16. Oktober 2019, 20:32 Uhr

Abschied vom »Protest-Acker«

16. Oktober 2019, 20:32 Uhr
Für die Übergabe der Unterschriften steht ein symbolischer Chefsessel bereit. Darauf sind auch Erde des Ackers und ein Beutel Kartoffeln platziert. (Foto: pm)

Die Bürgerinitiative »Bürger für Boden« und der Biorosenbauer Werner Ruf hatten eingeladen. Knapp 100 Leute kamen, um am Sonntag zusammen Abschied von Rufs Pachtfläche auf dem geplanten Rewe-Gelände in Berstadt zu nehmen. Darunter waren Vertreter von Kirche, Naturschutzverbänden, Bauernverband und Wissenschaft, wie die Veranstalter mitteilen.

Auf dem »Protest-Acker« hatte die BI Veranstaltungen durchgeführt und ein Selbsterntefeld angelegt, um die »besondere Fruchtbarkeit des Bodens« aufzuzeigen. Nun läuft Rufs Pachtvertrag für die Fläche aus. Die BI nutzte die Zusammenkunft zur symbolischen Übergabe von Unterschriften ihrer Onlinepetition gegen das Rewe-Vorhaben. Dazu BI-Mitglied Susan Schultheiß: »Über die von uns gestartete Petition kamen bisher mehr als 6000 Unterschriften zusammen. Die parallel von ›Rettet den Regenwald.org‹ unter dem Titel ›Acker nicht betonieren, Rewe!‹ initiierte Petition wird inzwischen von über 50 000 Menschen unterstützt.«

Rahn-Farr für Bodenschutzgesetz

Rewe-Konzernchef Lionel Souque sei eingeladen worden, um die Unterschriften entgegenzunehmen, aber nicht gekommen. So stand für die Übergabe ein symbolischer Chefsessel bereit. Darauf wurde Erde dieses Ackers in einem Rewe-Baumwollbeutel mit der Aufschrift »Verantwortung trägt sich gut« platziert. Dazu ein Beutel Kartoffeln sowie die Unterschriften. Schultheis: »Das geht jetzt per Post zur Rewe-Konzernzentrale nach Köln. Wer mit ›Verantwortung‹ und ›frisch vom Acker‹ wirbt, aber zugleich beste Böden in immensen Umfang vernichtet, macht sich unglaubwürdig. Das wollen wir mit dieser Aktion unterstreichen.«

Laut BI unterstützen zahlreiche Wissenschaftler die Petition. Als ihr Vertreter war der Leiter des Gießener Instituts für Bodenkunde und Bodenerhaltung, Prof. Jan Siemens, gekommen. Nach seinen Worten hätten die Bodenkundler gemerkt, dass es nicht reiche, in ihren Instituten die Bedeutung des Bodens zu lehren, wenn er zugleich vor der Tür sukzessive vernichtet werde. Siemens betonte die Wichtigkeit des Engagements von Bürgerinitiativen für den Erhalt des Bodens, insbesondere wenn er so ertragreich sei wie der Boden in Berstadt. Die Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt, Andrea Rahn-Farr, forderte ein Bodenschutzgesetz. Nach ihren Worten müsse Boden den gleichen gesetzlichen Schutzstatus erhalten wie zum Beispiel der Wald.

Wie auch andere Redner erinnerte Dr. Werner Neumann vom BUND Wetterau daran, dass nach den erwartbaren politischen Entscheidungen nun die juristischen Auseinandersetzungen ins Zentrum rückten. Die BUND-Klage gegen die grundlegende Entscheidung für das Vorhaben befindet sich in Berufung beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel. »Und gegen die durch das Regierungspräsidium genehmigte Bauleitplanung wird es Normenkontrollklagen geben.«

Zudem sieht sich die BI von der Klimadebatte beflügelt. »Es macht keinen Sinn, den CO2-Ausstieg und Klimaneutralität anzustreben, aber bedenkenlos weiter Fläche zu versiegeln, als gäbe es kein Morgen«, sagte Sprecherin Christa Degkwitz. »Die gigantische Vernichtung besten Ackerbodens durch Rewe erscheint wie ein Projekt von gestern.«

Die Worte zum Abschied von seiner Pachtfläche blieben Werner Ruf vorbehalten. Er kritisierte den verschwenderischen Umgang mit der Ressource Boden, und stellte einen Bezug zu Häuptling Seattle her: »Der weiße Mann behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste.«

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