02. September 2019, 11:00 Uhr

Supermarkt-Standorte

Abriss und Neubau: Regionalverband will Wohnraum schaffen

In der Wetterau wächst die Wohnraum-Nachfrage stärker als das Angebot. Der Regionalverband schlägt vor, Supermärkte abzureißen und durch Neubauten mit Handel und Wohnen zu ersetzen.
02. September 2019, 11:00 Uhr
Für den Kaufland-Markt in Nieder-Mörlen wäre nach Ansicht des Regionalverbands Abriss und mehrgeschossiger Neubau denkbar, um Wohnraum zu schaffen. Ob solche Pläne genehmigungsfähig wären, ist allerdings mehr als fraglich, denn im direkten Umfeld finden sich in erster Linie Einfamilienhäuser. (Foto: Nici Merz)

Es gibt sie schon in der Wetterau: Lebensmittelmärkte, die im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes untergebracht sind. Zwei Beispiele: der Tegut-Markt in der Bad Nauheimer Innenstadt und der Rewe-Markt in Rosbach. Darüber hat Wohnraum oder - wie im Fall von Rosbach - ein Altenheim Platz. Der Spitze des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main geht es in seiner neuen Initiative allerdings um die üblichen eingeschossigen Immobilien, die ausschließlich für Filialen der Supermarkt-Konzerne errichtet wurden.

Nach Ansicht von Verbandsdirektor Thomas Horn könnten 320 dieser Gebäude - fast die Hälfte des Gesamtbestandes im Verbandsgebiet - durch Neubauten ersetzt werden. Aus statischen Gründen komme eine Aufstockung bestehender Immobilien in der Regel nicht in Frage. Der CDU-Politiker sieht ein Potenzial von 3000 bis 5000 Wohnungen, die auf diesem Weg errichtet werden könnten. »Bei dem herrschenden Druck müssen wir jeden Weg gehen, um neuen Wohnraum zu schaffen«, sagt Horn.

Der Regionalverband hat alle Marktgebäude im Großraum Frankfurt untersucht. In Friedberg und Bad Nauheim hat er neun Immobilien ausgemacht, die abgerissen und ersetzt werden könnten. Mit Ausnahme von Aldi sind dabei alle Großunternehmen der Branche vertreten.

Zurückhaltende Reaktionen

Die Konzerne selbst und die Politik vor Ort reagieren auf den Vorschlag Horns zurückhaltend. Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß könnte sich eine Realisierung am ehesten in Großstädten wie Frankfurt oder Offenbach vorstellen. Dort lasse das Umfeld dieser Gebäude meist einige zusätzliche Stockwerke zu. Anders sieht es in Städten wie Bad Nauheim aus. Ein Beispiel: Der Regionalverband hält den Abriss des bestehenden Kaufland-Markts in Nieder-Mörlen und einen Neubau mit mehreren Stockwerken für denkbar - im Erdgeschoss Lebensmittelverkauf, darüber Wohnungen. In direkter Nachbarschaft der Immobilie finden sich aber Einfamilienhäuser. »Tritt ein Investor an uns heran, prüfen wir das Vorhaben wie jeden anderen Bauantrag. Wohnqualität und -umfeld sowie Verkehrsfragen spielen dabei eine Rolle«, sagt Kreß.

In Friedberg hatte sich die Politik bereits im August 2018 mit dem Thema befasst. Die SPD hatte ein Wohnraumkataster gefordert, auch bei Lebensmittelmärkten sollte nachgefragt werden, ob auf den Grundstücken der Filialen Wohnungsbau denkbar wäre. Der Antrag wurde abgelehnt. Begründung: zu viel Verwaltungsaufwand, zu hohe Datenschutzhürden.

Klares Nein von Lidl

Die Handelskonzerne, die in der Kreis- und der Kurstadt Filialen betreiben, nehmen zu den vom Regionalverband genannten Immobilien in der Wetterau keine konkrete Stellung. Eine Ausnahme bildet die Lidl-Deutschland-Zentrale. »In der Frankfurter Straße in Bad Nauheim planen wir nicht, unser bestehende Filiale durch einen Neubau mit Wohnbebauung zu ersetzen«, lässt Pressesprecher Mario Köhler wissen.

Alle befragten Unternehmen - neben Lidl sind das Kaufland, Tegut, Rewe und Edeka - sind für eine Kombination aus Lebensmittelhandel und Wohnen in einem Gebäude prinzipiell aufgeschlossen. Alle nennen allerdings Projekte in Großstädten wie Frankfurt, Hamburg, Köln oder Heidelberg. Dabei handelt es sich in allen Fällen um mehrgeschossige Neubauten, die bereits im Entstehen oder geplant sind. Zudem sind diese Konzerne in der Regel nicht Eigentümer, sondern Mieter der Gebäude, in denen ihre Filiale betrieben wird.

Die Initiative zum Wohnungsneubau müsste aber vom Eigentümer ausgehen, meist sind das Immobilieninvestoren. Das gilt auch für das geplante Fachmarktgebäude auf dem Stoll-Gelände in Bad Nauheim, in dem ein Tegut- und ein Küchenmarkt untergebracht werden sollen. Investor ist die Werner-Gruppe aus Fulda. Von Überlegungen, das Bauwerk um zusätzliche Stockwerke zu erweitern, um Wohnraum zu schaffen, ist nichts bekannt. Die Baugenehmigung sieht lediglich Handel, Fitness-Studio und Café vor.

Von Edeka bis Tegut

Neun Lebensmittelmärkte in Bad Nauheim und Friedberg könnten aus Sicht des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main abgerissen und durch mehrstöckige Neubauten für Handel und Wohnen ersetzt werden. Auf einer Karte des Verbandsgebiets sind in Friedberg folgende sechs Gebäude markiert: Tegut in der Anna-Kloos-Straße und in Fauerbach, Edeka in Dorheim, Lidl und Getränkemarkt in Fauerbach sowie Rewe in der Straße Im Krämer.

In Bad Nauheim sind drei Filialen genannt: Kaufland Nieder-Mörlen, Lidl in der Frankfurter Straße und das Rewe-Center im Gewerbegebiet In den Langen Morgen. Für die restlichen Supermärkte in beiden Städten kommt eine solche Lösung nicht in Frage oder es existiert bereits ein solcher Mix. Der Regionalverband hat in seinem Gebiet 680 Marktgebäude ermittelt, 320 davon kämen für Abriss und Neubau in Frage. Das Beispiel Rewe-Center in Bad Nauheim zeigt allerdings, dass es sich in vielen Fällen um Gedankenspiele handeln dürfte. Diese Immobilie wurde nämlich erst 2012 aufwendig umgebaut und saniert. Der Eigentümer dürfte kaum auf die Idee kommen, das Gebäude jetzt abzureißen, um einen Mix aus Handel und Wohnen zu schaffen.

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