22. März 2017, 11:00 Uhr

Sicherheit

Aufrüstung gegen Einbrecher

So sicher wie die Bank von England ist das Wohnhaus von Heinrich Frank nicht. Doch der Bad Nauheimer hat einiges investiert, um sich vor Einbrechern zu schützen.
22. März 2017, 11:00 Uhr
Der Hausherr entriegelt seine Tür inzwischen nur noch per Fingerabdruck. (Foto: bk)

Genützt hat es nichts: Während das Ehepaar eine Kreuzfahrt genoss, sind Profis eingedrungen. »Es ist furchtbar, wenn Wildfremde in der Privatsphäre rumschnüffeln«, beschreibt Frank seine Gefühle. Ein ängstlicher Typ ist der 76-Jährige nicht, trotzdem rüstet er weiter auf.

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Durch diese Tür sind die Einbrecher gekommen, zeigt Heinrich Frank. (Foto: bk)

Wer das Ehepaar Frank in der Danziger Straße besucht, hat gleich am Hauseingang ein ungewöhnliches Erlebnis. Wenige Sekunden nach dem Klingeln ertönt eine Art leises Motorengeräusch, dann lässt sich die Tür aufdrücken. Kaum ist sie wieder zu, brummt es erneut. Sofort wartet der freundliche Hausherr mit einer Erklärung auf. Die Riegel der Eingangstür öffnen und schließen sich automatisch. Außerdem ist das 8000 Euro teure Prachtstück mit einem Fingerscan ausgerüstet. »Ich habe drei meiner Fingerabdrücke speichern lassen, Schlüssel brauche ich keinen mehr«, lacht Heinrich Frank über die technische Spielerei. Da kommt so schnell niemand rein, denkt der Laie. Doch eine Sicherheitsfirma, die der 76-jährige Steinmetz-Meister kürzlich hinzugezogen hat, ist anderer Ansicht. »Die meinten, die Schlösser taugen nichts, sollten ersetzt werden.« Kostenpunkt: 1000 Euro.


Schon beim Bau auf Sicherheit geachtet

Schon beim Bau des Hauses vor sechs Jahren hat Frank viel Wert auf Sicherheit gelegt. Alle Türen und Fenster wurden mit einer Pilzkopfverriegelung ausgerüstet, was das Aufbrechen deutlich erschwert. Elektromotoren bewegen die Rollläden, die sich nicht anheben lassen. Um 22 Uhr werden die Schotten automatisch dicht gemacht. Dafür sorgt eine Zeitschaltuhr ebenso wie fürs Einschalten der Beleuchtung im Hausinnern in bestimmten Zeitintervallen. Weitere Hilfsmittel: Bewegungsmelder und ein »Panikschloss« zwischen Garage und Wohnräumen.

Hintergrund

"Wachsame Nachbarn"
Durchwühlte Schmuckschatullen im Grünen Weg: Die Täter lassen nur ausgewählte Stücke mitge...

Auch im Bad Nauheimer Hochwald-Gebiet haben sich in den letzten Monaten offenbar organisierte Banden auf Beutezug begeben. Im Grünen Weg und im Carl-Oelemann-Weg ist eingebrochen worden, Autos wurden geknackt, zuletzt vor etwa drei Wochen. In einem Fall wurde offensichtlich ein »Kundschafter« von einem aufmerksamen Mieter verjagt und bis zur Bleiche verfolgt, wo der Verdächtige in ein Fluchtauto stieg. Als Schwerpunkt für Eigentumsdelikte ist dieser Teil der Kernstadt gleichwohl nicht zu betrachten (siehe »Drei Fragen an …«). Besorgte Bewohner des Grünen Wegs haben sich inzwischen unter dem Moto »Der wachsame Nachbar« lose zusammengeschlossen, achten vor allem auf Immobilien, die wegen Urlaubs einige Wochen leer stehen. Der Nachbar erhält auch Informationen darüber, wer sich trotz Abwesenheit der Eigentümer im Haus aufhalten könnte, etwa Putzfrauen oder Handwerker.
Ein Auslöser für diese Initiative war der Einbruch ins Gebäude eines Paares, das namentlich nicht genannt werden möchte. »Ein Tag vor unserer Rückkehr aus dem Urlaub muss es passiert sein. Die Putzfrau hat den Einbruch entdeckt und einen Riesenschreck bekommen«, erzählt der Mann. Wie üblich nahmen die Ganoven nur ausgewählte Stücke mit, Schmuck und Uhren im Wert von etwa 7000 Euro. Ins Innere gelangt waren die Täter durch die mit einem Schloss gesicherte Terrassentür. »Die haben vier Brecheisen angesetzt und die Tür angehoben.« Vor einigen Wochen war offenbar ein »Kundschafter« auf einem anderen Grundstück im Grünen Weg unterwegs und wurde von einem Mieter verjagt. Wie ein Nachbar erzählt, hätten die Hauseigentümer kurze Zeit später einen aufgemalten Punkt an einer Grundstücksmauer entdeckt. Wurde dort »gezinkt«, hat der »Kundschafter« den Einbrechern eine Botschaft hinterlassen?

Das alles hat die Ganoven nicht abgeschreckt, die in der Nacht zum 27. Januar kamen – die Polizei spricht von Profis (siehe »Drei Fragen an …«). Die Täter müssen das Haus ausgekundschaftet haben, davon ist der 76-Jährige fest überzeugt. Und nicht nur das: Vermutlich hatten sie sich schon tagsüber an die Arbeit gemacht, vielleicht als Handwerker getarnt, um die Bewegungsmelder abzuschrauben. »Das eine Exemplar war in einer Höhe von vier Metern installiert. Da kommt niemand ohne Leiter ran«, sagt der Hausherr. Als die Einbrecher nachts zurückkehrten, waren die Rollläden geschlossen. An der Tür zum Hauswirtschaftsraum versuchten sie ihr Glück. Nachdem die Führungsschienen aufgehebelt waren, ließ sich der Rollladen herausnehmen.

Dann sollte die Tür mit Brachialgewalt geöffnet werden, was deutliche Spuren hinterließ. Doch die Pilzkopfverriegelung gab nicht nach. Wie abgebrüht die Täter sind, zeigte sich wenig später. Die dreifach verglaste Türscheibe wurde eingeschlagen. Normalerweise fürchten Ganoven solchen Lärm. »Unsere Nachbarn haben gegen 1.30 Uhr einen Knall gehört, dachten an einen Schuss. Sie haben rausgeschaut, sich aber wieder hingelegt.« Bei allen Häusern in der Gegend sind nachts die Rollläden geschlossen, das dürfte den Profis nicht entgangen sein.


Ordentliche Einbrecher

Auch den kleinen Safe im Keller haben die Täter aufgehebelt, aber nichts Wertvolles gefund...

»Immerhin hatten wir ganz ordentliche Einbrecher«, schmunzelt Heinrich Frank. Die Täter warfen beim Durchsuchen der Schränke nicht alles raus, sondern legten etwa Bettwäschestapel fein säuberlich auf den Boden. Sie erbeuteten Schmuck im Wert von 15 000 Euro, die Versicherung ersetzt nur ein Drittel – mehr gibt die Police nicht her. Der wertvollere Schmuck war nicht mit auf Kreuzfahrt gegangen – aus Angst vor Diebstahl. Künftig wird es bei den Franks nichts zu holen geben, ein Schließfach wurde gemietet.

»Rein kommen sie immer. Man kann die Sache nur verzögern und hoffen, dass sie aufgeben«, weiß der 76-Jährige. Trotzdem will er nachrüsten, vor allem zur eigenen Beruhigung. »Wenn wir spät abends nach Hause kommen, ist es ein Scheißgefühl«, sagt Frank. Er geht erst mal im Keller nachschauen, seine Frau macht gleich alle Lichter und den Fernseher an. Sie denkt mit Bangen an den geplanten Golfurlaub ihres Mannes, den er mit Freunden verbringen wird.

Interview

Drei Fragen an Polizeisprecherin Sylvia Frech
Polizeipressesprecherin Sylvia Frech. (Foto: phk)

Sind laut Polizeistatistik in Bad Nauheim in den letzten Monaten verstärkt organisierte Einbrecherbanden unterwegs? Ist das Hochwald-Gebiet ein Schwerpunkt?
Sylvia Frech: Die Polizeistatistik verzeichnet 2016 einen Rückgang der Wohnungseinbrüche in Bad Nauheim im Vergleich zum Vorjahr. 54 Fälle des besonders schweren Diebstahls aus Wohnungen gab es im letzten Jahr, 61 Fälle waren es 2015. Ein Schwerpunkt im Hochwald-Gebiet wurde nicht festgestellt. Die Vorgehensweise beim Einbruch in der Danziger Straße lässt tatsächlich auf eine professionelle und vermutlich überörtlich agierende Bande schließen.
Die Täter sollen mit »Kundschaftern« arbeiten und die altbekannte Methode des »Zinkens« verwenden. Liegen der Kripo Informationen darüber vor?
Frech: Hinweise aufs »Gaunerzinken« liegen der Kripo derzeit nicht vor. Sollten Anwohner verdächtige Beobachtungen in diesem Zusammenhang machen, bittet die Polizei zeitnah – und vor Entfernung der möglichen »Zinken« – um entsprechende Hinweise.
Helfen teure Umbauarbeiten an Häusern, um Profi-Einbrecher abzuschrecken?
Frech: Einbruchsprävention durch technische Hilfsmittel helfen tatsächlich. Mehr als die Hälfte aller Einbrüche 2016 blieb im Versuchsstadium stecken. Diese Hilfsmittel müssen nicht teuer sein. Oft reicht es, einige Schwachstellen zu beheben oder beim Neubau auf entsprechende Sicherheitsklassen zu achten. Die Kripo berät kostenlos. Nachbarn können sich zusammentun und sich gemeinsam informieren lassen.

Auf dem Wunschzettel des Hausherren stehen vor allem eine Alarmanlage, gekoppelt mit Bewegungsmeldern, und Sicherheitsfenster. Unter dem Strich wird noch mal ein fünfstelliger Betrag investiert. Wird ein solcher Melder ausgelöst, ertönt ein dreiminütiges Heulen, das Grundstück wird erleuchtet. Die Erfahrungen, die er in seinem alten Wohnhaus in der Homburger Straße mit dieser Technik gesammelt hat, schrecken den 76-Jährigen nicht ab. Dort wurde die Anlage nach drei Fehlalarmen nicht mehr angeschaltet. In der Homburger Straße wurde letztes Jahr übrigens auch eingebrochen, in die Büroräume des Steinmetzbetriebs. Der Täter wollte gerade mit dem Tresor fliehen, als der telefonisch vom Mieter im ersten Stock benachrichtigte Firmenchef angelaufen kam und den Einbrecher mit einem Golfschläger attackierte.

Vor Schreck und Schmerz flüchtete der Ganove ohne Safe.

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