16. August 2019, 05:00 Uhr

Kein Techno im Usa-Bad

»Atlantis«-Festival geht baden

Techno Beats und Badespaß: Diese Kombination schwebte dem Veranstalter des »Atlantis«-Festivals im Usa-Wellenbad vor. Doch Bürgermeister Klaus Kreß verweigert die Zustimmung.
16. August 2019, 05:00 Uhr
Kein Zutritt für Techno-Freaks. Das Festival »Atlantis« darf im Usa-Wellenbad nicht veranstaltet werden, weil Bürgermeister Klaus Kreß aus Sicherheitsgründen seine Zustimmung verweigert. (Foto: Nici Merz)

Mit Veranstaltungen wie Wettrutsch-Meisterschaften oder »Sparkling Vibes« möchte die Leitung des Usa-Wellenbads das Image ändern und neue Einnahmequellen erschließen. Deshalb hieß der Schwimmbad-Zweckverband, dem Politiker aus Bad Nauheim und Friedberg angehören, das Angebot von Konzertveranstalter Christian Minke willkommen. Am 7. September sollte dort das Techno-Festival »Atlantis« mit bis zu 3000 Besuchern steigen - eine Kombination aus Musik, Badespaß und Partytreiben. »Im Vorfeld traf ich mich mit Zweckverband, Geschäftsführung und Vertretern der Magistrate, darunter Bad Nauheims Erster Stadtrat Peter Krank. Alle waren begeistert«, berichtet Minke, der etliche Veranstaltungen dieser Art organisiert hat, etwa in Lich und Gießen.

Der Vertrag wurde unterzeichnet, das Kreisbauamt habe, so der Veranstalter, ebenfalls die Genehmigung signalisiert. Er startete daraufhin die Werbung, die auf Techno im Schwimmbad abgestimmt war. Für Minke kam das Aus völlig unerwartet: Bürgermeister Klaus Kreß verweigerte die Zustimmung, führte vor allem Sicherheitsbedenken an.

Konzert auf dem Burgfeld?

Nach Ansicht des Veranstalters ist die Begründung des Rathauschefs vorgeschoben. »Das ist für mich eine kleine Katastrophe, weil mein ganzes Werbekonzept zerstört wird. Ich habe das Gespräch mit Kreß gesucht - vergeblich.« Anspruch auf Schadensersatz hat Minke nicht, das schließt der Vertrag aus. Glück im Unglück: Friedberg hat schnell reagiert und will das Burgfeld zur Verfügung stellen. Dort sitzt »Atlantis« allerdings auf dem Trockenen.

Der Bürgermeister beurteilt die Sicherheitsregelungen für ein Festival dieser Größe als völlig unzureichend. So sollte das Freigelände am 7. September geteilt werden - hier Konzert-Gelände, dort Liegewiese für Badegäste. Ein Konzept für den Einsatz von Rettungsfahrzeugen habe gefehlt. »Im Notfall sollten die Techno-Fans aufs Gelände der normalen Schwimmbad-Besucher flüchten. Für eine solche Regelung darf ich kein grünes Licht geben. Was ist, wenn ein Unfall passiert?«, sagt Kreß. Zudem liege das Wellenbad laut B-Plan in einem Wohngebiet, damit sei dieses Event nicht zu vereinbaren.

Kreß: Passt nicht zur K urstadt

Der Rathauschef macht keinen Hehl aus seiner persönlichen Ansicht, wonach das Festival nicht zur Kurstadt passt. »Alkohol und Tanz - bei Techno-Partys geht’s richtig ab.« Der Vergleich mit »Sparkling Vibes«, wo es ebenfalls Livemusik gibt, hinke, weil das Publikum ein anderes sei. Für Anwohner sei die Lärmbelästigung unzumutbar, auch wenn die Fete um 22 Uhr ende. Sicherheitsexperten haben Kreß zufolge davor gewarnt, dass Besucher anschließend in die Stadt ziehen und weiterfeiern. Das hätte Probleme bereitet, zumal am selben Abend das Weinfest steige. »Die Polizei steht hinter der Ablehnung«, versichert der Bürgermeister.

Solche Aussagen des Nauheimer Rathauschefs verwundern Friedbergs Stadtrat Klaus Fischer. Er kümmert sich seit Monaten um das Festival. »Wir haben mit der Polizei eine Begehung des Areals gemacht. Sicherheitsbedenken gab es nicht«, sagt er. Die Argumente von Kreß seien weit hergeholt, zumal Erster Stadtrat Krank sein Okay gegeben habe. Selbst der Reiterkreis sei als Schwimmbad-Nachbar nicht gegen das Festival gewesen. Nachdem Fischer vom Nein erfahren hatte, ging er ins Rathaus. Dabei hätten sich Kreß und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha kompromisslos gezeigt. Laut Fischer wären mit etwas gutem Willen alle Probleme lösbar gewesen.

Fischer sieht Imageschaden

»Die Absage schadet dem Image des Schwimmbads und der Stadt Bad Nauheim. Das zeigen Reaktionen in sozialen Medien«, betont der Stadtrat. Friedberg sei eine jugendfreundliche Stadt, Techno-Fans würden herzlich willkommen geheißen. Daher sei das Burgfeld zur Verfügung gestellt worden. Noch liegt für diesen Ort allerdings keine Genehmigung vor.

Viele Bürger aus dem Nauheimer Süden dürfte das Aus für »Atlantis« freuen. Wie ein Anwohner sagte, gehe »Sparkling Vibes« trotz Krach bis Mitternacht einmal im Jahr in Ordnung. Hinzu kämen Veranstaltungen des Reiterkreises, bei denen es lautstark zugehe. Es sei nicht akzeptabel, dass im Schwimmbad immer mehr Musikevents steigen sollen.

Sicherheitsregeln verschärft

Das Genehmigungsverfahren für ein Großereignis wie das Techno-Festival »Atlantis« nachzuvollziehen, ist nicht ganz einfach. Zuständiger Dezernent auf Bad Nauheimer Seite ist eigentlich Erster Stadtrat Peter Krank, der für Kultur und das Ordnungsamt verantwortlich zeichnet. »Nach der Präsentation hatten wir eine positive Haltung dazu, auch der Magistrat«, sagt er. Wie im Vertrag aber eindeutig festgehalten worden sei, gelte die Zustimmung vorbehaltlich einer Genehmigung durch das Kreisbauamt. Dabei spielten Sicherheitsaspekte, die im Vorfeld nicht zu beurteilen gewesen seien, eine wesentliche Rolle.

Bürgermeister Klaus Kreß muss als Baudezernent den Antrag im Rahmen des Genehmigungsverfahrens durch das Kreisbauamt absegnen. »Ohne eine positive Stellungnahme der Stadt wird unsererseits für derartige Veranstaltungen keine Genehmigung erteilt«, erklärt Kreispressesprecher Michael Elsaß. Eine Prüfung werde erst vorgenommen, wenn die Kommune zustimme. Das war bei »Atlantis« aber nicht der Fall. Seit der verheerenden Massenpanik mit 21 Todesopfern bei der Loveparade 2010 in Duisburg gelten für Großveranstaltungen verschärfte Sicherheitsbestimmungen. Der Veranstalter muss viele Auflagen erfüllen, unter anderem bezüglich Fluchtweg und Security.

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