16. September 2019, 11:00 Uhr

Zucker billig wie nie

Anbauer leiden unter historisch niedrigen Zuckerpreisen

Die Wetterauer Zuckerrübenanbauer zeigten sich bei der Mitgliederversammlung in Wölfersheim sichtlich enttäuscht: Die Zuckerpreise sind historisch niedrig.
16. September 2019, 11:00 Uhr
Sieben bis acht Zuckerrüben sind zur Gewinnung von einem Kilogramm Haushaltszucker nötig. Die Pflanzen nehmen eine Fläche von etwa einem Quadratmeter in Anspruch.

Gereizte Stimmung prägte phasenweise die Mitgliederversammlung des Verbands Wetterauer Zuckerrübenanbauer am Freitag in der Wölfersheimer Wetterauhalle. Die Vertreter der rund 420 Zuckerrübenanbauer stöhnen unter den Faktoren Liberalisierung des europäischen Zuckermarkts, Neuregulierung des Pflanzenschutzes sowie klimatische Veränderungen hin zu heißen, trockenen Sommern.

Zwar betonten alle offiziellen Redner, dass die Talsohle der Preisgestaltung womöglich durchschritten sei und überdies der Sommer 2019 nicht ganz so niederschlagsarm wie der des Vorjahres gewesen sei. Die Enttäuschung über die historisch niedrigen Zuckerpreise in der EU stand zahlreichen Mitgliedern dennoch ins Gesicht geschrieben.

Zu Beginn der Versammlung hatte Verbandsvorsitzender Dr. Matthias Mehl die vergangene Kampagne mit ihren einschneidenden Veränderungen nochmals Revue passieren lassen. Der 2018 erwirtschaftete Ertrag von 65 Tonnen Rüben pro Hektar lag aufgrund der langen Dürre weit unter dem fünfjährigen Mittelwert von 76 Tonnen, der konzentrierte Zuckergehalt mit 20 Prozent allerdings über dem Mittel von rund 18 Prozent. Für 2019 seien aufgrund der in der Wetterau günstigeren Witterung etwas höhere Rübenerträge zu erwarten. »Die Wetterau steht zur Zuckerrübe, trotz der aktuell niedrigen Preise«, betonte Mehl mit Dank an die Anbauer.

Mitgliedsbeiträge werden erhöht

In ihrem Bericht unterstrich Geschäftsführerin Marie-Christin Mayer die Notwendigkeit, die Verbandsmitgliedsbeiträge aufgrund der geringeren Ertragslage zu erhöhen. Für die Kassenprüfer bescheinigte Helmut Grenzebach sowohl Geschäftsführung als auch Vorstand eine einwandfreie Buchführung, sodass beide einstimmig entlastet wurden. In der Nachfolge für Hans-Werner Rach wählte die Versammlung Holger Stark zum neuen Kassenprüfer sowie die Mitglieder Uwe Gieber und Klaus Dietz in den Verbandsausschuss.

Mit großem Interesse verfolgte man den Vortrag »Aktuelle Entwicklung der Südzucker-Gruppe« durch Finanzvorstand Thomas Kölbl. Er begann mit dem großen Bereich »Nicht-Zucker« und den dort durchaus vorhandenen positiven Entwicklungen in den Segmenten »Spezialitäten« und »Crop Energies (Bioethanol)«. Auch die Marge im Bereich »Frucht« sei relativ stabil. Hauptsächlich das Segment »Zucker« sei für die deutliche Verringerung des operativen Konzernergebnisses von 78 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 47 Millionen Euro verantwortlich.

Südzucker schließt fünf Werke

Diese Geschäftslage habe zum einen die bereits im Frühjahr angekündigte »Restrukturierung« im Bereich Zucker nach sich gezogen. So würden insgesamt fünf Südzucker-Werke nach der diesjährigen Ernte geschlossen, darunter Brottewitz in Süd-Brandenburg und Warburg in Nordrhein-Westfalen. »Nach der Kampagne 2019 werden wir zudem 700 Mitarbeiter im Segment Zucker freisetzen«, sagte Kölbl, »außerdem müssen Logistik, Vertrieb und Verwaltung gestrafft werden.«

Dieses Maßnahmenpaket sei nötig, um Kosten einzusparen, eine maximale Auslastung der vorhandenen Fabriken zu erreichen und Zucker insgesamt wettbewerbsfähig zu erhalten. Während sein Unternehmen auf Restrukturierung und weitere Diversifizierung setze, um die Verluste im Segment Zucker abzufedern, benötigten die Anbauer selbst wie auch Südzucker als Produzent und Vermarkter »Rückenwind statt Gegenwind« durch die Politik und die Märkte, forderte Finanzvorstand Kölbl. Er zeigte sich zuversichtlich: Dann würden sich die allseitigen Verluste mittelfristig auch wieder ausgleichen, und dann könnte die Zuckerrübenproduktion auch wieder kostendeckend bezahlt werden.

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