27. September 2019, 21:11 Uhr

Als Humboldt in Bad Nauheim weilte

27. September 2019, 21:11 Uhr
In Berlin ist eine Universität nach Alexander von Humboldt benannt, vor deren Eingang ein Denkmal ihm zu Ehren steht. Auch in Nauheim hat Humboldt geforscht. (Archivfoto: dpa)

. Es ist bekannt, dass Alexander von Humboldt die entlegensten Winkel der Erde erkundet hat. Vor genau 230 Jahren, am 28. September 1789, hielt er sich in (Bad) Nauheim auf. Das geht aus Tagebuchaufzeichnungen hervor, die sein holländischer Freund und Studienkollege, Steven Jan van Geuns, während einer gemeinsamen Forschungsreise durch Hessen, die Pfalz und längs des Rheins im Herbst 1789 angefertigt hat. Der Besuch Humboldts in (Bad) Nauheim kam nicht von ungefähr: Zur damaligen Zeit galt die Nauheimer Saline in Bezug auf ihre technische Einrichtung als das kostbarste Salzwerk in Deutschland.

Gradierbauten mit einer Länge von 3700 Metern, zahlreiche Wasserräder, zwei Windmühlentürme sowie Kunstgräben und Feldgestänge von mehreren hundert Metern waren erforderlich, um aus der schwachprozentigen Sole gewinnbringend Salz herstellen zu können. 5000 Tonnen Salz wurden jährlich produziert. Der Ruf Nauheims als Standort der »trefflichsten Saline Deutschlands« war Alexander von Humboldt bekannt. Auch das Studium der umfangreichen, von dem (Bad) Nauheimer Karl Christian Langsdorf verfassten Literatur über die Salzwerkskunde veranlasste den jungen Berg-Assessor, Nauheim zu besuchen. Humboldt hatte Langsdorf einmal persönlich kennengelernt und den Salinen-Fachmann und Professor für Mathematik und Maschinenbau als einen »kenntnisreichen Mann« bezeichnet.

Zur damaligen Zeit waren den Wissenschaftlern, unter ihnen auch Humboldt, Entstehung und Herkunft der aus der Erde hervortretenden Salzquellen völlig unklar. Daher erhoffte sich Humboldt durch die Untersuchung der in den Solen gelösten Bestandteile Auskunft über ihren Ursprung zu erhalten. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf eine Quelle auf der Nauheimer Saline, von der Langsdorf in seiner »Anleitung zur Salzwerkskunde« behauptet hatte: »Eine Quelle auf dem Salzwerk zu Nauheim ist so reich an Schwefel, dass man sich derselben ohne Gefahr, von den erstickenden Dämpfen augenblicklich betäubt und wohl gar getötet zu werden, gar nicht nähern darf.«

Auf einem Prospekt der Saline Nauheim von 1784 sind acht Solebrunnen eingetragen. Da die Suche Humboldts und seiner Reisebegleiter nach Schwefel an den Brunnenwänden ergebnislos verlief, entschloss man sich zu einem Experiment. Humboldt schreibt: »Ich sammelte einen Teil des Niederschlags und sah ihn deutlich mit der zugegebenen Säure aufbrausen. Es war Luft.« Dieses Ergebnis führte bei den Reisenden zu einer Revision der allgemeinen Annahme des Auftretens von Schwefel in Nauheim.

Seltene Salzpflanzen

Es ist schwer nachvollziehbar, weshalb Langsdorf von einer schwefelhaltigen Quelle auf der Saline seines Heimatortes Nauheim berichtet. Möglich wäre, dass er von Salinenarbeitern über gefährliche Gase informiert worden war, es sich dabei aber um das in vielen Nauheimer Quellen enthaltene Kohlendioxyd handelte. Noch heute wird am Ludwigsbrunnen mit einer Hinweistafel vor dem giftigen Gas gewarnt. Vielleicht gab es aber doch einmal eine Schwefelquelle in Nauheim. Dann aber hatte nur einer davon Kenntnis.

Nicht revidiert wurde das Vorkommen der seltenen Salzpflanzen, die der Naturforscher Humboldt in der Nähe der Nauheimer Salzbrunnen entdeckte und in seinem Reisebericht erwähnte. Es sind die heute noch an den Gradierbauten und in Wisselsheim wachsenden Halophyten: Queller, Blauer Salzschwingel, Strandmilchkraut und Salzschuppenmiere.

Sollten in künftigen Baugebieten noch einmal Straßennamen gesucht werden: Am 28. September 1789 war Alexander von Humboldt in (Bad) Nauheim. Thomas Schwab

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