08. November 2017, 20:23 Uhr

Auf zehn verschiedenen Flöten

Gerade hat sie ihre neue CD veröffentlicht. »Reflections – Flute Solos« heißt sie. Eingespielt hat sie Sabine Dreier aus Altenstadt und dafür ungewöhnliche Aufnahmeorte in der Wetterau besucht. Bevor sie im November Konzerte in Friedberg und Florstadt gibt, erzählt sie, wie es war, in der Mikwe Flöte zu spielen und wieso es mit diesem Instrument nie langweilig wird.
08. November 2017, 20:23 Uhr
Tief unter der Erde: Die Mikwe in Friedberg hat eine besondere Akustik. Sabine Dreier hat dort Stücke für ihre neue CD eingespielt. (Foto: hms)

Das Besondere an der Doppel-CD sind die ungewöhnlichen Aufnahmeorte: das alte Jugendstilbad in Friedberg, die 25 Meter tiefe Mikwe und die Kubacher Kristallhöhle. Was hat Sie dazu inspiriert?

Sabine Dreier: Kurz vor dem Umbau zum Theater Altes Hallenbad 2010, spielte ich ein Konzert mit Flöte und Laute dort und war fasziniert von dem fulminanten Klang. Es war wie ein riesiger Resonanzkörper, der auf die Flötentöne wirkte. Dann gab mir jemand den Tipp, doch mal in der Mikwe, dem Judenbad aus dem 13. Jahrhundert, zu spielen. Das war eine ganz besonders geheimnisvolle Atmosphäre. Schon wenn man nur ein paar Stufen hinabsteigt, spürt man, wie einen der Raum umfängt. Wasser tropft in das Bad und ergänzt die Töne der Flöte. Es ist eine wunderschöne Akustik, die die Dimension des Bauwerks hörbar werden lässt. Dazu passten dann auch ein paar Stücke, die ich schon 2003 bei einem Geburtstagsfest in der Kristallhöhle aufgenommen hatte. Am tiefsten Punkt entsteht quasi ein Duett aus Flötentönen und Wasserklang.

Sie spielen auf dieser CD mit 15 und in den Konzerten mit zehn verschiedenen Flöten. Haben Sie die auf den jeweiligen Raum abgestimmt?

Dreier: Ja, zum Beispiel klingen in der Mikwe die tiefen Flöten mit ihrem warmen Klang besonders gut. Vor allem dort wollte ich versöhnliche Töne anstimmen und dazu passt nichts Schrilles. Zu den jeweiligen Kompositionen von 1228 bis 2010 passend habe ich dann Renaissance- oder Barockflöten, eine chinesische, eine Keramikflöte und die modernen Flöten in allen Stimmlagen ausgewählt. So ist die Entwicklung der Tonsprache durch die Jahrhunderte gut erkennbar. Man kann die CD also auch als eine Art Lexikon verwenden. Mit dem Booklet ist die CD so etwas wie ein Gesamtkunstwerk vom Klang bis zur Technik, denn auch die Tonaufnahme war eine Herausforderung.

Machen Ihnen nicht die extrem langen Nachhallzeiten beim Spielen zu schaffen?

Dreier: Ich habe mich darauf eingestellt. Der Flötenklang trägt sehr weit und wird in diesen halligen Natur-Räumen besonders interessant reflektiert. Harmonien und Arpeggien klingen wunderbar. Diese Reflexionen waren genau das, was ich wollte. Sie haben mich inspiriert zum Improvisieren und zum entschleunigten Spiel. Es eröffnen sich dem Hörenden abwechslungsreiche, faszinierende Klangwelten. Die Konzerträume sind übrigens auch etwas hallig.

Sie spielen auch Eigenkompositionen?

Dreier: Ja, ich komponiere hin und wieder, wenn ich den Impuls spüre oder weil ich einen Auftrag erhalte. Auf der CD sind 47 kurze Stücke vom Minnegesang über Bach, bis zu Debussy und Piazzolla und davon auch 13 meist meditative Improvisationen und Kompositionen von mir. Auch wenn es nur Flöte ist, wird es nie langweilig.

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