18. Oktober 2019, 18:08 Uhr

Auge und Ohr der Polizei

18. Oktober 2019, 18:08 Uhr
Präsenz und Bürgernähe - dafür sollen die vier neuen Freiwilligen Polizeihelfer in Reichelsheim sorgen: Robert Liß, Ute Langstrof-Liß, Markus Naumann und Jens Wönicker, (6. bis 3. v. r.), hier mit Bürgermeister Bertin Bischofsberger (3. v. l.), Polizeipräsident Bernd Paul (4. v. l.), Christoph Stark (Leiter Polizeistation Friedberg) und weiteren Polizisten. (pob)

Nach einer Ausbildung von 50 Stunden haben eine Frau und drei Männer ihr Ehrenamt im Freiwilligen Polizeidienst angetreten. Polizeipräsident Bernd Paul wies am Dienstag bei einer Feierstunde zum Dienstbeginn darauf hin, dass Reichelsheim eine sehr sichere Stadt sei. Der Freiwillige Polizeidienst sei jedoch eine wichtige Ergänzung, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Diese Aufgabe sollen Ute Langstrof-Liß, Robert Liß, Markus Naumann und Jens Wönicker übernehmen.

Durchschnittlich 6000 Straftaten seien in Hessen je 100 000 Einwohner zu verzeichnen. In Reichelsheim liege diese Quote deutlich niedriger: bei hochgerechnet 1500 Straftaten, wenn die Stadt 100 000 Einwohner hätte. »Gleichwohl, obwohl Sie in so einer sicheren Gemeinde leben, gibt es hier Leute, die Angst haben, sich nicht mehr vor die Tür trauen«, erläuterte Paul. Christoph Stark, Leiter der Polizeistation Friedberg, ergänzte, für die Bürger sei es wichtig, einen Ansprechpartner zu haben. »Die Freiwilligen Polizeihelfer sind auch Auge und Ohr der Polizei.« Eine Fußstreife, die durch die Straßen gehe, könne von den Bürgern besser auf Missstände aufmerksam gemacht werden.

Präsenz zeigen, beobachten, melden

»Zu glauben, dass allein die Polizei Sicherheit schaffen kann, ist ein Irrglaube«, bekräftigte Paul, dass der Freiwillige Polizeidienst ein wichtiger Teil der Sicherheitsarchitektur sei. Die Helfer sollen »Präsenz zeigen, beobachten, melden«. Aktuell gebe es im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen 86 Helfer im Freiwilligen Polizeidienst. Paul betonte, dass die Polizei auch auf die Mithilfe der Zivilgesellschaft und ehrenamtliches Engagement angewiesen sei. »Unsere Manpower ist nicht unendlich.«

Für neun Kommunen mit rund 120 000 Einwohnern sei die Polizeistation Friedberg zuständig, ergänzte sein Kollege Stark. »Da ist es schwierig, an jedem Ort gleichzeitig zu sein.« Deshalb sei der Freiwillige Polizeidienst eine wichtige Ergänzung. »Wir haben einen geschulten Zeugen vor Ort.« Die Polizeihelfer könnten durch ihre Ausbildung Situationen sehr gut einschätzen und der Polizei für weitere Maßnahmen melden.

Stark betonte aber auch, dass die Helfer sich nicht in Gefahr bringen sollten. Das Wichtigste sei, »dass wir jeden Tag gesund nach Hause kommen«. Dafür würden die Einsätze der Helfer von der Polizei koordiniert. Diese würden sich bei Dienstbeginn bei der Polizeistation anmelden, sodass diese wisse, welche Helfer wo im Einsatz seien.

Robert Liß berichtete, dass die Sicherheit der Helfer im Einsatz ein zentrales Thema in der Ausbildung gewesen sei. Die Schulung in Gießen, wie man sich im Einsatz verhalte, habe die Helfer am meisten beeindruckt. Dabei hätten sie zwar auch gelernt, notfalls Gewalt anzuwenden. »Wir dürfen uns ja wehren, wenn wir angegriffen werden«, stellte Liß fest. Wichtiger sei jedoch, sich so zu verhalten, dass Situationen nicht erst zu Gewalt eskalierten. Deshalb seien die Polizeihelfer auch in Kommunikation geschult worden.

Als die Stadt Bewerber für den Freiwilligen Polizeidienst gesucht habe, hätten er und seine Frau unabhängig voneinander entschieden, dass sie sich bewerben. »Reichelsheim ist zwar eine sichere Gegend, aber so sicher auch nicht«, hat Liß, der als Versicherungsfachmann in Frankfurt arbeitet, beobachtet. Im Umfeld von größeren Veranstaltungen gebe es immer wieder Sachbeschädigungen. Auch Vandalismus sei ein Thema. Dazu kämen Unfälle mit Fahrerflucht oder Firmenfahrzeuge, die Wohngebiete zuparkten. Das könne das Ordnungsamt der Stadt nicht alles alleine bewältigen. »Es sind viele Kleinigkeiten, die in der Summe den Bürgern aufstoßen«, erklärte er, warum er und seine Frau sich beworben hätten.

Bürgermeister Bertin Bischofsberger würdigte das Engagement der vier Polizeihelfer. »So etwas hat für mich wie die Feuerwehr in der Ehrenamtlichkeit einen ganz anderen Stellenwert, als in der Mannschaft eines Vereins mitzuspielen.« Er versprach, dass der Dienst der Polizeihelfer auch durch die Teilnahme an Großveranstaltungen wie dem Hessentag in Bad Vilbel im kommenden Jahr interessant gestaltet werde.

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