08. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Parfüm-Cocktails

Arnd Henning Heißen mischt Drinks für alle Sinne

Arnd Henning Heißen ist Barmanager des Hotels Ritz-Carlton in Berlin. Er entwickelt Cocktails, die auf Parfums basieren.
08. Dezember 2017, 16:00 Uhr
Außergewöhnlicher Drink: Der Barmanager des Ritz-Carlton Hotels in Berlin, Arnd Henning Heißen, serviert der Burgsprecherin Clara Wiessner einen Cocktail, den er nach den Werten des Internats Lucius kreiert hat. (Foto: Potengowski)

Vor 23 Jahren hatte Arnd Henning Heißen zwei Jahre das Institut Lucius besucht. Es seien wichtige Jahre für ihn in Echzell gewesen, sagte Heißen am Dienstag beim traditionellen Burggespräch. Und es klang nicht wie Höflichkeit gegenüber Oberstufenleiterin Vera Kissner. »Ich war früher ein großer Chaot«, bekannte der frühere Schüler. »Manchmal braucht man einen Fingerzeig.«

Seine Eltern hatten ihn nach Echzell geschickt, nachdem er wegen seiner Englischnote in der fünften Klasse nicht versetzt worden war. Neben der Sprache habe er große Probleme mit den Kopfnoten in Ordnung und Fleiß gehabt. »In meinen Augen bin ich abgeschoben worden in das Internat.« Dort habe er unter anderem gelernt, dass es nichts bringe, sich vor Aufgaben zu drücken.

 

Kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung

 

Es war kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung in Heißens Persönlichkeit. Ohne die hätte er sicher nicht den Weg gefunden, den er gegangen ist. Doch blieb es auf weiten Strecken sein eigener Weg, obwohl die häufigen beruflichen Versetzungen seines Vaters ihn meist nur zwei Jahre in einem Land wohnen ließen.

So lernte er Lettland und die Türkei kennen und Deutschland mit seinen Möglichkeiten schätzen. Andererseits erfuhr er, dass Überfluss allein nicht glücklich macht. Manchmal seien die kleinen Dinge wichtiger.

Heißen entdeckte seine Leidenschaft für Kunst und dass sie mehr bedeutet, als Stillleben zu malen. Er fand seinen eigenen Stil, und als ihm die Farben zu langweilig wurden, experimentierte er mit Lebens- und Genussmitteln wie Kaffee, Schoko oder Tabak auf der Leinwand. »Rotten Paint« nannte er das Konzept, das viele nicht verstanden.

 

Patschuli und Weihrauch im Glas

 

Dabei zeigten sich zwei Wesenszüge Heißens, die für seine weitere Entwicklung richtungsweisend werden sollten: die Faszination von Lebensmitteln und Gerüchen und die Bereitschaft, andere Wege zu gehen. Dass er nicht bei der Malerei blieb, lag an einer weiteren Eigenschaft, der bei seinen Lehrern nicht immer auf Begeisterung gestoßen sein dürfte. Heißen mag es, Menschen zu unterhalten. »Ich war im Unterricht schon Gastgeber«, sagte er. Deshalb blieb es bei einem kurzen Abstecher ins Geld- und Versicherungsgeschäft. »Sie werden bei uns nicht glücklich«, hatte man schnell erkannt. Stattdessen ging Heißen in die Gastronomie.

Es waren nicht nur Traumjobs, in denen er arbeitete. Aber überall sammelte er Erfahrungen. So lernte er in München, schnell und effizient zu arbeiten, obwohl er sich lieber Zeit für die Gäste nahm. »Das ist das Schöne an meinem Beruf, dass man jeden Abend sehr wertvolle Konversation führen kann.« Dabei entwickele man sich auch selbst weiter, weil man andere Meinungen höre.

 

In Japan neue Inspiration geholt

 

In Berlin arbeitete er schließlich in einer japanischen Bar, die nur japanische Zutaten verwendete. Dann kam das Angebot vom Ritz-Carlton, dort eine Bar mit eigenem Konzept zu gestalten. »Viele Gäste haben sich über die Zutaten beschwert«, erinnert sich Heißen an die Probleme, Patschuli und Weihrauch als Cocktail-Zutaten zu verkaufen. »Die Gäste haben gefragt: ›Muss ich studiert haben, um Ihre Karte zu verstehen?‹ «

Das war erst der Anfang. Bei der Recherche nach neuen Zutaten sei er immer wieder auf Parfums gestoßen, erzählte Heißen. »Der allererste Drink, den ich einem Parfum nachgebaut habe, war ›Jicky‹ von Guerlain.« Es folgten weitere Guerlain-Düfte und der unvermeidliche Gang zu dem Parfumhersteller, um sich die Idee absegnen zu lassen. Als er seine Cocktails persönlich bei Guerlain präsentierte, staunten die Mitarbeiter: »Das schmeckt ja wirklich wie Parfum.«

Auch die Gäste überzeugte das Konzept zunächst nicht. »Sie sprühen also die Düfte in die Cocktails«, versuchten sie es zu fassen. Doch der ungewöhnliche Geschmack von Heißens Drinks überzeugte schließlich und sprach sich herum. Das Ritz-Carlton gestaltete eine Bar komplett nach seinen Vorstellungen. Heißen selbst ist inzwischen weltweit als Berater und Fachmann gefragt.

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