerdings eine Bürgschaft vorgelegt, die in dieser Form nie vom Kautionsgeber (der Versicherung) ausgestellt worden sei. Ziebarth: »Die vorgelegte Bürgschaft war wertlos.« Wäre es zu einem Rechtsstreit gekommen, hätte die Stadt keinen Pfennig bekommen, »weil die Bürgerschaft keinen Pfifferling wert war«. Das Vertrauen war dahin.

Pacht halbiert, Fassade gestrichen

Das sei sehr ärgerlich, zumal die Stadt alles getan habe, um dem Pächterehepaar einen guten Start zu ermöglichen. So wurde die Pacht in den ersten beiden Monaten halbiert. Ziebarth: »Das haben wir als eine Art Anschubfinanzierung verstanden.« Die Außenfassade der Mehrzweckhalle wurde gestrichen, Bäume und Sträucher wurden zurückgeschnitten. Man habe sogar gemeinsam mit dem Pächter über einen neuen Namen für die Halle nachgedacht und darüber, das Hinweisschild zu versetzen. »Der Pächter sollte in ein gemachtes Nest einziehen.«

Doch es kam anders, und die Darstellungen des Pächters, wie sie in der WZ zu lesen waren, stimmten nicht, sagt Ziebarth. So seien die vom Pächter gewünschten Lampen für die Außenbeleuchtung zu teuer gewesen. »Das war mit der vorläufigen Haushaltsführung der Stadt Friedberg nicht vereinbar.« Daraufhin habe sich der Pächter bereiterklärt, eigene Lampen anzubringen. Für den Austausch der Thekenbeleuchtung, ein weiterer Kritikpunkt Rudigiers, sei hingegen kein Magistratsbeschluss nötig. Ziebarth: »Das sind Aufgaben der laufenden Verwaltung.« Falsch seien auch die Angaben des Pächters zu angeblich defekten Küchengeräten. »Alle Geräte wurden vorab auf ihre Funktionsfähigkeit hin geprüft. Lediglich die Kipp-Pfanne für die Soße ist defekt. Diese wäre aber vor der Eröffnung der Gaststätte noch ausgetauscht worden.« Unverständlich sei, dass der Pächter diese angeblichen Mängel nie bei der Stadt angezeigt habe. »Es gab mehrere Termine vor Ort mit unseren Mitarbeitern, da wäre die Gelegenheit dazu gewesen.« Jetzt angebliche Mängel aufzulisten, sei nicht in Ordnung. Im Fußball gelte dies als Nachtreten, dafür gebe es die Rote Karte, sagte Ziebarth.

Stadt geht auf Vereine zu

Auch die Investitionen, die der Pächter nach eigenen Angaben bislang in die Gaststätte gesteckt haben will – die Rede ist von 16 000 Euro –, kann die Stadtverwaltung nicht nachvollziehen. In dem Betrag sei ein Sky-Abonnement eingerechnet, das aufs Jahr gerechnet bereits einen fünfstelligen Betrag ausmache. Der Pächter habe Live-Übertragungen von Fußballspielen anbieten wollen. Das, so Ziebarth, hätte er auch gerne tun können. Nur sei dies ein unternehmerisches Risiko und werde nicht im Pachtvertrag gefordert. Genauso wenig wie eine Residenzpflicht vorliege, der Wirt also nicht unbedingt vor Ort wohnen müsse. Die Mitarbeiter im Rathaus hätten während seines Urlaubs im Ausland in ständigem telefonischen Kontakt mit ihm gestanden. Ziebarth: »Wir haben uns das nicht einfach gemacht und wir haben uns nichts vorzuwerfen.«

Die Stadt will die Bürgerhaus-Gaststätte in Bruchenbrücken nun neu ausschreiben. »Das ist die einzige Gaststätte in dem Stadtteil. Privatpersonen und Vereine benötigen die Räume, wir werden das zügig angehen.« Und das heiße nicht nur, einen neuen Pächter zu suchen. Ziebarth: »Wir wollen den Bruchenbrückener die Möglichkeit geben, die Räume schon früher zu nutzen.« Kaffeetrinken nach einem Begräbnis, Weihnachtsfeiern und Fasching – wie das ohne Wirt bewerkstelligt werden kann, soll in den nächsten Tagen mit Vereinsvertretern aus dem Stadtteil erörtert werden. »Wir wollen den Bürgern entgegenkommen.« Ob dies über Catering geschieht (in der Stadthalle funktioniere dies) oder ob die Gäste von Feiern aus Bruchenbrücken mit dem Bus ins Bürgerhaus nach Ossenheim gefahren werden – vieles sei möglich.

Der Beinahe-Pächter Oliver Rudigier wollte gegenüber der WZ keine weitere Stellungnahme abgeben. Nur so viel: »Jeder hat seine Sichtweise. Das Kapital ist abgeschlossen. Ich bin nicht auf Streit aus, man muss sich trotzdem in die Augen sehen können.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos